Strukturwandel: Hunderttausende Jobs in Autobranche gefährdet

Blick in die Golf-Fertigung von VW in Wolfsburg. Hunderttausende Jobs sind in der Branche gefährdet. (Symbolbild)
Julian Stratenschulte/dpaDie Kommission geht in ihrem Bericht davon aus, dass in zehn Jahren zehn Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren werden. Da die Produktion weniger Bauteile erfordert, weniger wartungsintensiv ist und die Fertigung der Motoren automatisierter ist als die von Verbrennern, werden ihrer Einschätzung nach Hunderttausende Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren. Das Gremium, das sich aus Vertretern der Gewerkschaften, Verbänden und Nonprofit–Organisationen zusammensetzt, zieht dazu zwei Studien heran. Aufgrund der gravierenden Umstrukturierung sei es wichtig, dass die volle Wertschöpfungskette der Autoindustrie in Zukunft in Deutschland angesiedelt werde, betont der Vorsitzende der NPM–Arbeitsgruppe, der IG–Metall–Vorsitzende Jörg Hofmann.
Es würden zwar Hunderttausende Arbeitsplätze wegfallen, stimmt der Direktor des Center of Automotive Management (CAM), Stefan Bratzel, dem Bericht zu. Doch so dramatisch, wie es das Gremium darstelle, sei es nicht. Die Wissenschaftler in Bergisch Gladbach rechnen in einer eigenen Studie von einem Wegfall von 135.000 bis 21. 000 Jobs bei Zulieferern und Herstellern.
Tesla wird Jobs schaffen
„In den Berechnungen der Nationalen Plattform sind nicht die Entwicklungen der letzten anderthalb Jahre berücksichtigt“, sagt Bratzel. „Dazu zählt etwa, dass Tesla sich in Brandenburg ansiedelt und Arbeitsplätze schafft.“ Auch der Verband der Automobilindustrie bekräftigt, dass deutsche Hersteller ihr Angebot an E–Autos bis 2023 auf 150 Modelle verdreifachen werden. Ein Großteil davon werde in Deutschland produziert.
Nichtsdestotrotz müsse die Branche den Umbruch abfedern, sagt Wissenschaftler Bratzel. Vor allem die gut bezahlten Jobs würden wegfallen. „Das Gehaltsniveau wird für die im Dienstleistungsbereich neu entstehenden Arbeitsplätze deutlich niedriger sein“, sagt der Autoexperte. Daraus könnten sich soziale Spannungen entwickeln, wie etwa in Frankreich mit der Gelbwestenbewegung. Wichtig sei – und das betont auch die NPM –, Maßnahmen zur Weiterqualifizierung zu entwickeln.
