Rodungsstopp: Der Mann im Zentrum des Tesla-Streits
Der 61-Jährige, der in Hohen Neuendorf lebt und für den Landkreis Oberhavel arbeitet, ist Erster Vorsitzender der Grünen Liga Brandenburg. Der Umweltverband hatte in der vergangenen Woche erreicht, dass das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg die Fällarbeiten von 90 Hektar Wald auf dem künftigen Werksgelände stoppte.
„Diese Dimensionen konnten wir nicht ahnen“, erklärte Mascher am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung. Er bekomme Presseanfragen aus der ganzen Welt, weil das kleine Umweltnetzwerk aus Brandenburg den großen Autokonzern ausgebremst habe. „Dabei wollten wir doch die Investition gar nicht verhindern!“, beschwört der gebürtige Neuruppiner, der seit 1992 im Landesvorstand der Grünen Liga arbeitet und 1993 den Oberhaveler Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen mitbegründet hat. „Wir sind nicht verstanden worden“, sagt Mascher und bekräftigt, dass es dem Vorstand der Grünen Liga um den reinen Verwaltungsakt gegangen sei.
Unter strengen Auflagen zur Ersatzaufforstung hatte das Landesumweltamt vergangene Woche die Genehmigung zur Rodung des Waldes bei Grünheide erteilt. Am Sonnabend gab das OVG den Anträgen von Grüner Liga und dem Verein Landschaftspflege und Artenschutz aus Bayern Recht und stoppte die Arbeiten – zumindest vorläufig.
Mehr als die Hälfte der Bäume ist bereits gefällt. Der Umweltverband hält die Erlaubnis für den vorzeitigen Beginn der Rodung für rechtswidrig, weil die endgültige Genehmigung für die Fabrik noch ausstehe. Es solle kein Präzedenzfall geschaffen werden, nur weil Tesla ein großes Werk bauen will. Mascher meint, es sei ein reiner Verwaltungsakt, der geklärt werden müsse.
Jetzt war das Oberverwaltungsgericht erneut am Zug. Am Donnerstagabend entschied das Gericht dann zugunsten des US-Elektroautobauers. Somit kann die Rodung der Waldfläche wie geplant bis zum Beginn der Brutperiode Anfang März abgeschlossen werden.
Grüne waren außen vor
Die Landesvorsitzende der Grünen, Julia Schmidt aus Borgsdorf, erklärte am Donnerstag: „Wir waren in die Antragstellung nicht eingebunden und haben aus der Presse davon erfahren.“ Die Landes-Grünen sprechen sich ganz klar für die zügige Ansiedlung des Autobauers aus. Mit Heinz-Herwig Mascher, der im vergangenen Jahr den Wahlkampf der Grünen in Oberhavel mitorganisierte, habe Schmidt keinen Kontakt gehabt.
Mascher selbst sieht sich in der Tesla-Frage ganz klar als Akteur der Grünen Liga und nicht als Parteimitglied. „Ich halte das strikt auseinander.“ Es gehe ihm darum, im Interesse der Sache seine Ziele zu erreichen. Doch auch in der Grünen Liga selbst rumort es. Am Mittwoch forderte die Ortsgruppe aus Cottbus, dass der Landesvorstand zurücktreten müsse, weil die Klage völlig planlos zustande gekommen sei.
Am Donnerstag traf sich der Landesvorstand in Potsdam – planmäßig. „Wir werden nicht zurücktreten“, sagte Mascher im Vorfeld. Ein Rücktritt würde bedeuten, dass der Verband handlungsunfähig sei. „Wer soll dann mit den Anwälten verhandeln und Rechnungen bezahlen?“, so Mascher. Die Grüne Liga werde aber in jedem Fall das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes akzeptieren.

