Eine Radfahrerin ist in Berlin-Wilmersdorf von einem Betonmischer überrollt und getötet worden. Der Lkw-Fahrer wurde laut Polizei nach dem Unfall mit einem Messer angegriffen und verletzt. Drei Tage nach dem Unfall wurde die lebensgefährlich verletzte Radfahrerin für hirntot erklärt. Einen Tag später ist sie an den Folgen gestorben.
Die Frau sei am Montagmorgen unter dem Fahrzeug eingeklemmt worden, teilte ein Sprecher der Feuerwehr mit. Die Bergung der Verletzten verzögerte sich nach seinen Angaben, weil Feuerwehrleute mit Spezialgeräten wegen Protesten von Klimademonstranten im Stau standen und erst verspätet am Unfallort eintrafen.

Lkw-Fahrer im Krankenhaus - Verdächtiger gefasst

Der Lkw-Fahrer wurde nach Angaben einer Polizeisprecherin von einer Person mit einem Messer attackiert, als er ausgestiegen sei, um nach der Frau zu schauen. Der 64-Jährige sei ins Krankenhaus gekommen.
Nach der Messerattacke hat die Polizei am Donnerstag einen Verdächtigen gefasst. Es handele sich um einen 48 Jahre alten Mann aus dem Obdachlosen-Milieu, sagte eine Polizeisprecherin. Nach Angaben der Polizei wurde der deutsche Mann am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr in der Nähe des Tatortes an der Bundesallee gefasst. Die Berliner Staatsanwaltschaft teilte am Freitag mit, dass der mutmaßliche Täter in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wurde. Laut Polizei gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung bei dem 48-Jährigen
Der Beschuldigte soll den Lkw-Fahrer am vergangenen Montag nach einem Unfall mit einer Radfahrerin unvermittelt angegriffen und ihm eine Stichverletzung zugefügt haben. Der 64-Jährige kam ins Krankenhaus, konnte dies laut Polizei aber am Donnerstag verlassen.
Nach Angaben der Polizei war zunächst unklar, wie es zu dem Unfall auf der Bundesallee, Ecke Spichernstraße gekommen war. Lkw und Radfahrerin seien beide in Richtung Bahnhof Zoo gefahren. Die Frau sei gestürzt und von dem Laster überrollt worden. Ihr Zustand sei kritisch. Weitere Angaben zum Unfallopfer machte die Sprecherin nicht. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Rolf Erbe wurden drei weitere Menschen, die das Geschehen vor Ort beobachtet hatten, psychologisch betreut.
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Rettungskräfte standen im Stau auf der A100

Nach Angaben von Erbe waren Einsatzkräfte, die bei der Bergung der Radfahrerin helfen sollten, wegen Protesten von Klimademonstranten nicht rechtzeitig am Unfallort. Die Kollegen hätten mit einem sogenannten Rüstwagen mit Spezialtechnik, die etwa zum Anheben schwerer Lasten eingesetzt wird, eine „recht relevante Zeit“ im Stau auf der Stadtautobahn A100 gestanden, sagte der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Da die Technik nicht zur Verfügung stand, habe man an der Unfallstelle improvisieren müssen, berichtete Erbe. Etwa 40 Kräfte der Feuerwehr seien vor Ort gewesen.
Die Klima-Protestgruppe „Letzte Generation“ teilte mit, sie sei bestürzt und könne nicht ausschließen, dass die Verspätung des Rüstwagens auf einen durch sie verursachten Stau zurückzuführen sei. „Wir hoffen inständig, dass sich ihr Gesundheitszustand durch die Verspätung nicht verschlimmert hat“, erklärte Sprecherin Carla Hinrichs. „Bei all unseren Protestaktionen ist das oberste Gebot, die Sicherheit aller teilnehmenden Menschen zu gewährleisten.“
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte die Aktion erneut scharf: „Spätestens jetzt sollte man sich mal vom Märchen des harmlosen Protests verabschieden. Wer Verkehrswege blockiert, riskiert und behindert die Handlungsfähigkeit der Inneren Sicherheit und nimmt auch bewusst in Kauf, dass Menschen in Not länger auf Hilfe von Polizei und Feuerwehr warten müssen“, so Sprecher Benjamin Jendro. Bei den „Guerilla-Aktionen im Zeichen des Klimas“ werde mit der Gesundheit der Bevölkerung gespielt.

A100 in Höhe Dreieck Funkturm war gesperrt

Klimademonstranten hatten am Montagmorgen erneut an mehreren Stellen in Berlin mit Blockaden für Behinderungen im Verkehr gesorgt. So war die A100 in Höhe des Dreiecks Funkturm in Richtung Neukölln und die Überleitung zur A115 gesperrt, wie die Verkehrsinformationszentrale auf Twitter mitteilte, Fahrer und Fahrerinnen müssten mit etwa 35 Minuten Stau rechnen, hieß es.
Die Polizei bestätigte zwei Vorfälle auf der A100: Auf der Halenseebrücke seien zwei Menschen festgestellt worden, sagte eine Sprecherin. Auf der Abfahrt Tempelhofer Damm habe es zudem einen „Versuch des Festklebens“ gegeben.

Giffey, Spranger und Scholz äußern sich zum Geschehenen

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) teilte am Montagabend mit, ihre Gedanken seien bei der schwer verletzten Radfahrerin. Giffey dankte den Rettungskräften und der Polizei für ihre Hilfe und ihren Einsatz. „Es ist jetzt die Aufgabe der Polizei und der Gerichte, zu klären, inwieweit die Aktivisten eine Schuld daran tragen, dass dem Unfallopfer nicht schneller geholfen werden konnte.“ Grundsätzlich sei die Gefährdung von Menschenleben durch nichts zu rechtfertigen.
Auch Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kritisierte die Aktionen erneut: „Es gibt keine Rechtfertigung dafür, das Leben anderer zu gefährden“, sagte sie.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) appellierte im Zusammenhang mit den Straßenblockaden von Klimaaktivisten an die Beteiligten, sie dürften nicht zur Gefährdung anderer Menschen beitragen. „Ich glaube, dass wir kritische Haltung, kritischen Protest, akzeptieren müssen. Dass die Aktionen jetzt nicht auf sehr weitreichenden Beifall gestoßen sind, ist auch offensichtlich“, sagte Scholz.
Das Gleiche gelte auch mit Blick auf Kunstwerke, die im Zuge von Protestaktionen beschädigt würden. Aktivisten der „Letzten Generation“ hatten vor rund einer Woche im Potsdamer Museum Barberini ein mehr als 100 Millionen Euro teures Gemälde mit Kartoffelbrei beworfen. Passiert ist dem Kunstwerk dabei nichts, da es von einer Glasschicht geschützt war