Acht Złoty für einen Liter Super-Benzin oder Diesel. Diese Preismarke galt für die Bewohner Polens bisher als absolute Schmerzgrenze beim Tanken. Laut dem aktuellen Umtauschkurs entsprechen acht Złoty zwar nur 1,75 Euro. Doch da das Durchschnittseinkommen östlich von Oder und Neiße noch immer weit unter dem der Deutschen liegt, kann man ermessen, was acht Złoty für unsere östlichen Nachbarn bedeutet.
Denn seit dem Pfingstwochenende wird die bisherige Preis-Schallmauer für den Sprit nicht nur erreicht, sondern teilweise sogar deutlich durchbrochen. „Viele polnische Kunden tanken ihr Auto nicht mehr voll, sondern verlangen Sprit für 100 oder 150 Złoty. Fast so, wie in längst vergangenen sozialistischen Zeiten“, sagt ein älterer Tankwart im Grenzort Słubice. Dann fügt er hinzu: „Aber für euch Deutsche ist das ja noch kein so großes Problem.“

Zehn Cent Anstieg allein seit Ende Mai

Tatsächlich fällt aber auch den deutschen Kunden auf, „dass der polnische Sprit ganz schön teuer geworden ist“. Umgerechnet 1,65 Euro musste man am Mittwoch (8. Juni) in Słubice mindestens für den Liter Diesel bezahlen. Das Super-Benzin dagegen gab es ab 1,74 Euro. Im Schnitt waren das zehn Cent mehr als noch Ende Mai.
Da in Deutschland aufgrund der Steuersenkung die Preise zumindest teilweise gesunken sind, ist der Vorteil in den vergangenen anderthalb Wochen ganz schön geschrumpft. War der Liter Diesel Ende Mai gegenüber der Nachbarstadt Frankfurt (Oder) in Polen noch um 55 Cent preiswerter und das Super-Benzin sogar um 61 Cent, sind die Differenzen inzwischen auf 37 Cent beim Diesel und 30 Cent beim Benzin gesunken. Beim Benzin also etwa um die Hälfte.
Wie ein Test ergab, lohnt sich zudem auch innerhalb Polens der Preisvergleich. So lagen an einer Tankstelle der Marke „miles“ am Mittwochmittag die Preise deutlich höher als bei „Avia“ oder beim Discounter „Intermarché“. Zudem kann man so wie schon früher noch ein paar Cent gutmachen, indem man per Karte in Złoty und nicht das Geld in den Wechselstuben tauscht, die zumeist einen etwas schlechteren als den offiziellen Kurs anbieten.
Aber warum erreichen die Spritpreise im Nachbarland aktuelle Rekordhöhen? Die Zeitung „Gazeta Wyborcza“ nannte am Mittwoch dafür drei Gründe: Die Verteuerung der Rohölpreise auf dem Weltmarkt durch den Krieg in der Ukraine; die Tatsache, dass Polen statt russischen Öls schon verstärkt auf andere Importe setzt; und nicht zuletzt den Umstand, dass die staatlichen polnischen Spritkonzerne „Orlen“ und „Lotos“ ihre Produktpreise angehoben haben. Laut einer aktuellen Statistik der Europäischen Union liegen die Spritpreise ohne Steuern in Polen derzeit sogar bei 108 Prozent des EU-Durchschnitts.
Über acht Złoty für den Liter Diesel und das Benzin: Diese Preise galten am 8. Juni an einer Tankstelle in Słubice.
Über acht Złoty für den Liter Diesel und das Benzin: Diese Preise galten am 8. Juni an einer Tankstelle in Słubice.
© Foto: Dietrich Schröder
Freilich hatte die Warschauer Regierung die Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel in jüngster Zeit schon zweimal gesenkt: erst kurz vor Weihnachten 2021 und dann am 1. Februar dieses Jahres, also noch vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine.
Die Preise, die noch am 1. Februar in Polen zu zahlen waren, treiben einem aus heutiger Sicht allerdings nur noch Tränen in die Augen. Vor vier Monaten kosteten sowohl das Benzin wie auch der Diesel umgerechnet 1,15 Euro pro Liter und waren damals um 69 beziehungsweise 44 Cent billiger als in Brandenburg.
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