Reform: So will die Bahn Kunden zufrieden stellen - Plan für mehr Pünktlichkeit

Unpünktlich: Im Jahresdurchschnitt war 2018 jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät.
dpa/Daniel BockwoldtMehr Personal, mehr Schnellzüge, mehr Service: Mit diesem Dreiklang will Bahnchef Lutz den kriselnden Konzern retten. Das dahinter steckende Ziel ist mehr Pünktlichkeit. Wie das genau funktionieren soll, stellte Lutz Verkehrsminister Scheuer (CSU) am Donnerstag vor. Was verbessert sich künftig für Gäste?
Was bringt mehr Personal?
22 000 neue Lokführer, Fahrdienstleiter und Instandhalter will die Bahn einstellen. Mehr Personal bedeutet, dass die Züge schneller gewartet werden und nicht kaputt auf die Schiene müssen. Dass Fahrgäste zuverlässiger über Verspätungen oder Gleiswechsel informiert werden. Und dass mehr Bahnen fahren. Doch Personal zu finden, ist schwer. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn betont, dass frühestens in einem halben Jahr genügend ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung stünden. „Die gesamte Eisenbahnbranche sucht händeringend“, bestätigt der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene Dirk Flege. Zwischen der Stellenausschreibung und der Besetzung lägen weit über 100 Tage. „Selbst Lkw-Fahrer sind da leichter zu kriegen.“
Heißen mehr ICEs, dass ich pünktlicher ans Ziel komme?
Die Bahn plant einen Zuwachs an ICEs von fünf Prozent. Bis Ende Dezember sollen allein 15 neue ICE4 und zehn IC2 auf die Schiene kommen. In denen ist Platz für 20 000 Fahrgäste mehr. Aber: Das Netz bleibt stark belastet. Die ICEs nutzen hauptsächlich Knotenpunkte. In Frankfurt/Main, Mannheim und München kämpfen sich Regional-, Fern- und Güterzüge durch Nadelöhre. Hat ein Zug Verspätung, verspäten sich auch die folgenden. Erst wenn die Knotenpunkte ausgebaut sind und die Taktung besser aufeinander abgestimmt, kommen die Kunden pünktlicher ans Ziel. Ausbau bedeutet jedoch Baustellen.
Muss ich mich auf immer mehr Warterei einstellen?
Für die 800 Baustellen im Land hat die Bahn eine Lösung parat. Der Staatskonzern will auch hier mehr Personal einstellen und die Strecken zu Randzeiten sperren, sodass weniger Fahrgäste betroffen sind als bisher. Mit dieser Maßnahme sollen ein Drittel mehr Züge als bisher durch die Baustellen fahren. „Das ist ein ehrenwerter Versuch. Die Frage ist, ob das klappt“, sagt Flege.
Wie realistisch ist es, dass ich Verbesserungen bald spüre?
Lutz verspricht schon in den kommenden Monaten Verbesserungen. Diese könnten vor allem im Bereich Service spürbar werden. Zum Beispiel, wenn in 80 Bahnhöfen neue Anzeigen, Monitore und Tafeln aufgebaut werden. Und Kunden damit früher und zuverlässiger erfahren, ob ihr Zug in einer anderen Wagenreihung fährt oder von einem anderen Gleis. Doch auch Lutz weiß, dass es nicht „den einen Knopf gibt, den man drückt und alles wird besser“. Flege glaubt ebenfalls nicht, „dass es bereits im Sommer mehr Kundenzufriedenheit geben wird“.
Wer soll das zahlen?
Die Bahn ist massiv verschuldet – und braucht in den kommenden fünf Jahren fünf Milliarden zusätzlich. Vier Milliarden davon seien noch nicht finanziert, heißt es aus Bahnkreisen. Das Loch könnte der Verkauf der Auslandstochter Arriva stopfen. Doch auch der Bund könnte noch einspringen. Verkehrsminister Scheuer sprach von massiven Investitionen. „Scheuers Ankündigungen stehen im krassen Widerspruch zu den Realitäten im Bundeshaushalt. Denn dort wächst einzig der Straßenbauetat“, kritisiert Matthias Gastel von der Grünen-Bundestagsfraktion
