In Deutschland sind nach einer Mitteilung des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erstmals Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Hausschweinen in Brandenburg aufgetreten. Dies habe das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Donnerstag nachgewiesen. Bislang war diese Schweinepest in Deutschland nur bei Wildschweinen aufgetreten.
Labore hatten das Virus bei einem Bio-Betrieb im Landkreis Spree-Neiße mit rund 200 Schweinen sowie bei einem Kleinsthalter im Landkreis Märkisch-Oderland nachgewiesen. Damit liegen auch die Fälle bei Hausschweinen in den bereits von der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen betroffenen Landkreisen nahe der polnischen Grenze. Um die betroffenen Betriebe sollen jetzt Schutzzonen und Überwachungszonen eingerichtet werden.
Afrikanische Schweinepest in Brandenburg Biobetrieb in Preschen muss 200 Schweine töten

Preschen/Forst

Bei dem Fall in Märkisch-Oderland handelt es sich um einen Tierhalter, der zwei Hausschweine in einem Stall in Kienitz-Nord, einem Ortsteil von Letschin im Oderbruch, hält, informierte Thomas Berendt, Sprecher des Landkreises MOL. Bei einem der Tiere wurde ASP nachgewiesen. Beide Schweine wurden eingeschläfert. Unklar ist nach Angaben von Berendt der Infektionsweg dort. Die Tiere hatten keinen Auslauf. Vermutlich seien sie über das Futter infiziert worden, was aber noch untersucht werden müsse, sagte er.
Der Fall hat sich außerhalb des Sperrbezirks, aber im Gefährdungsgebiet ereignet. Es müsse entschieden werden, ob der Sperrbezirk ausgeweitet werden muss. „Der Hof liegt aber im bereits im umzäunten Gebiet“, so Berendt. In einem Umkreis von drei Kilometern werden nun alle Höfe mit Schweinehaltungen, das sind etwa zwölf, die ein bis zwei Schweine halten, über das Ausfuhrverbot informiert. Alle Hausschweine dort werden jetzt getestet, so Berendt.

Brandenburg befürchtet drastische Nachteile für Schweinebauern

Die Landesregierung will verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) weitere Bestände heimsucht. „Wir sind der Vorposten für ganz Westeuropa“, sagte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher. „Es gilt zu verhüten, dass die ASP sich weiter nach Westen ausbreitet.“ Um die beiden betroffenen Betriebe sollen Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet werden. „Wir klären jetzt, auf welchem Weg der Eintrag erfolgt ist.“ Bisher sei die Einschätzung von Experten gewesen, dass befallene Wildschweine aus Polen die Oder und die Neiße passiert hätten. Für vier Hausschweine nahe der Kleinsthaltung in Letschin gebe es einen weiteren Verdacht.
Brandenburg befürchtet drastische Nachteile für Schweinebauern. „Es ist zu erwarten, dass nicht nur die Exportchancen der Schweinehaltung an sich in Deutschland wieder eingeschränkt werden“, sagte Agrarstaatssekretärin Silvia Bender. Die europäischen Nachbarn könnten nervös reagieren. „Wir gehen davon aus, dass der Preis für Schweinefleisch wieder sinken wird.“ Er habe sich gerade erst stabilisiert auf 1,50 Euro pro Kilogramm nach 1,20 Euro zum Jahresbeginn.
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands verlangte von den Abnehmern im Inland ein klares Signal. „Ein mindestens stabiles Preisniveau ist jetzt das zwingende und richtige Signal an die deutschen Schweinehalter“, hieß es in einer Mitteilung.
Bauernvertreter forderten eine bessere Bekämpfung der Seuche. „Wir müssen feststellen, dass die ergriffenen Maßnahmen ebenso wie deren Koordinierung nicht ausreichen“, sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Hubertus Beringmeier. Auf Maßnahmen wie Desinfektion und Stallpflicht müsse strikt geachtet werden.

Tiertransporte aus SPN und MOL gestoppt

Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff sagte, erste Schlachthöfe hätten bereits Tiertransporte aus den beiden betroffenen Landkreisen gestoppt. „Das ist offenbar eine erste Schutzreaktion.“ Der Fleischkonzern Tönnies begründete die Entscheidung damit, dass noch keine offiziellen Informationen über Sperrzonen vorlägen. Das Unternehmen betreibt im sachsen-anhaltischen Weißenfels seinen zweitgrößten Schlachtstandort mit rund 2200 Mitarbeitern.
Wendorff sprach sich dafür aus, private Kleinsthaltungen in den betroffenen Regionen zu beschränken, um das Risiko zu verringern. Er bezweifelte, dass das Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz geeignet für die Seuchenbekämpfung sei. Aus seiner Sicht sollte das Agrarministerium die Aufgabe übernehmen.

Brandenburg fordert Förderungen für Schweinehalter

Brandenburg forderte Unterstützung für die Schweinehalter und sieht Bundesagrarministerin Julia Klöckner in der Pflicht. Betriebe, die vorübergehend ihre Tierhaltung aufgäben, sollten Förderung erhalten, sagte Staatssekretärin Bender. Sie kritisierte: „Die Bundesministerin hat zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten zurückgewiesen, als nicht nötig befunden.“
Der Brandenburger Schweinehalter Hans-Christian Daniels, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schweinehalter, hat für sich und seinen Betrieb nun die Reißleine gezogen. „In einem halben Jahr gebe ich auf.“ Es sei nicht mehr wirtschaftlich. 10 000 Schweine würden jetzt abgeschafft. Zwölf Menschen würden dadurch ihre Arbeit verlieren.
Das Virus grassiert in Deutschland seit bald einem Jahr. Betroffen waren bislang nur Wildschweine. Fast 1270 Fälle der Afrikanischen Schweinepest wurden bislang in Brandenburg bei Wildschweinen nachgewiesen. Die Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, teilt das Ministerium weiter mit. Sie kann weder durch den Verzehr von Schweinefleisch noch Kontakt zu Tieren auf den Menschen übertragen werden. Es handelt sich dabei um eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine - sowohl Wild- als auch Hausschweine - betrifft und für sie meist tödlich ist.
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