Reisen: Słubice wird zur Flixbus-Stadt
Die meisten Brandenburger müssen mit dem Zug oder Auto nach Berlin, von wo aus sie dann mit Bussen nach halb Europa fahren könnte. Für die Bewohner von Frankfurt (Oder) und Umgebung könnte sich das bald ändern. Denn am Ostersonnabend wird der polnische Nachbarort Słubice an das polnische Flixbus-Netz angeschlossen. Um 13.25 Uhr soll die Jungfernfahrt eines der grünen Busse in Richtung Ostseeküste starten. Um 21 Uhr – also siebeneinhalb Stunden später – soll man in Danzig sein und 55 Minuten später am Zielort Gdynia.
Jungfernfahrt für 6,99 Euro
Der erste Bus aus der Gegenrichtung soll übrigens bereits am Karfreitag kurz vor 23 Uhr an der Oder eintreffen. Tickets zum Einsteigerpreis von 6,99 Euro konnte man am Mittwochnachmittag im Internet buchen. Bisher ist noch das unmittelbar an der Brücke nach Frankfurt (Oder) gelegene Collegium Polnicum als Halteort für den Bus angegeben. Das könnte sich aber noch ändern, denn eigentlich gibt es neben dem Rathaus der Grenzstadt einen modernen Busbahnhof.
Die meisten Fahrgäste, die dort gestern Mittag auf den Regionalbus nach Gorzów warteten, wussten noch nichts von der Neuigkeit. „Das ist ja schön, da kommen wir schnelle an die Ostsee“, freute sich ein junger Mann, als er davon hörte. Auch Słubices Bürgermeister Mariusz Olejniczak spricht von einer „sehr guten Nachricht für unsere Kommune“. Eine Direktverbindung an die Ostsee sei attraktiv, auch wenn der Bus vorerst nur sonnabends fahren soll.
Aus der Zentrale von Flixbus Polska in Warschau ist dazu zu hören, dass man auf eine entsprechende Nachfrage sehr flexibel reagieren will. So könnte sich die Frequenz der Busse schon während der Urlaubszeit im Sommer erhöhen.
In Gorzów bieten sich für die neue Relation zudem einige Umsteigemöglichkeiten an, etwa nach Breslau, Krakau und Stettin. Weitere könnten hinzukommen, denn Flixbus Polska fährt inzwischen 100 Orte im Nachbarland an. „Wir werden sukzessive neue Verbindungen einrichten, mit denen auch die Bewohner kleinerer Orte ganz Europa erreichen können“, kündigt der Direktor von Flixbus Polska, Michał Leman, an.
Grenzort bietet noch mehr Busse
In puncto Fernbusse ist Słubice schon jetzt deutlich besser ausgestattet als seine deutsche Nachbarstadt Frankfurt (Oder). Vom „Port Swiecko“ aus, der sich einige Kilometer südlich der Autobahnausfahrt befindet, kann man mit Nachtbussen des polnischen Unternehmens „Sindbad“ nicht nur in die wichtigsten westdeutschen Großstädte fahren, sondern auch mehrmals in der Woche nach Paris, Madrid, verschiedene Städte Großbritanniens oder gar Oslo. Dabei profitiert der Grenzort davon, dass sich hier der zentrale Umsteigeort für Fahrgäste befindet, die mit Sindbad-Bussen aus allen Regionen Polens kommen oder wieder dorthin zurück wollen.
Außerdem gibt es für die immer zahlreicheren ukrainischen Emigranten, die in Polen arbeiten, auch Busse aus Słubice in ihre Heimat. Nicht zu vergessen ist die Linie 983 des Verkehrsverbunds Berlin Brandenburg, die seit geraumer Zeit und erfolgreich Frankfurt (Oder) mit seiner Nachbarstadt verbindet.
Flixbus in 28 Ländern
Die in München ansässige Flixmobility GmbH ist seit 2013 mit der Marke Flixbus stark gewachsen und bietet inzwischen Verbindungen in 28 Ländern an. Meist arbeitet man im Ausland mit regionalen Bus-Unternehmen unter einer Dachmarke zusammen, so auch in Polen. Dort kooperiert man seit 2016 mit dem Unternehmen Polski Bus und weiteren lokalen Anbietern. Für die neue Relation Słubice-Gdynia ist es das Unternehmen PAI Trans aus Gorzów. Von Berlin gibt es direkte Flixbusse in die größten polnischen Metropolen, allerdings halten diese Busse nicht an der Grenze.⇥ds

