Test: Windräder sollen für Vögel stoppen

Scheinbar ganz nahe fliegen Wildgänse vor den sich drehenden Rotorblättern eines Windrades nahe Petersdorf im Landkreis Oder-Spree vorbei.
Patrick Pleul/dpaIn Baden-Württemberg und dem Saarland laufen die Erprobungen schon. An 80 Windrädern wird getestet, wie Kameras geschützte Vögel erfassen und Computersysteme bei Annäherung die Rotoren abschalten. Zwei Jahre lang haben Biologen auf dem Feld beobachtet, ob sich Milane, Adler oder Bussarde in die Gefahrenzone eines Windrades begaben und dann die Anlage von einem Tablett aus gestoppt, berichtet Markus Pubantz, Geschäftsführer von BirdVision.
Inzwischen wurden Systeme geschaffen, die an Hand des Aussehens und der Flugbewegung Vogelarten auf bis zu 200 Meter erkennen können. Er nannte den Rot- und den Schwarzmilan, verschiedene Adlerarten, Falken und den Mäusebussard. Infrarotsysteme könnten künftig auch überwachen, ob nachts Fledermäuse unterwegs sind. 2021 hofft die Firma erste Kleinserien ihrer Abschaltautomatik ausliefern zu können.
Das brandenburgische Wirtschaftsministerium plant derartige kameragestützte Abschaltmechanismen in hiesigen Windparks zu erproben. Ursprünglich sollten dafür 250 000 Euro noch in diesem Jahr und die jeweils doppelte Summe in den kommenden Jahren aus dem Zukunftsinvestitionsfonds der Keniakoalition zur Verfügung gestellt werden. Das wurde in der vergangenen Woche erst einmal gestoppt. Die Finanzierung soll stattdessen anderweitig abgesichert werden, heißt es aus der Landesregierung. An der Erprobung werde festgehalten. Nachfragen zum Stand des Vorhabens wurden seitens des Wirtschaftsministeriums nicht beantwortet.
Der Bundesverband WindEnergie (BWE) ist noch skeptisch gegenüber derartigen Anlagen. Man beobachte die Arbeit von BirdVision aber auch Systeme, die in den Niederlanden entwickelt werden. So etwas müsse absolute Sicherheit bieten, sagt Christoph Zipf, Sprecher des BWE. Schließlich könne man nicht wegen Falschalarm ganze Windparks abschalten. Die Systeme müssten das Tötungsrisiko gewisser geschützter Arten signifikant verringern, bevor man sie empfehlen könne. Wenn sie allerdings funktionieren, sieht der Verband die Möglichkeit Windanlagen auch in solchen Gebieten genehmigt zu bekommen, in denen der Vogelschutz den Bau solcher Anlagen bislang ausschließt.
Markus Pubantz sieht die Zukunft seines Projekts eher im Monitoring. Es gebe überhaupt zu wenig Erkenntnisse über Windräder und die Auswirkung auf die Vogelwelt. Im zweijährigen Feldversuch mit Biologen habe sich gezeigt, dass die meisten Vögel mit der Gefahr durch Windräder sehr wohl umgehen können, berichtet er. Sie hätten laufende Anlagen umflogen und seien bei stehenden Windrädern zwischen den Flügeln hindurchgeflogen.
Trotzdem sei ein Kamerasystem sinnvoll und rechne sich, argumentiert Pubantz. Vor allem dort, wo die Umweltbehörden bei Feldarbeiten vorübergehende oder in Brutgebieten sogar monatelange Abschaltungen verfügen. Er hofft, dass das mit den Vogelerkennungssystemen und dem Stopp der Windräder dann nicht mehr notwendig ist und die Ausfallzeiten bei der Stromerzeugung entsprechend geringer ausfallen.
Vogelschutz
Rund 200 Brutvogelarten werden brandenburgweit gezählt. Das Bundesland gehört damit nach Informationen des Umweltministeriums zu den Bundesländern mit einer reichen Avifauna. Während sich einige Arten wie See- und Fischadler oder Kraniche gut entwickeln, nimmt die Zahl der Gartenvögel ab. Das Ministerium hat jetzt eine Broschüre herausgegeben mit dem Titel "Brandenburg aus der Vogelperspektive", die kostenfrei bestellt werden kann. In ihr werden Arten und Akteure vorgestellt, die in den vergangenen Jahrzehnten im Fokus des Vogelschutzes standen.
Bestellung: bestellung@mluk.brandenburg.de⇥red
