Pflanzen für das Ökosystem
: Gartentrends bis Sonntag am Gleisdreieck

Von klimaresistenten Pflanzensorten bis zu versickerungsfähige Pflastern: Die Berliner zeigt neue ökologische Trends.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Immer was Exotisches dabei: Jörg Rauch zeigt auf der "Gartenträume"-Messe eine Sezuan-Beere. Die Fruchtpflanze kommt ursprünglich aus China, wurde aber von dem Naturland-Gärtner aus Niedersachsen auch für heimische Gärten kultiviert.

Daniela Incoronato

Die Steppenpflanze,  aus deren zartrosa Blüten man auch Heil–Tees für Herz und Kreislauf herstellen kann, kommt zudem mit dem hiesigen Klimawandel klar. Ursprünglich in der Mongolei geboren und in Niedersachsen weitergezüchtet, trotzt sie den berlin–brandenburgischen Dürreperioden. „Einmal in die Erde gebracht, muss man nicht mal mehr gießen. Sie wächst mit Luft und Liebe“, verspricht  Rauch, der auch zuckersüße Schwarze Rauch–Feigen und heimischen Wild–Oregano im Angebot hat.

Wie viele der rund 100 Aussteller der dreitägigen Indoor–Gartenschau wird Rauch immer wieder nach klimaresistenten Pflanzen gefragt. Nachhaltigkeit und Insektenfreundlichkeit sind Trends in den Hallen am Kreuzberger U–Bahnhof Gleisdreieck.

Tankstellen für Hummeln und Wespen sind auch die verschiedenen Wasserspiele, die zu bewundern sind. Die Pumpen von Florian Eilenberg aus dem Havelland passen inzwischen auch in alte Weinfässer. Die hölzernen Springbrunnen, in denen Seerosen treiben, kann man auch auf den Balkon oder die Terrasse stellen. „Nicht jeder hat ja einen großen Garten“, sagt Eilenberg.

Vor allem Städter wünschten sich zunehmend, die Natur auch mit kleinen Mitteln wieder aufblühen zu lassen. Und so sieht man in den Hallen am Kreuzberger Gleisdreieck bis Sonntag Mini–Beete und mobile Gewächshäuser, in denen Kohl und Salate wachsen. Versickerungsfähiges Pflaster soll zudem auf Terrassen und Dächern das Mikroklima verbessern und Überschwemmungen bei Starkregen verhindern.

Um den Klimaveränderungen und ihren Folgen zu begegnen, müsse man heute über den Tellerrand schauen, meint auch Felix Fischer von der Baumschule Ewald Fischer. Um zu verhindern, dass in den neue Hitzesommern den Bäumen das Laub „wegbrutzelt“, empfiehlt der Gartenbauwissenschaftler Feldahorn, Hainbuche und Himalaya–Birke. "Früher pflanzte man das, was schon vor 100 Jahren gut in der Region wuchs. Heute muss man schauen, was in hundert Jahren noch gedeiht“, erklärt Fischer.

Zu den Pflanzen, die Trockenperioden seit jeher trotzen, gehören Rosen. „Das liegt an den langen Wurzeln, die das Wasser aus zwei Metern Tiefe ziehen“, erklärt Sandra Radloff von der Bioland Rosenschule Uckermark. Dort sind erst im Herbst 2019 bei einem Großfeuer Scheune und Pferdestall abgebrannt. „Dank Spenden konnten wir einen neuen Traktor kaufen. Es muss ja weitergehen“, so die Brandenburgerin. Besonders widerstandsfähig ist auch die „Heilige Elisabeth“ des 2012 verstorbenen ungarischen Züchters Gergely Márk. Im Auftrag seiner Familie haben es sich die Uckermärker nun zur Aufgabe gemacht, seinen pflanzlichen Nachlass für die Nachwelt zu erhalten.

„Gartenträume“ in der Station–Berlin am Gleisdreieck, Kreuzberg, Luckenwalder Straße 4—6. Sa und So von 10 bis 18 Uhr. Tickets an der Tageskasse zehn Euro, Kinder bis zwölf Jahre ein Euro, unter vier Jahre frei