Rechtsextremismus
: Hat der BFC Dynamo einen rechtsextremen Sponsor?

Ein Unternehmer und BFC-Sponsor postet fragwürdige Inhalte auf Social Media und seine Mitarbeiter weisen Bezüge zur rechtsextremen Szene auf. Der Mann weist die Vorwürfe zurück. Der Verein schweigt.
Von
Jakob Kerry
Berlin
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Wird der BfC Dynamo von einem Neonazi gesponsert?

Im Pokalfinale 2025 schoss sich der BFC Dynamo zum Sieg. Auf der Brust der Spieler prangt der Hauptsponsor, ein Unternehmen, bei dem der Inhaber und auch vereinzelte Mitarbeiter Bezüge zum Rechtsextremismus aufweisen.

Jens Wolf/Sebastian Räppold/Matthias Koch/Montage: Sebastian Schubert
  • Vorwurf gegen BFC-Hauptsponsor: Chef postet NS-Bezüge, Mitarbeiter in Neonazi-Szene aktiv.
  • Auf Social Media: Wehrmachtsfoto, Zustimmung zu „berühmter Maler“ – salutierendes Emoji.
  • Video zeigt hakenkreuzähnliches Tattoo und eine Hitler-Büste – Wagner bestreitet Besitz.
  • Wagner distanziert sich schriftlich von Extremismus und nennt Inhalte provokant gemeint.
  • Strabag prüft Kooperation mit Wagners Firma – der BFC Dynamo reagiert auf Anfragen nicht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Schiedsrichter pfeift ab. Die Mannschaft auf dem Feld jubelt. Völlige Ekstase auf den Tribünen. Die Spieler spritzen mit Schaumwein durch die Gegend. Das waren die Szenen im vergangenen Jahr, als der BFC Dynamo den Berliner Landespokal gewann.

Die Feldspieler des Vereines liefen damals in einem weißen Trikot auf, auf der Brust das blaue Logo mit weißer Schrift einer Baufirma. Diese arbeitet als Subunternehmen mit den größten Baufirmen des Landes zusammen. Darunter die österreichische Firma Strabag. Zu dem Unternehmensportfolio gehören laut eigener Webseite der Rückbau und Abriss von Gebäuden, aber auch der Tiefbau.

Hakenkreuz-Tattoo am Oberschenkel?

Maik Wagner (Name v. d. Red. geändert) ist der Inhaber der Firma. Und Maik Wagner fällt auf. Nicht nur durch sein Unternehmen. Auf einem seiner Social-Media-Kanäle hat er einen Post veröffentlicht, der einen Mann in Wehrmachtsuniform zeigt. Ein offenbar veraltetes Foto. Schwarz-weiß. Er erklärt in dem Post, warum ihm diese Aufnahme so wichtig ist: Der Mann sei sein Urgroßvater, der in der Nazi-Zeit für die Wehrmacht kämpfte. Er bezeichnet ihn als „Vorbildsmann“ und betont, dass dieser Mann „stabil für Deutschland gestanden“ habe.

Ein User, der den Beitrag kommentiert, stimmt ihm zu: „Ehre und Treue. Der berühmte Maler hatte mit allem recht.“ Und der Firmenchef reagiert. Mit einem salutierenden Emoji. Mit dem berühmten Maler wird in der Neonaziszene Adolf Hitler verschleiert (siehe Infobox). Der private Account ist mittlerweile nicht mehr auffindbar. Der Redaktion liegt die Dokumentation der Veröffentlichung vor.

Berühmter Maler = Adolf Hitler

Oft wird Hitler verklausuliert als „berühmter Maler“ bezeichnet, weil er vor seiner politischen Karriere erfolglos versuchte, als Künstler Fuß zu fassen, und zahlreiche Aquarelle und Architekturansichten malte.

Die Formulierung dient meist dazu, seinen Namen nicht direkt zu nennen oder ihn zu umschreiben.

Wegen dieses biografischen Details verstehen viele die Anspielung sofort als Hinweis auf Adolf Hitler.

Der private Kanal war Plattform für weitere radikale Äußerungen. Unter anderem sprach Wagner in einem Video davon, dass es bei der Landtagswahl von Baden-Württemberg Wahlbetrug gegeben habe und davon, dass das „Deutsche Volk“ jetzt wach sei.

Was in den Videos auffällt: In einigen Szenen ist sein Oberschenkel gepixelt. Der Redaktion liegen ungepixelte und geprüfte Sequenzen vor. Sie zeigen ein Tattoo auf dem Oberschenkel, das hakenkreuzförmige beziehungsweise hakenkreuzähnliche Elemente zeigt.

Dieses Tattoo hat der Unternehmer auf seinem Oberschenkel. Bei Aufnahmen ist er darauf bedacht, die Stelle zu bedecken.

Dieses Tattoo hat der Unternehmer auf seinem Oberschenkel. Bei Aufnahmen ist er darauf bedacht, die Stelle zu bedecken.

Screenshot

Kann das sein? Für Wagner sind die Zeichen eigenen Angaben nach „thailändische Muster und Symbole“, die er sich, als er „sehr jung und unwissend war“, stechen ließ. Er wolle sie in der Öffentlichkeit nicht zeigen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Mitarbeiter mit Bezügen ins rechtsextreme Milieu

Auch beim Blick in den öffentlichen Instagram-Account der Baufirma finden sich diverse Videos. In einem ist ein Mann in orangefarbener Baustellenweste zu sehen. Auf dessen Rücken prangt sichtbar das Logo der Baufirma. Zusammen mit seinem Chef Maik Wagner geht er über eine Baustelle. Dieser Mitarbeiter ist der Redaktion bekannt.

Er ist nicht nur auf Baustellen, sondern auch auf Neonazi-Kundgebungen zu sehen. Es existieren öffentliche Aufnahmen von ihm bei rechtsextremen Aufmärschen. So etwa von der Demo des III. Weg Mitte März in Berlin. Der Mitte-20-Jährige mit Vollbart wohnt im Großraum Berlin. Er ist Teil der Jägertruppe Berlin & Brandenburg. Einer jungen Neonazi-Organisation, die auch auf Kundgebungen in Brandenburg auftaucht.

Anfang Mai fuhr der Mitarbeiter nach Essen in Nordrhein-Westfalen. Dort fand am 1. Mai der Aufmarsch der Partei „Die Heimat“, ehemals die NPD, statt. Die Neonazi-Partei veranstaltet jedes Jahr am 1. Mai eine größere Demonstration. Mit dabei war auch Wagners Mitarbeiter. Aufnahmen belegen, dass er an der Demonstration teilnahm. Sie zeigen ihn mit einem Schild in der Hand und in einem T-Shirt der „Jungen Nationalisten“, der Jugendorganisation der Partei.

Er ist aber nicht der einzige Mitarbeiter, der auf solchen Aufmärschen zu sehen ist. Der Redaktion sind mindestens vier weitere von Wagners Angestellten bekannt, die Teil rechtsextremer Strukturen sind und bei der Firma beschäftigt sind oder waren. Zum Beispiel in der „Jägertruppe Berlin & Brandenburg“ oder bei „Deutsche Jugend Voran“. Gegen Letztere besteht aktuell der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. In den vergangenen Tagen fanden mehrere Razzien bei mutmaßlichen Mitgliedern statt.

Auf Anfrage teilt Maik Wagner mit, dass die politische Betätigung seiner Mitarbeiter für ihn privat sei. Er schildert einen Fall, bei dem ein Mitarbeiter zwar in der Vergangenheit NS-Symbole auf Baustellen geschmiert hatte. Diesen habe er allerdings sofort gekündigt, nachdem er davon erfahren habe. Nach unserer Anfrage habe er einen weiteren Mitarbeiter mit Vorwürfen zu seinen rechtsextremen Aktivitäten konfrontiert. Dieser habe die Vorwürfe bestritten.

In einer weiteren Stellungnahme vom Dienstag, 12. Mai, schreibt Wagner an die Redaktion: „Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich klarstellen, dass ich mich von jeglichen extremistischen oder rechtsradikalen Ansichten distanziere. Ich bin in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen und habe seit meiner Kindheit mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religionen und Kulturen zusammengelebt und gearbeitet — darunter muslimische, jüdische und christliche Familien und Freunde.“

Posts und Videos mit Bezügen zur NS-Zeit

Zurück auf den Fußballplatz. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des BFC Dynamo gab es im Januar ein limitiertes Sondertrikot. Nur 999 Stück davon wurden produziert. Wie eng die Kooperation zwischen Wagners Firma und dem Verein ist, zeigt sich am offiziellen Jubiläumstrikot des Vereines.

Das Logo der Baufirma ziert die Schultern, auch das Logo einer weiteren Firma sticht ins Auge. Es handelt sich um ein Parfum-Label, das Wagner gemeinsam mit Partnern auf den Markt gebracht hat.

Unser Medienhaus hat den BFC Dynamo gefragt, warum er mit dem Unternehmen zusammenarbeitet und ob er etwas von den mutmaßlichen Ansichten Wagners wusste. Der Klub hat auf unsere Anfragen dazu nicht reagiert. Auch die Frage, ob sich der Verein mit den öffentlich geteilten Inhalten des Geschäftsführers auseinandersetze, ließ man unbeantwortet.

Einer dieser geteilten Inhalte ist folgender: In einem YouTube-Video, in dem es unter anderem um die Veröffentlichungsveranstaltung des genannten Parfums geht, ist Maik Wagner vor der Party in einer Wohnung zu sehen. Er steht vor einem Spiegel und macht sich frisch.

Plötzlich sitzt er auf einem Stuhl und hält eine Büste in der Hand. Er hält sie in die Kamera und sagt: „Heute ist auch noch Onkel Adi am Start“, dann lacht er. Er hält in diesem Moment eine Büste von Adolf Hitler in der Hand und zeigt sie lachend in die Kamera. Die Szene dauert kaum fünf Sekunden. Auf die Frage, warum er eine Adolf-Hitler-Büste besitze, antwortet Wagner: „Ich besitze keine Adolf-Hitler-Büste.“

In einem Video ist der Unternehmer mit einer Adolf-Hitler-Büste zu sehen. Damit konfrontiert, warum, erklärt er, dass er keine besitze. Die Person auf dem Foto mussten wir aus medienrechtlichen Gründen unkenntlich machen.

In einem Video ist der Unternehmer mit einer Adolf-Hitler-Büste zu sehen. Damit konfrontiert, warum, erklärt er, dass er keine besitze. Die Person auf dem Foto mussten wir aus medienrechtlichen Gründen unkenntlich machen.

Screenshot/Youtube

In seinen Antworten macht Wagner mehrmals deutlich, dass er seiner Ansicht nach kein rechtsradikales Gedankengut habe. „Ich vertrete aber meine Meinung manchmal vielleicht auf provozierende Art und Weise“, schreibt der Bauunternehmer.

Zusammen mit der Strabag in Berlin

Im Gegensatz zum BFC Dynamo antwortet ein anderes Unternehmen sofort auf unsere Anfrage. Es handelt sich um einen Geschäftspartner Wagners aus dem Bauwesen: die Strabag. Sie ist eines der größten Bauunternehmen im deutschsprachigen Raum und arbeitet mit Wagners Firma zusammen. Das belegen Aufnahmen aus sozialen Netzwerken, die öffentlich zu sehen sind, und das bestätigt auch die Strabag selbst.

Auf der Homepage der Strabag spricht sich die Baufirma für die Chancengleichheit aus, „unabhängig von Geschlecht und geschlechtlicher Identität, Alter, Herkunft, sexueller Orientierung oder Religion und Weltanschauung“. Vielfalt sei der Erfolgsfaktor des Unternehmens.

Und nun? Der Konzern schreibt der Redaktion: „Unsere Business Compliance Abteilung befasst sich jetzt mit dem genannten Nachunternehmen, um sicherzustellen, dass unser Lieferantenkodex eingehalten wird und keine sicherheits- oder strafrechtlichen Risiken entstehen.“ Die genannten Vorwürfe seien dem Unternehmen bislang nicht bekannt. Man werde die Kooperation jetzt auf den Prüfstand stellen.