In der ambulanten und stationären Pflege fehlt das Personal. Höhere Löhne als Anreiz, die schwere Arbeit zu machen, lassen die Kosten für Heimbewohner steigen. Ein Teufelskreis, aus dem es keinen einfachen Ausgang gibt.
Die Probleme in der brandenburgischen Pflegelandschaft sind schnell benannt. In einer Anhörung des Sozialausschusses am Mittwoch ging es immer um das fehlende Personal. Und das fehlt nicht, weil zu wenig ausgebildet wird, sondern weil viele Pflegekräfte nur Teilzeit arbeiten – einerseits, um die schwere Arbeit zu bewältigen, andererseits, weil sie nur in Spitzenzeiten eingesetzt werden. Außerdem wandern viele ab: in andere Berufe und in andere Regionen. Ab kommendem Jahr werden die Pflegeberufe gemeinsam ausgebildet: Altenpflege, Kinderkrankenpflege und Krankenpflege. Mehrere Experten rechneten in der Anhörung damit, dass die Berufsanfänger dann in die Kliniken abwandern. In Cottbus wird schon in diesem Jahr mit dieser Form der Kanabilisierung der Pflegebereiche gerechnet.
In der ambulanten Pflege sieht es nicht viel besser aus. Dort müssten die Pfleger zum Teil 150 bis 200 Kilometer täglich fahren, berichtete Ailine Lehmann vom DRK-Verband Fläming-Spreewald. In ländlichen Regionen ist die Versorgung zum Teil nicht mehr gegeben, erklärte sie. Die Lösung liegt vor allem in einer besseren Bezahlung.
Das DRK Fläming-Spreewald hat im vergangenen Jahr die Löhne erhöht. Die Konsequenz: Der Zuzahlungsbetrag für Heimbewohner stieg von 1847 Euro je Monat auf 2360 Euro. Die Mehrheit der brandenburgischen Rentner hat geringere Einkünfte, hieß es unisono. Die Experten der Universität Bremen und des Instituts für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle waren sich einig, dass die Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung umgebaut werden müsse. Denkbar sei auch, dass der Bund die Pflege bezahlt, das Land Investitionen in die Heime und der zu Pflegende die Unterbringungskosten.
Die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Roswitha Schier, sprach sich dafür aus, dass die Heimbewohner nur einen Eigenanteil in Höhe des Sozialhilfesatzes von aktuell 860 Euro tragen sollten – allein: das ist Bundesrecht. Maren Dieckmann, Sozialdezernentin der Stadt Cottbus, berichtete, dass im vergangenen Jahr die Heimkosten in ihrer Stadt um 500 Euro monatlich angehoben wurden. Nun befürchtet man, dass Angehörige ihre Pflegefälle aus den Heimen abmelden und sie dann nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen.
Lösungsansätze nannte Chris Behrens von der AOK Nordost. Er schlägt vor, dass pflegende Angehörige Rentenpunkte erhalten sollten. Gerade im Osten mit den unterbrochenen Erwerbsbiografien sei das ein wichtiger Anreiz. Außerdem sollten pflegende Angehörige geförderten Urlaub nehmen können – eine Art Mutter-Kind-Urlaub. Beides ist aber auch nur über den Bund zu erreichen.
Uneinigkeit herrschte zum Einsatz ausländischer Pflegekräfte. Das DRK Teltow-Spreewald hat im vergangenen Jahr sieben Pflegerinnen aus Albanien angeworben. Deutschkurs und Einarbeitung sind aufwendig.
Lutz Karnauchow vom Verein Domino in Birkenwerder setzt auf muttersprachliches Personal, dem er nach eigenen Angaben monatlich 3500 Euro brutto zahlt. Er erklärte, dass die Mehrheit der Heime „Waschstraßen mit Vollpension“ seien. So habe Altenpflege keine Zukunft. Auch Behrens war der Meinung, dass die heute 65-Jährigen ganz andere Erwartungen an Pflege haben als heutige Heimbewohner.