Tierpark-Einweihung
: Affengeil, diese Anlage

Im Tierpark sind die Affen los: Neue Anlage eingeweiht.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
Jetzt in der App anhören
  • Seltene Artgenossen: Ein Dscheladas sitzt im umgebauten Affenhaus des Tierparks Berlin auf einem Baumstamm. Bei der Modernisierung der Anlage, rund zehn Spazierminuten vom Schloss Friedrichsfelde entfernt, kamen besonders viele Naturmaterialien zum Einsatz.

    Seltene Artgenossen: Ein Dscheladas sitzt im umgebauten Affenhaus des Tierparks Berlin auf einem Baumstamm. Bei der Modernisierung der Anlage, rund zehn Spazierminuten vom Schloss Friedrichsfelde entfernt, kamen besonders viele Naturmaterialien zum Einsatz.

    Tierpark Berlin/Frederic Schwe
  • Kamen zur Einweihung: Thomas Zioko (v. l.) vom Tierpark-Förderverein, Finanzstaatssekretärin (SPD) und Tierparkdirektor Andreas Knieriem vor der neuen Außenanlage

    Kamen zur Einweihung: Thomas Zioko (v. l.) vom Tierpark-Förderverein, Finanzstaatssekretärin (SPD) und Tierparkdirektor Andreas Knieriem vor der neuen Außenanlage

    Tierpark Berlin / Frederic Schwe
1 / 2

Ein bisschen sieht es so aus, als wollten die  Dscheladas erst einmal die Qualität ihrer neuen Möbel testen. Während die einen genüsslich ihre stark behaarten Oberschenkel entlausen, fummeln die anderen mit ihren Nägeln an den Baumstämmen herum, die nun ihr neues Gehege zieren. Sie wurden gegen die lieblosen Bretter getauscht, auf denen die seltene Primatenart aus Afrika vorher ihr Zoo-Dasein in Berlin fristetete.

„Für mich hatte das Affenhaus vor dem Umbau den Charme einer Schwimmhalle“, freut sich Thomas Zioko,  Vorsitzender der Fördergemeinschaft von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e.V., am Donnerstag bei der Einweihung der umgebauten Anlage. 180 000 Euro hat sein Verein dazugeben. Insgesamt kosteten die aufwendigen Modernisierungsarbeiten der rund 2000 Quadratmeter großen Anlage rund 620 000 Euro und wurde aus verschiedenen Fördertöpfen finanziert.

Nun können Besucher zuschauen,  wie sich die Brüllaffen mithilfe ihrer langen Greifschwänze elegant durch das neue Geäst hangeln. Sie können nun gemeinsam mit den Gelbbrustkapuziner-Äffchen in die Außenanlage, in dem ein Wasserfall plätschert, toben. „Wir haben festgestellt, dass die Tiere jetzt viel entspannter sind und unter anderem miteinander Kuscheln, was sie früher nicht gemacht haben“, freut sich Ingeborg Möpert, die als Gästescout im Tierpark arbeitet.

Neu an Bord ist ein Blauaugenmaki. Neugierig schaut er durch seine weltweit einzigartigen türkisblauen Augen auf die ersten Besucher, die die neue Anlage inspizieren. Selbst die Toiletten sind nun mit grünen Landschaften bemalt. Hinter der Scheibe der großen Schauküche können Besucher an Tafeln und Futternäpfen sehen, welches Gemüse welchem Tier schmeckt. „Das Haus hat sich um 100 Prozent verändert“, sagt eine 79-Jährige, die seit 1961 regelmäßig den Tierpark Friedrichsfelde besucht.

Der hat sich an vielen Ecken gewandelt und soll weiter aufgehübscht werden. „Nachher geht es zu den nächsten Baubesprechungen“, sagt Knieriem. In diesem Jahr will der Tierparkchef noch das Alfred-Brehm-Haus mit Regenwald-, Tiger- und Malaien-Bär-Anlage wieder eröffnen und mit dem Umbau des Dickhäuter-Hauses starten. Knieriem versteht Europas größten Zoo auch als Bildungsauftrag. Im Affenhaus können Besucher bei einer interaktiven Rallye mit verschiedenen Spielstationen auch etwas über die Lebensräume bedrohter Tierarten erfahren. „Wir verlieren jedes Jahr 500 000 Hektar Wald, das entspricht der Größe von Griechenland. Wir wollen hier im Tierpark nicht nur wie auf einer Art Arche Noah der Gene erhalten, sondern Faszination und Empathie beim Menschen wecken.“

Der Verlust des Lebensraumes sowie der Klimawandel sei für viele Tierarten ein Desaster, mahnt der Zoo-Direktor. Die Dscheladas zum Beispiel kämen nur im Hochland von Äthiopien vor. Aufgrund ihrer rosafarbenen Vorderseite werden sie auch Blutbrustpaviane genannt. Die Männchen, die ihr stattliches Fell wie einen Pelzumhang tragen, sind echte Paschas. Sie scharen einen  Harem von 6 bis 10 Weibchen um sich. „Die Partnerwahl treffen allerdings die Damen“, erfahren Besucher auf einer Infotafel. „Wer den Nachwuchs umsorgt und das Fell krault, ist klar im Vorteil.“