Bahnkunden in Berlin und Brandenburg müssen sich auch an diesem Donnerstag (12. August) auf zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen einstellen. Der Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer dauert noch bis Freitag, 2.00 Uhr. Im Regionalverkehr der Bahn und bei der S-Bahn gelten deutlich reduzierte Ersatzfahrpläne. Diese liefen am ersten Streiktag am Mittwoch aber stabil. Nicht alle Züge waren überfüllt, die Kunden sind offenkundig auf andere Verkehrsmittel ausgewichen.
Die östlichen Bundesländer sind ein Schwerpunkt des Streiks. Der Ausstand sorgte aber bundesweit für zahlreiche Ausfälle im Nah- und Fernverkehr. In Berlin fuhren am Mittwochmittag auf den Ringbahnlinien S41/42 und vier weiteren S-Bahn-Linien keine Züge, wie die S-Bahn mitteilte. Viele weitere Linien fuhren demnach nur im 20-Minuten-Takt.

Deutsche Bahn stellt Ersatzfahrpläne bereit

Im Regionalverkehr fielen zahlreiche Züge aus, bei anderen Linien bot die Bahn nach eigenen Angaben einen Ersatzverkehr mit Zügen und Bussen an. Fahrgäste können auf der Bahn-Internetseite auf die jeweiligen Ersatzfahrpläne zugreifen.
Nicht bestreikt wurden regionale Bahn-Konkurrenten wie die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) und die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB). Eine Odeg-Sprecherin sprach am Mittag von deutlich mehr Fahrgästen. Ab Nachmittag erwarte man zudem viele Pendler, die statt der S-Bahn die Odeg nutzten. Von der NEB hieß es am frühen Mittwochnachmittag, indirekte Beeinträchtigungen durch den Streik gebe es derzeit nicht.

Staus in Berlin - Verspätungen auf A111, A113 und A114

Viele Menschen fuhren mit dem Auto, dem Fahrrad, dem Bus, der Straßenbahn oder der U-Bahn. Für einen Mittwoch habe es erstaunlich viele Staus gegeben, sagte ein Sprecher der Verkehrsinformationszentrale Berlin. Demnach mussten Autofahrer etwa auf den Autobahnen 111, 113 und 114 stadteinwärts mit Verspätungen rechnen. In Brandenburg sorgte der Streik nach Beobachtungen der Polizei bislang nicht für mehr Staus oder auch Unfälle.
Ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) berichtete von „merklich volleren Fahrzeugen“. Die Busse, Trams und U-Bahnen seien im Berufsverkehr aber nicht überfüllt gewesen. Man habe keine Fahrgäste stehen lassen müssen.
Viele Menschen nutzten auch Leihwagen. Der Anbieter Share Now etwa teilte auf Anfrage ein erhöhtes Buchungsaufkommen für die Region Berlin/Brandenburg mit. Man liege verglichen mit vergangenem Mittwoch bei einem Plus von 23 Prozent. Für eine vollständige Beurteilung müsse man allerdings die komplette Streikdauer abwarten.

Welche S-Bahnlinien und Regionalexpress-Züge am 11. August ausgefallen sind:

Beitrag vom 11. August um 6.39 Uhr:
Der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat am Mittwochmorgen für zahlreiche Zugausfälle und -verspätungen in Berlin und Brandenburg gesorgt. Der Ausstand im Personenverkehr habe in der Nacht begonnen, bestätigte Matthias Waha, Regionaler Bahnsprecher für Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern.
Insbesondere der S-Bahn-Verkehr in Berlin und der Regionalverkehr zwischen Berlin und Brandenburg ist von dem Streik betroffen, wie die S-Bahn Berlin und die Deutsche Bahn online mitteilten. 

Berliner Ringbahn und viele Regios fallen komplett aus

Demnach werden die S1, S2, S25, S3, S46, S5, S7, S85 und S9 aktuell im 20-Minutentakt fahren. Die S7 und S8 sollen im 40-Minutentakt fahren. Gar nicht verkehren sollen die S26, die Ringbahnen S41 und S42, die S45, S47 und die S75.
Auch im Regionalverkehr zwischen Berlin und Brandenburg ist mit Einschränkungen zu rechnen. Auf den Linien RE1, RE3, RE5, RE6, RE7, RE10, RE15, RE18, RB11 und RB43 wird Ersatzverkehr mit Zügen und Bussen angeboten. Auf den Linien FEX, RB10/14, RB13, RB20, RB21, RB22, RB23, RB24, RB31, RB49, RB55 und RE/RB66 wird kein Ersatzverkehr angeboten. 
Schon seit Dienstagabend bestreikt die Gewerkschaft den Güterverkehr. Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich.
Auch ab Bernau und Ahrensfelde kommt es zu Einschränkungen im Bahnverkehr. Wie es mit dem Ersatzverkehr für Reisende aussieht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Ersatzfahrplan auch am Donnerstag gültig

Die deutlich reduzierten Ersatzfahrpläne der Bahn laufen wohl während des Streiks auch in der Hauptstadtregion stabil. „Trotz der kurzfristigen Ankündigung ist es gelungen, die Ersatzfahrpläne im Fern- und Nahverkehr stabil umzusetzen“, teilte die Bahn am Mittwoch mit. Das gelte auch für Berlin und Brandenburg, fügte ein Sprecher hinzu. Die Ersatzfahrpläne sollten laut der Bahn auch am Donnerstag gültig sein.
Ein Streikschwerpunkt liege in den östlichen Bundesländern, hieß es von der Bahn weiter. Dort ist die GDL traditionell schlagkräftiger, weil im Westen ein Teil der Mitglieder noch Beamte aus Bundesbahn-Zeiten sind und nicht streiken dürfen.

Höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen

Bundesweit hat die Deutsche Bahn 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen. Am Dienstag hatte die GDL angekündigt, den Fern- und Regionalverkehr ab Mittwoch, 2.00 Uhr, für 48 Stunden bundesweit zu bestreiken.
Die GDL-Mitglieder streiken offiziell für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangen sie eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Die Bahn will die Erhöhung nach den Corona-Verlusten über eine längere Zeit strecken. Dahinter schwelt in der Belegschaft ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt.