Tag des Lokaljournalismus: Darum liebt Bundespräsident Steinmeier seine Lokalzeitung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte) nach einem Gespräch mit rund 20 Journalistinnen und Journalisten von Lokalzeitungen sowie lokalen und regionalen Medienportalen anlässlich des Tages des Lokaljournalismus vor dem Schloss Bellevue. Auch MOZ.de und LR.de sind vertreten.
Bernd von Jutrczenka/dpa- Bundespräsident lädt Lokalmedien ins Schloss Bellevue ein – Anlass ist der Tag des Lokaljournalismus.
- Steinmeier: Lokaljournalismus ist unverzichtbar und trägt die offene Gesellschaft der Demokratie.
- Er liest seit Jahren Lokalzeitungen am Frühstückstisch und betont deren Rolle für den Alltag.
- Viele Lokalzeitungen stehen unter Druck: Anzeigenschwund führte zu „Zeitungsschwund“.
- Warnung vor verrohter Debatte: Ohne Zwischentöne droht ein „Kommunikationsinfarkt“ und weniger Kompromisse.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
MOZ.de und LR.de waren zu Besuch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue in Berlin. Diesmal nicht als Berichterstatter, sondern als Gast.
Eigentlich verlaufen Termine mit dem Bundespräsidenten für Journalistinnen und Journalisten anders. Wie im vergangenen Sommer, als Frank-Walter Steinmeier seinen Amtssitz für ein paar Tage in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin verlegte. Die 16. Ortszeit des Bundespräsidenten begleiteten MOZ.de und LR.de klassisch in der Rolle des Berichterstatters und berichteten, welche Themen bei der Gesprächsrunde „Kaffeetafel kontroverse“ aufgegriffen wurden.
Diesmal war es anders. Anlässlich des Tages des Lokaljournalismus hatte der Bundespräsident Ende April Vertreter verschiedener Lokalmedien ins Schloss Bellevue eingeladen. Knapp 20 Personen waren gekommen. Die Brancheninitiative, bei der Medienhäuser und Organisationen auf die Bedeutung lokaler Berichterstattung aufmerksam machen, findet am 5. Mai statt. Ziel ist es, die Bedeutung und Leistungsfähigkeit lokaler Berichterstattung sichtbar zu machen.
Frank-Walter Steinmeier liest selbst Lokalzeitungen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, er sehe Lokaljournalismus als unverzichtbar für die Demokratie an. „Lokaljournalismus ist eben nicht nice to have, sondern es ist eine der Säulen, die die offene Gesellschaft der Demokratie trägt und stabil hält“, sagte er.
Steinmeier schilderte zugleich seine persönliche Verbundenheit mit Lokalzeitungen: „Ich bin über Jahre und Jahrzehnte mit allergrößter Selbstverständlichkeit morgens vor dem Frühstück zum Briefkasten gegangen und habe mir meine Lokalzeitung an den Frühstückstisch geholt.“ Die Zeitung sei für ihn „immer mehr als ein Ritual“ gewesen, „sondern es war Teil des Ankommens im neuen Tag“.
Zugleich verwies Steinmeier auf die schwierige Lage vieler Lokalzeitungen. Klassische Titel seien in den vergangenen Jahrzehnten weniger geworden. „Noch bevor die großen überregionalen Printmedien wirtschaftlich unter Druck geraten sind, hat es die Lokalzeitungen in vielen Regionen unseres Landes getroffen“, sagte er. Anzeigenschwund habe über Jahre hinweg und wahrscheinlich immer noch „Zeitungsschwund“ bedeutet.
Bundespräsident warnt vor Verrohung der Debatten
Ohne Lokaljournalismus gebe es „kein gemeinsames Fundament vor Ort“, auf das eine Demokratie angewiesen sei, sagte Steinmeier. Lokaljournalismus bewahre Übersichtlichkeit und Überschaubarkeit im Nahraum. „Und dieser Nahraum, in dem die Menschen leben, die Gemeinde, die Kommune, die Kleinstadt, das prägt das Leben von Menschen, nach meiner Erfahrung jedenfalls, deutlich mehr als die ganz große Politik, die jeden Abend über die Tagesschau oder das heute-journal in die Wohnzimmer kommt.“
Zugleich warnte der Bundespräsident vor einer Verrohung der öffentlichen Debatte. „Wenn zwischen dem schnellen Like und der lauten Empörung gar kein Raum mehr bleibt für Zwischentöne, wenn die Suche nach dem täglichen Skandal den Blick auf das wirklich Wichtige vernebelt, dann droht ein Kommunikationsinfarkt, der in anderen Gesellschaften schon stattgefunden hat“, sagte Steinmeier. „Dann ist jedenfalls Gefahr im Verzug.“ Dadurch gehe auch die Fähigkeit zum Kompromiss verloren, die es für eine Demokratie brauche. mit dpa



Frank-Walter Steinmeier hat im Grunde nur das Offensichtliche beschrieben. Die unüberhörbare Mahnung zum Kompromiss verleiht den Worten des Bundespräsidenten aber Dramatik.