Stromausfall in Berlin
: Der Südosten der Stadt im Dunkeln – das sagen Betroffene

Nach dem Brand eines Strommasts in Berlin sind weiterhin Teile der Hauptstadt ohne Strom. Das berichten Betroffene in der Nacht.
Von
dpa
Berlin
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Stromausfall in Berlin: Einheiten des Katastrophenschutz sind vor im Einsatz. Die Polizei verstärkt in der Nacht ihre Präsenz im Bezirk Treptow-Köpenick. Da sagen Betroffene.

Stromausfall in Berlin: Einheiten des Katastrophenschutz sind vor im Einsatz. Die Polizei verstärkt in der Nacht ihre Präsenz im Bezirk Treptow-Köpenick. Da sagen Betroffene.

Bernd von Jutrczenka/picture alliance/dpa
  • Brand eines Strommasts sorgt für großen Stromausfall im Südosten Berlins – 25.000 Haushalte betroffen.
  • Reparaturen laufen: Kabelarbeiten starten Mittwoch, Stromversorgung soll bis Donnerstagabend wiederhergestellt sein.
  • DRK richtet Anlaufstelle ein: Betroffene laden Handys auf, schildern Herausforderungen ohne Strom.
  • Polizei und Katastrophenschutz verstärken Präsenz in Treptow-Köpenick zur Sicherheit der Anwohner.
  • Schulen und Geschäfte teils weiter ohne Strom – Alltag vieler Menschen stark beeinträchtigt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach dem großen Stromausfall im Südosten Berlins haben weitere Haushalte wieder Strom. Derzeit seien rund 25.000 Haushalte noch vom Stromausfall betroffen, sagte Erik Landeck, Geschäftsführer von Stromnetz Berlin, in einer RBB-Sondersendung. Zu Beginn des Stromausfalls waren fast 50.000 Stromnetz-Kunden betroffen. Durch Umleitungen seien unterdessen Tausende Haushalte wieder angeschlossen worden.

Um auch die weiteren 25.000 Haushalte wieder mit Strom versorgen zu können, seien Reparaturen nötig. Dazu müssten unter anderem die Straße am betroffenen Strommast aufgegraben und auf einer längeren Strecke Stromkabel freigelegt werden.

„Wir werden die ganze Nacht durcharbeiten, um die Baugruben herzustellen“, sagte Landeck. Am Mittwoch sollen dann die Kabelarbeiten beginnen. „Wir gehen davon aus, dass im Laufe des Donnerstags, Donnerstagabend die Stromversorgung wieder hergestellt ist.“ Auch die Einheiten des Katastrophenschutzes sind in der Nacht im Einsatz.

Deutsches Rotes Kreuz im Einsatz bei Stromausfall in Berlin

Jonas Göbel ist schon seit mehr als zwölf Stunden auf den Beinen, macht aber noch keinen müden Eindruck. Der Zugführer einer Betreuungseinheit beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) hat fast Feierabend. Noch steht er am späten Abend allerdings in Adlershof vor der Anlaufstelle für Betroffene des großflächigen Stromausfalls im Südosten Berlins.

Jonas Göbel, Zugführer einer DRK-Betreuungseinheit, sitzt in einer Anlaufstelle für Anwohner in Adlershof.

Jonas Göbel, Zugführer einer DRK-Betreuungseinheit, sitzt in einer Anlaufstelle für Anwohner in Adlershof.

Bernd von Jutrczenka/picture alliance/dpa

Das DRK hat dort in der Hans-Schmidt-Straße eine Turnhalle in Beschlag genommen. Seit dem späten Nachmittag können Menschen aus der Umgebung hier vorbeikommen, die sich Sorgen machen oder Probleme haben, weil zu Hause kein Licht mehr brennt, der Herd nicht funktioniert, im Kühlschrank das Tiefkühlfach kein Tiefkühlfach mehr ist. Viele wollen auch einfach nur ein funktionierendes Handy haben. Und das ist leichter gesagt als getan, wenn der Akku leer ist.

Die Ladestation ist deshalb schwer gefragt. „Das ist schon eines der zentralen Probleme“, sagt Göbel. Rund 100 Menschen sind bis zum Abend in die Anlaufstelle gekommen. Die meisten seien trotz des Stromausfalls seit den frühen Morgenstunden, der Zehntausende von Menschen betroffen hat, eher gelassen. „Es gab wenig böse Kommentare“, erzählt Göbel. „Der erste Schock ist überwunden.“

Die Ladestation für das Smartphone ist im Dauereinsatz

Es sei schon alles ziemlich schwierig, sagt eine junge Frau, während sie darauf wartet, dass ihr Smartphone-Akku wieder Power bekommt. „Ich habe zu Hause keinen Strom und auch kein warmes Wasser.“ Sorgen macht sie sich nicht. „In meiner Wohnung komme ich auch im Dunklen zurecht.“ Nicht weit entfernt sitzt ein älterer Mann auf einer der Holzbänke. Sein Handyakku braucht ebenfalls neue Energie. Zu Hause gebe es noch keinen Strom, erzählt er. „Kochen geht nicht. Und man muss hoffen, dass der Kühlschrank durchhält.“

Anwohner laden in einer Anlaufstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Adlershof ihre Handys auf. Betroffene können dort Hilfe bekommen oder ihre Handys aufladen. Wegen eines Brandanschlags auf zwei Strommasten kam es im Berliner Südosten zu einem großflächigen Stromausfall. Rund 43.000 Haushalte und 3.000 Firmen waren zunächst betroffen. Die Reparaturarbeiten dauern an. +++ dpa-Bildfunk +++

Anwohner laden in einer Anlaufstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Adlershof ihre Handys auf.

Bernd von Jutrczenka/picture alliance/dpa

Er wolle aber trotzdem in seiner Wohnung übernachten – den Weg ins Bett finde er auch mit der Taschenlampe. Und die Hoffnung, dass der Strom zurückkommt, gibt er nicht auf: „Vielleicht ist ja schon ein Wunder passiert“, sagt er.

In der Dörpfeldstraße, der Einkaufsmeile von Adlershof, ist kurz vor Ladenschluss noch einiges los. In „Denn's Biomarkt“ brennt das Licht, die Kaffeemaschine funktioniert so wie immer. „Wir haben Strom“, sagte eine Mitarbeiterin hinter der Verkaufstheke und reicht einen Becher mit Cappuccino an einen Kunden. Auch im Fahrradgeschäft nicht weit entfernt, gibt es keine Probleme: „Allles tippitoppi“, sagt der Werkstattleiter. Der Strom sei seit dem Vormittag wieder da.

Vor „Charli's Grillhaus“ ist Betrieb

An den Tischen draußen auf dem Bürgersteig vor „Charli's Grillhaus“ in der gleichen Straße sitzt eine Handvoll Männer und eine Frau. „Mein Mann hat mich anrufen wollen, aber mein Handy ging ja nicht“, sagt sie. „Ich wollte das schon wegschmeißen.“ Und auch die anderen sind noch sauer wegen des Stromausfalls. Dass ein Brandanschlag dahinterzustecken scheint, sei eine Riesensauerei, sagt einer der Männer. „Wieso kann der Staat uns vor sowas nicht schützen?“

Im Imbiss „Red Tadka“ vor dem Einkaufszentrum gegenüber des S-Bahnhofs in Berlin-Schöneweide ist es ungewohnt dunkel. Es gibt immer noch keinen Strom – aber er ist trotzdem geöffnet. Lamm oder Gerichte mit Huhn werden auf dem Gasgrill zubereitet. Die blauen Flammen sind das Einzige, was im Inneren sofort zu sehen sind.

Auf der Rückseite des Einkaufszentrums hängt immer noch ein großes Papierplakat: „Warenannahme geschlossen wegen Stromausfall“. Der Späti an der benachbarten Schnellerstraße hat dagegen auf. Mehrere Kunden sind gerade in den Laden gekommen. „Mein Chef zu Hause hatte keinen Strom, aber hier gab's keinen Ausfall“, sagt ein Mitarbeiter. „Man muss ja auch mal Glück haben.“

Polizei verstärkt Präsenz in der Nacht

Die Polizei schickt nach Angaben von Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Abend und in der Nacht mehr Einsatzkräfte nach Treptow-Köpenick, um die Sicherheit im Stromausfall-Gebiet zu gewährleisten. Auf eine entsprechende Frage sagte Spranger in der RBB-„Abendschau“: „Absolut. Wir sind jetzt schon großflächig mit Polizei und Feuerwehr hier vor Ort. Das wird auch noch mal vom Einsatz her zunehmen, weil wir die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger absichern müssen.“

Auch am Mittwoch ist im Berliner Südosten noch mit Beeinträchtigungen zu rechnen. Wann in allen Haushalten das Licht wieder brennt und der Kühlschrank wieder benutzt werden kann, ist noch offen, wann in allen Klassenräumen des Bezirks wieder Beamer im Einsatz sein können, auch. An einem Dutzend Schulen findet nach Angaben des Bezirksamt Treptow-Köpenicks erst gar kein Unterricht statt.