Rassismus in Amerika
: „Silent Demo“ nach Tod von George Floyd auf dem Berliner Alex

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd haben sich in Berlin zahlreiche Menschen zur „stillen“ Demo versammelt.
Von
dpa
Berlin
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Demonstranten protestierten am 31.05.2020 in Kreuzberg nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auch am Samstag, 06.06.2020 haben sich deswegen zahlreiche Menschen zur "stillen" Demo auf dem Berliner Alexanderplatz versammelt.

dpa/Bernd von Jutrczenka

Viele der Demonstranten hatten sich dunkel gekleidet. Man wolle still und schweigend („silent“) an den Tod von Floyd erinnern, hieß es im Vorfeld. Auf Plakaten, die vielfach in Englisch verfasst waren, war neben dem Motto „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) unter anderem zu lesen: „Rassismus tötet“, „Zusammen gegen Rassismus“, „Rassismus ist eine Pandemie“, „Wir können nicht schweigen“ und „Keine Gerechtigkeit, kein Frieden“ (No justice, no peace).

Demonstranten, darunter viele Jugendliche, setzten sich auf den Boden und schwiegen für 8 Minuten und 46 Sekunden. Hintergrund ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US–Großstadt Minneapolis. Daraufhin kam es zu Protesten und teilweise auch Ausschreitungen in mehreren Städten der USA.

Nach Gesängen und einigen Reden, in denen vor allem Rassismus und Polizeigewalt angeprangert und des Todes Floyds gedacht wurden, skandierte die Menge: „Black Lives Matter“ und „No justice, no peace“. Kurz nach 16.00 Uhr löste sich die Versammlung auf.

Am Rande der Versammlung verschafften sich laut Polizei Menschen Zugang zu mehreren nahe gelegen Dächern. Genannt wurden das früheren Haus der Statistik, ein Hotel und eine Baustelle. Sie wurden zum Verlassen aufgefordert. Einige leisteten Widerstand. Auch auf U–Bahn–Eingängen und Straßenbahnhäuschen saßen nach Augenzeugenberichten Leute. Auch in weiteren deutschen Städten kamen Tausende zu „silent demos“ (stille Demonstrationen) zusammen.

Nach der friedlich verlaufenen Demonstration gegen Rassismus am Berliner Alexanderplatz ist es am Samstag laut Polizei zu einem Gewaltausbruch gekommen. Aus einer größeren Gruppe heraus wurden vor dem Berolinahaus Steine und Flaschen auf Polizisten und Passanten geworfen, wie eine Sprecherin vor Ort sagte. Dabei wurde auch ein Pressefotograf von einer Flasche getroffen. Er erlitt eine Kopfplatzwunde. Es sei kein gezielter Angriff gewesen, sagte eine Polizei–Sprecherin. Polizisten leisteten Erste Hilfe und riefen einen Rettungswagen.

Es gab laut Polizei auch vereinzelt verletzte Polizisten und Festnahmen, wie die Polizei per Twitter mitteilte. Zu genauen Zahlen gab es zunächst keine Angaben.

Weitere Versammlungen in Berlin

Insgesamt waren für diesen Samstag in Berlin 32 verschiedene Versammlungen geplant, 14 davon innerstädtisch, wie die Polizeisprecherin sagte. Die Polizei wollte mit 800 Beamten im Einsatz sein.

Die Proteste richteten sich unter anderen gegen die Corona–Maßnahmen, etwa auf der Straße des 17. Juni. Die Initiative „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus“ warnte vorab vor Aufrufen von Gruppen aus dem „verschwörungsideologischen Milieu“. Ein rechtsgerichteter Aufmarsch einer Gruppe namens „Patriotic Opposition Europe“ startete am Brandenburger Tor und wollte durch das Regierungsviertel ziehen. Eine Demonstration gegen Rechts in Form eines Fahrradkorsos war für die Gegend am Rosa–Luxemburg–Platz angekündigt.

Ein Autokorso mit dem für seine veganen Rezepte bekannten Koch Attila Hildmann, der zuletzt mit Verschwörungsideologien– und Theorien auffiel, fuhr vom Olympiastadion zum Lustgarten — mit rund 60 Fahrzeugen, in denen etwa 100 Menschen saßen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Störungen waren zunächst nicht bekannt. Nach Angaben von Augenzeugen hingen Deutschlandflaggen an manchen Wagen. Auf einem Plakat stand die Aufschrift „Freiheit statt Angst“.