Planetarium in Berlin: Womit der Herr der Sterne seine härtesten Kritiker überzeugt

Was hat er als nächstes vor? Tim Florian Horn ist Direktor des Zeiss-Groß-Planetariums in Berlin. Manchmal lässt er die Gefühle seiner Gäste zwischen Himmel und Erde Achterbahn fahren.
SPB/Bernd Jaworek- Tim Florian Horn leitet das Zeiss-Großplanetarium in Berlin.
- Das Planetarium bietet 18 Veranstaltungen für Familien, darunter preisgekrönte Shows.
- Besucherrekord: 357.060 in 2024.
- Neue Dauerausstellung „Das Universum zum Anfassen“ bietet interaktive Aktivitäten.
- Die Stiftung Planetarium Berlin plant mehr virtuelle Räume und Fokussierung auf historische Ereignisse.
- Veranstaltungen in vier Häusern: Shows, Konzerte, Lesungen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bei all den schlechten Nachrichten auf der Erde mag sich manch ein Mensch gern in fremde Galaxien träumen. Im Reich von Tim Florian Horn, dem Direktor des Zeiss-Groß-Planetariums in Berlin, ist er dann genau richtig. In bequemen Sesseln lässt er Familien und alle anderen Interessierten auf rasante Reisen gehen.
Zum Beispiel mit der preisgekrönten Fulldome-Produktion „Abenteuerreise durchs Sonnensystem“ (ab 8 Jahre). In 50 Minuten geht es dabei von der glühend heißen Oberfläche des Merkur bis zu den eisigen Weiten des Pluto. Irgendwie hat man als Zuschauer unter der riesigen Kuppel das Gefühl, selbst in den Eismond hineinzufliegen und sich vor den Meteoriten im Weltall wegducken zu müssen.
Die rasanten Kamerafahrten und Animationen lassen manchen Zuschauer im 360-Grad-Fulldom-Planetarium nach dem Anschnallgurt suchen. „Das Besondere sind nicht nur die visuellen Effekte, sondern auch das Erzählen der Geschichte über die Figur des charismatischen Entertainers Schiaparelli“, findet Planetariums-Chef Tim Florian Horn.
Programmfülle sorgt für ordentlichen Andrang im Planetarium
Was seine Programmauswahl betrifft, so hat er die härtesten Kritiker in der eigenen Familie. Seine Kinder im Alter von 9, 14 und 16 Jahren sind quasi im Planetarium groß geworden. „Mein Jüngster hat im großen Kuppelsaal laufen gelernt“, erzählt Horn. Doch auch dieser habe ein, zweimal bei der Premiere kurz wegschauen müssen, weil ihm sonst zu schwindelig geworden wäre, berichtet der Planetariumsleiter lachend.

Asteroiden fliegen auf der Leinwand unter der gewölbten Kuppel des Zeiss-Großplanetariums in Berlin durch das Sonnensystem.
SPB/NatalieToczekDerzeit umfasst das Familien-Programm 18 Veranstaltungen. Vor zehn Jahren war das noch ganz anders. „Da gab es ein Programm für kleine Kinder, eines für größere und zwei für Erwachsene“, erinnert sich Horn.
Die heutige Fülle sorgt auch für ordentlichen Andrang. Das Planetarium in Prenzlauer Berg, das Ende 2024 unter Denkmalschutz gestellt wurde, verzeichnete mit 357.060 Besuchern ein drittes Rekordjahr in Folge.
Besonderer Beliebtheit erfreut sich unter anderem die „Legende des Zauberriffs“ (ab 6 Jahre), bei der Jungbarsch Shorty und seine Freunde nach einer Schiffskatastrophe ihr buntes Korallenriff verlieren, um in den Weiten des Ozeans einen neuen Lebensraum zu finden.

Das zu DDR-Zeiten eröffnete Planetarium an der Prenzlauer Allee wurde vor Kurzem unter Denkmalschutz gestellt.
SPB/NatalieToczekDie 50-minütige Unterwasser-Reise in 360-Grad-Fulldome-Bild und -Sound sei nicht nur abenteuerlich, sondern gebe Familien auch die Möglichkeit, ganz nebenbei darüber zu sprechen, wie wichtig es für die Erde sei, ihre Ozeane zu bewahren. „Als einziger Planet, der flüssiges Wasser besitzt“, betont Horn.
Im Planetariums-Klassiker „Unendliche Weiten“ dagegen können Familien mit Kindern ab zehn Jahren in rund einer Stunde durch 13,7 Milliarden Jahre Weltraum-Geschichte reisen. Dabei werden Galaxien geboren, kollidieren mit anderen und verschmelzen – ein ständiges Werden und Vergehen.
Am Ende fliegen die Zuschauer zurück in die Milchstraße und zum einzigartigen Planeten Erde. Dass dabei am Rande philosophische Fragen aufgeworfen werden, ist gewollt und gilt auch für das Programm zu Weltbildern. „Das Thema steht im 11. Schuljahr auf dem Lehrplan“, erzählt der 43-Jährige.
So bietet das Planetarium nicht nur gezielt Programme und ermäßigte Preise für Schulklassen an, sondern Shows für alle Altersstufen. „Das fängt bei zweieinhalb Jahren an und baut aufeinander auf“, erklärt der Planetariums-Chef. Die Preise liegen bei durchschnittlich 10, ermäßigt 8 Euro. Größere Gruppen zahlen 5 Euro pro Person.
Planetarium in Berlin – kostenlose Dauerausstellung
Doch Horn, der die Leitung des Hauses 2016 übernahm, will noch mehr als reinen Programm-Betrieb. Ein erster Hinweis, wohin die Reise gehen könnte, ist eine neue kostenlose Dauerausstellung „Das Universum zum Anfassen“ im Foyer.
Dazu gehört eine interaktive Touchscreen-Oberfläche mit einem haptischen Relief des Mondes. An einer anderen Station können Besucher durch mechanisches Kurbeln eine Rakete starten lassen, die dann unter beeindruckenden Bildern abhebt.

In der neuen Dauerausstellung im Foyer des Planetariums Berlin können Besucher in ein „Schwarzes Loch" fassen.
Pedro Becerra/STAGEVIEW.deWer sich traut, kann seine Hand in ein „Schwarzes Loch“ stecken. Ein Sensor erfasst die Bewegungen und zeigt auf einem Bildschirm den sogenannten Spaghetti-Effekt – also die extreme Dehnung von Objekten, wenn sie einem echten Schwarzen Loch im Weltall zu nahe kommen.
„Mit der neuen Ausstellung verwandeln wir das Foyer in einen interaktiven Erfahrungsraum, der Wissenschaft lebendig macht“, erklärt Horn. Besucher sollen dort komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge selbstständig erkunden können.
Planetarium – Bilderwelten auf Böden und Wänden
Unter der Überschrift „Space Science Center“ will Horn weitere virtuelle Räume jenseits des Kuppelkinos schaffen und mithilfe von LED-Technik Bilderwelten über Böden und Wände flimmern lassen. „Wissenschaft wird noch begreifbarer, wenn die Menschen selbstständig durch das Sonnensystem laufen oder durch eine Zelle des menschlichen Körpers wandern können.“

Im Planetarium in Berlin-Prenzlauer Berg tauchen Besucher seit kurzem schon im Foyer in Bilderwelten ein.
Pedro Becerra/STAGEVIEW.deMit diesem Ansatz will Horn den Bildungs-Auftrag der Stiftung Planetarium Berlin unterstreichen. Unter dessen Dach gehört neben dem Zeiss Planetarium auch die Archenhold-Sternwarte in Treptow-Köpenick, das alte Westberliner Planetarium am Insulaner in Tempelhof-Schöneberg, das gerade umgebaut wird, sowie seine benachbarte Wilhelm-Foerster-Sternwarte.
In den vier Häusern werden jährlich insgesamt rund 5000 Veranstaltungen angeboten. Das Programm erstreckt sich von den besagten Planetariums-Shows über Live-Konzerte, Lesungen, Hörspiele, Vorträge und Musikveranstaltungen bis zu Dokumentarfilmen im hauseigenen Kinosaal im Großplanetarium.
Einstein auf der Sternwarte
2025 könnte sich ein besonderer Fokus auf die Archenhold-Sternwarte in Treptow-Köpenick legen. Dort hielt Albert Einstein1915 seinen ersten populärwissenschaftlichen Vortrag über seine Allgemeine Relativitätstheorie. „Und das war noch, bevor er seine Erkenntnisse den Wissenschaftlern vorstellte“, erklärt Horn.
In Deutschlands größter und ältester Volkssternwarte befindet sich heute unter anderem das „Museum zur Himmelskunde“, in dessen kostenloser Dauerausstellung die Geschichte der Astronomie beleuchtet wird.

Das 1896 gebaute Riesenfernrohr der Archenhold-Sternwarte im Treptower Park ist mit seiner Brennweite von 21 Metern das längste bewegliche Linsenfernrohr der Welt.
Frank-Michael ArndtDas Interesse der Sternwarten-Besucher könnte aber auch die Dienstwohnung des Astronomen Friedrich Simon Archenhold wecken. „Seine Familie war mit Einstein befreundet und hat ihn auch dort empfangen. Unter anderem hat man gemeinsam musiziert“, berichtet Horn.
So wird das 110. Jubiläum der Relativitätstheorie Anlass für neue Führungen auf der Sternwarte sein. Und eine neue Fulldome-Show für das Zeiss-Großplanetarium unter dem Titel „Einsteins Kosmos“ ist natürlich ebenfalls schon in Produktion.
Europas modernstes Wissenschaftstheater.
Das Zeiss-Großplanetarium in Berlin Prenzlauer Berg wurde am 9. Oktober 1987 als einer der letzten Repräsentationsbauten der DDR eröffnet. Es wurde zwischen 1985 und 1987 nach den Plänen des Architekten Erhardt Gißke von einer interdisziplinären Architekten- und Expertengruppe geplant und umgesetzt.
Das Planetarium sollte die neuesten Erkenntnisse der Astronomie anschaulich vermitteln und die Fortschritte der sozialistischen Raumfahrt sowie die DDR als Hochtechnologiestandort präsentieren.
Mit seiner 23-Meter-Kuppel und 307 Sitzplätzen ist es bis heute das größte Planetarium Deutschlands und gilt als Europas modernstes Wissenschaftstheater.



