Der Energieversorger EWE erhöht zum 1. Oktober seine Preise zum Teil deutlich. Betroffen sind davon insgesamt 375.000 Strom- und 110.000 Gaskunden der Grund- und Ersatzversorgung, darunter etwa 23.000 der insgesamt 100.000 Kunden in Brandenburg.
Der Gaspreis steigt pro Kilowattstunde um 1,82 auf 14,99 Cent. Das bedeutet bei einem Durchschnittsverbrauch von 20.000 Kilowattstunden jährliche Mehrkosten von 364 Euro. Da die EWE mit Sitz in OIdenburg in Brandenburg kein Stromgrundversorger ist, trifft die Erhöhung des Strompreises um fast zwölf Cent je Kilowattsunde auf 37,81 Cent hierzulande keine Kunden in diesem Bereich. In beiden Segmenten bleibt der Grundpreis unverändert.

Stefan Dohler: Preise erreichen noch nie dagewesenes Niveau

„Der Ukraine-Krieg und die Turbulenzen auf dem Energiebeschaffungsmarkt treiben die Beschaffungspreise auf ein noch nie dagewesenes Niveau“, betont EWE-Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler. Auch die weitere Reduzierung russischer Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream I seien folgenreich. „Putins Krieg ist auch ein Wirtschaftskrieg, der zu erheblicher Verknappung der Gasimporte führt und damit zu extrem hohen Preisen“, so Dohler weiter.
Der Großhandelspreis für Erdgas habe innerhalb eines knappen Jahres eine 300 prozentige Steigerung erfahren. Aktuell liegt er bei 200 Euro je Megawattstunde. Der Börsenstrompreis erhöhte sich seit Januar um mehr als 200 Prozent. Er liegt aktuell bei 400 Euro je Megawattstunde. Über Sonderverträge versorgt EWE einige Tausend Stromkunden in Brandenburg.

EWE versorgt 100.000 Kunden mehr als geplant

Weiterhin wirke sich aus, dass EWE in seinem Versorgungsgebiet im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg und auf Rügen sowie in Teilen Polens für 100.000 Kunden mehr als geplant, Strom und Gas zu den extrem hohen Preisen einkaufen müsse. Zugleich versicherte Oliver Bolay, Geschäftsführer der EWE Vertrieb: „Die EWE hält sich an die Preisgarantie bei Laufzeitverträgen über zwölf oder vierundzwanzig Monate.“

Berlin

Allerdings müssen sich Kunden, deren Vertrag in den kommenden Monaten ausläuft, auf die höheren Preise in neuen Produktangeboten einstellen. Diese werden aber immer noch günstiger sein als in der Grundversorgung. Bolay verwies auf Zuhause+ 12-Tarife. Aufgenommen würden auch weiterhin Neukunden in der Grundversorgung. Ihnen werden Klimaspartarife angeboten.

Gas-Umlage wird Kunden zusätzlich belasten

Die nächste Steigerung beim Gaspreis steht bevor, wenn der Bund im Rahmen des Energiesicherungsgesetzes eine Gas-Umlage voraussichtlich zum 1. Oktober einführt. Dohler rechnete vor, dass bei möglichen 2,5 Cent je Kunde die EWE ab Oktober monatlich 90 Millionen Euro abführen müsse. „Das können wir als Versorger nicht abfangen. Damit das Unternehmen handlungsfähig bleibt, müssen wir das Geld auf die Kunden umlegen.“ Das werde in den Abrechnungen separat ausgewiesen.

Appell: Abschläge erhöhen und sparen

Der Vorstandsvorsitzende spricht von einer „riesigen sozialen Herausforderung“ und „hohen Belastungen“ für die Menschen. Sein Appell: Kunden sollten unbedingt schon jetzt ihre Abschläge erhöhen und gleichzeitig schauen, wie sie Strom und Wärme sparen können. Die EWE halte auch dafür Tipps bereits.
Wie weit müssen sich die Deutschen bald einschränken? Immer mehr Energieversorger kündigen Preiserhöhungen an, nun auch die EWE.
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© Foto: Jens Büttner/dpa
Das Unternehmen spüre bereits, dass anders als in der Industrie die Nachfrage im Privatkundenbereich etwas zurückgegangen sei. „Jede kleine Menge hilft, dass wir bis zum Herbst einen Füllstand der Gasspeicher von 95 Prozent erreichen.“ Und er ist sich sicher, dass sich die Situation, wenn neue Versorgungsströme greifen, in vielleicht anderthalb Jahren wieder entspannen werden. „Auch dann werden wir die Preise im vierteljährlichen Turnus anpassen“, verspricht Stefan Dohler.