S-Bahn
: Zuverlässig, schnell, bequem

Noch ist Warten angesagt, aber bald soll sie kommen: Berlins neue S-Bahn. In Düsseldorf wird sie auf Herz und Nieren getestet.
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Von Andreas Wendt
Wegberg-Wildenrath
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Im Kreisverkehr: Auf dem Siemens-Testgelände bei Düsseldorf drehen die ersten Modelle der neuen Berliner S-Bahn seit Herbst vergangenen Jahres ihre Runden.

Andreas Wendt

Doch bevor die Rot-Gelben auf den Gleisen der Hauptstadt rollen, unterzieht Siemens die ersten fünf von bislang zehn produzierten Zügen einem Härtetest. 160 000 Kilometer legen sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurück, bis die Hersteller und die S-Bahn sie guten Gewissens für den Fahrgastbetrieb zulassen. Im weltweit größten Testzentrum für Schienenfahrzeuge werden im Dauerbetrieb das Zusammenspiel von Antriebs- und Bremstechnik überprüft, Messungen zur Entgleisungssicherheit vorgenommen und beobachtet, ob sich die installierten technischen Systeme an Bord möglicherweise gegenseitig behindern. „So stellen wir sicher, dass all diese Systeme – von Antrieb und Bremsen bis hin zur Klimaanlage, Scheibenwischer oder dem Türsystem – wunschgemäß funktionieren, bevor die Fahrzeuge die dann folgenden Testfahrten im Netz der Berliner S-Bahn starten dürfen“, sagt Jure Mikolcic, Chef von Stadler Deutschland. Er ist überzeugt: „Etwas Schöneres gibt es derzeit nicht auf dem Weltmarkt.“

Diese Meinung teilt auch S-Bahn-Chef Buchner im Führerstand des Wagens 484002A. Das so typische und vertraute Summen beim Anfahren der Bahn ist Geschichte. Nahezu geräuschlos setzt sich der Zug in Bewegung. Bislang haben die ersten Prototypen rund 2000 der insgesamt geplanten 160 000 Testkilometer hinter sich. Voraussichtlich im Spätsommer dieses Jahres werden die neuen Fahrzeuge auf dem Berliner Schienennetz zu sehen sein. Dann beginnt die S-Bahn damit, die Triebfahrzeugführer einzuweisen. Ab 2021 sollen die Neuen dann regulär auf dem Teilnetz Ring/Südost eingesetzt werden. Fünf Halb- und fünf Viertelzüge, die 2020 ausgeliefert werden, sind ab Januar des Folgejahres für die Linie S8 (Spindlersfelde – Südkreuz) reserviert. Die folgenden 96 Züge werden bis Ende 2023 sukzessive auf der Ringbahn (S41, S42) sowie auf den Linien S45, S46 und S47 ältere Modelle ersetzen.

Für die Kunden heißt das: Sie sind auf diesen Linien künftig im Sommer nicht nur klimatisiert unterwegs, sondern mit einem Komfort, den sie bislang von ihrer S-Bahn so nicht kennen: Zeitgemäß ausgestattete Waggons mit viel Platz und einem modernen Fahrgastinformationssystem. „Die Berliner Bürger erwarten S-Bahnen, die bereits vom ersten Tag an reibungslos funktionieren“, sagt Sabrina Soussan, CEO von Siemens Mobility.  Reibungslos und funktionieren hört Peter Buchner nach der S-Bahn-Krise vor zehn Jahren gern. „Wir wollen unseren Fahrgästen ab 2021 ein Fahrzeug präsentieren, das sie zuverlässig, schnell und bequem an ihr Ziel bringt.“

Geschichte auf Rädern

Die S-Bahn Berlin ist neben der U-Bahn, der Straßenbahn, den Stadtbussen und den Fähren Teil des Nahverkehrssystems von Berlin. Auf einem Streckennetz von 331,5 Kilometern verkehren 16 Linien, die 166 Bahnhöfe bedienen, davon befinden sich rund 75 Kilometer und 33 Bahnhöfe im Land Brandenburg. Sie ist die erste Stadtschnellbahn, die als S-Bahn bezeichnet wurde, und neben der Hamburger S-Bahn die einzige in Deutschland, die mit Gleichstrom aus einer seitlich angebrachten Stromschiene betrieben wird. Die neuen Fahrzeuge werden das Gesicht der S-Bahn über Jahrzehnte prägen: Die Hersteller garantieren eine über 30 Jahre währende hohe Einsatzqualität. Jährlich 481 Millionen Fahrgäste nutzen die S-Bahn.⇥ndt