Schnappschuss: Mädchen (10) fotografiert Elch bei Fünfeichen in Brandenburg

Aufmerksamer Blick: Während der Elch die zehnjährige Fotografin Laura Lepel und deren Großeltern bei Fünfeichen (nahe Eisenhüttenstadt) im Land Brandenburg mustert, macht diese mit ihrer Handykamera einen gelungenen Schnappschuss.
Laura LepelMan muss es sich nur einmal vorstellen. Der erste Ferientag im Sommer und man sitzt nichtsahnend im Auto auf dem Weg von Bremsdorf nach Ziltendorf. Doch statt beim Ausflug in die Natur findet das Besondere auf der Fahrt statt. Eine Elchkuh wartet geduldig am Straßenrand, gewillt beim Ortsausgang Fünfeichen den Asphalt zu überqueren. Natürlich bremst das Ehepaar Lepel, die auf der Rückbank ihre Enkeltochter Laura mit dabei haben.
In dem Moment, in dem die Reifen zum Stillstand kommen, setzt sich das Tier in Bewegung und macht erst wieder Halt, als es ein paar Schritte in den Wald gemacht hat. Dann schaut es zurück. Die zehnjährige Laura steigt mit ihren Großeltern aus dem Wagen, zückt direkt ihr Handy und schießt ein wunderschönes Bild von der Elchkuh, die scheinbar mit ähnlichem Interesse die Situation verfolgt. „Es war, als ob das Tier auf das Schaulaufen gewartet hätte“, erzählt Marlies Lepel. "Wir konnten unser Glück kaum fassen. Da können wir uns die Urlaubsreise nach Norwegen sparen, wenn wir so einen majestätischen Elch auch hier in Brandenburg zu Gesicht bekommen.“
Elche in Brandenburg sind selten, aber nicht einmalig
Auch wenn die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) den Elch als nicht gefährdet einstuft, ist es doch (noch) ein seltener Anblick in Deutschland. Boris Schnittker, zuständiger Forstbetriebsleiter, weiß bereits seit Sonnabend von dem Vorfall. „Die Elchkuh wird vermutlich aus Polen hierher gewandert sein“, erklärt Schnittker. Es habe in den vergangenen Jahren eine gewisse Regelmäßigkeit im Erscheinen des Tieres gegeben, was den Forstbetriebsleiter grundsätzlich positiv stimme. „Der Elch ist hier herzlich willkommen“, sagt Schnittker. Er habe derzeit Bekannte aus Nordrhein-Westfalen zu Besuch, die es total aufregend fänden, in einem Gebiet zu wandern, in welchem auch Elche zugegen seien. „Gerade aus touristischer Sicht ist das eine spannende Sache“, erklärt er und kann gleichzeitig auch Zweifler beruhigen. „Für die Land- und Forstwirtschaft wird das so gut wie keine Auswirkungen haben.“
Das alles sei aber kein Einzelfall in dem Gebiet. „Es kam sogar häufiger vor, dass die Elche im Bereich Fünfeichen und Scherenberg wanderten“, erklärt er und betont seine Einstellung dem Tier gegenüber. „Es ist schön, dass der Elch da ist. Das ist für manch einen ähnlich aufregend wie die Rückkehr des Wolfes“, sagt der Forstbetriebsleiter.
Auch Mathias Schulze, Sachbearbeiter für Artenschutz und ökologische Landwirtschaft im Naturpark Schlaubetal, gibt sich wenig überrascht, aber durchaus zufrieden mit dem Erscheinen des Tieres. „Das ist in der Vergangenheit hier und da mal vorgekommen, dass Elche hier vereinzelt durchstreifen. Im Unterschied zu den schwedischen Verwandten machen sie das hier aber nicht im Rudel“, erklärt Schulze.
Elche suchen nach Lebensraum
Gerade in Schweden, wie auch in Finnland und Norwegen, gibt es größere Elchpopulationen – in Polen, Tschechien und Weißrussland dagegen meist kleinere Ansiedlungen. Weil die Tiere hervorragende Schwimmer sind, überqueren sie recht einfach im Sommer Oder und Neiße, oder laufen im Winter ganz entspannt über das Eis. Da die Population beispielsweise in Polen über die letzten Jahrzehnte stark angestiegen ist, sind die Tiere oft auf der Suche nach freien Lebensräumen.
Ein Blick in die Vergangenheit verrät außerdem, dass erst im Februar in Potsdam-Mittelmark zwei erwachsene Elche in der Nähe der Autobahn gesichtet wurden. Im vergangenen August war zudem, laut dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), bei Spreenhagen ein Elch in eine Fotofalle getappt. Diese war eigentlich für das Wolfsmonitoring gedacht. Natürlich gibt es auch beispielsweise im Wildpark in Schorfheide Elche, die erst im Mai Nachwuchs bekamen – sogar Zwillinge.
Der "majestätische" Elch
Ein ausgewachsener Elch hat in etwa eine Schulterhöhe von 2,30 Metern. Gerade die männlichen Exemplare, also die Elchbullen, erreichen ein Gewicht von bis zu 800 Kilogramm. Die Tiere bewegen sich dabei ähnlich schnell wie Pferde fort, mit bis zu 60 Stundenkilometern. Die natürlichen Feinde des Elches sind Bären und Wölfe, hierzulande wird den Tieren aber eher das Auto gefährlich. Unter normalen Umständen erreichen Elche ein Alter von zehn bis 16 Jahren. Sie sind die einzigen Hirsche, die sogar unter Wasser ihr Essen verzehren können. Männliche Geweihe kommen darüber hinaus auf eine Spannweite von bis zu zwei Metern. In der Regel sind die Tiere Einzelgänger. ⇥oj