Während die Einheimischen zum Teil nur über Bürgersteige oder gar nicht mit dem Auto nach Hause gelangten, regierte bei den auf die Grenzabfertigung wartenden Polen der Frust. "Ich wollte endlich mal wieder vier Tage am Stück bei der Familie sein. Stattdessen habe ich hier eine Nacht in der Schlange verbracht", schimpfte Tomasz Korolewicz aus Gorzów, der in Deutschland arbeitet.

Kein Durchkommen mehr für Polizei

Die A12 vom Berliner Ring nach Frankfurt war in der Nacht zum Donnerstag auf ihrer gesamten Länge von Lkw blockiert. Selbst auf den Zufahrtsstraßen sorgten nach Stellplätzen suchende Trucker für Behinderungen.
"Da wir mit unseren Polizeiwagen nicht mehr durchgekommen sind, mussten wir Kradfahrer aus ihrem Dienstfrei am Feiertag holen", berichtet der Leiter der Verkehrspolizei im Bereich der Polizeidirektion Ost, Hanjo Loose. Die Beamten hatten alle Hände zu tun, um auf der Autobahn für eine Rettungsgasse zu sorgen und in den Innenstädten Unfälle aber auch Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Wartenden zu vermeiden.
"Insgesamt 72.000 Pkw und Busse haben am Mittwoch und Donnerstag die Grenzübergänge von Küstrin bis Görlitz in Richtung Polen passiert", berichtete am Freitag die Sprecherin des polnischen Grenzschutzamtes  Krosno Odrzanskie, Joanna Konieczniak. Die Lkw wurden gar nicht mehr gezählt. "Da bei fast allen Insassen die Körpertemperatur gemessen wurde und alle Ausländer kontrolliert werden mussten, ob sie nach Polen einreisen dürfen, hat es  so lange gedauert", fügt sie hinzu.

Pfingsten und Fronleichnam drohen erneut Staus

Mehr noch: "Da es am kommenden Wochenende in Deutschland durch Pfingstmontag wieder ein verlängertes Wochenende gibt, müssen wir erneut mit Staus rechnen", warnt die Polin. Am 11. Juni stehe dann mit Fronleichnam noch ein polnischer Feiertag auf dem Kalender.
Freilich berichten polnische Pendler, dass von den Behörden ihres Landes das Messen der Körpertemperatur unterschiedlich intensiv betrieben werde. "Vermutlich abhängig davon, wer gerade Dienst hat", sagt ein Slubicer, der anonym bleiben will. Für seine Theorie spricht, dass sich der nächtliche Stau in Frankfurt am Donnerstag relativ schnell abbaute – nach dem Schichtwechsel an der Grenze.

Kommende Woche droht viel Verkehr zur Ostsee


Nicht nur in Richtung Polen, sondern auch innerhalb Deutschlands selbst, dürfte es vor dem Pfingstwochenende zu Staus oder zähem Verkehr kommen. "Da in Mecklenburg alle Beschränkungen entfallen, werden viele Menschen in Richtung Ostsee fahren", erwartet Hanjo Loose von der Brandenburger Verkehrspolizei. Auch der ADAC mahnt zu Geduld. ds