Tourismus
: Coronavirus bewirkt Flucht in die Einsamkeit

Viele einschneidende Entscheidungen werden wegen der Corona-Pandemie gefällt. Der Tourismus leidet darunter stark.
Von
Harriet Stürmer
Frankfurt (Oder)
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Unsichere Aussichten: Die Campingbranche will aufgrund der Coronakrise derzeit besser keine Prognose zur anstehenden Saison wagen.

Patrick Pleul/MOZ

Immer mehr Veranstalter sagen gebuchte Auslandsreisen ab, Urlauber werden zurückgeholt. Und auch innerhalb von Deutschland sieht es derzeit bitter für Touristiker aus. Hotels, Pensionen und die vielen kleinen Zimmer- und Ferienhausvermieter blicken voller Sorge in die nahe Zukunft. Für die Campingwirtschaft ist die Lage hingegen noch undurchsichtig. Zwar sind die Plätze ebenfalls von den drastischen Einschränkungen für das öffentliche Leben in Brandenburg betroffen, die die Landesregierung am Dienstag per Rechtsverordnung auf den Weg gebracht hat und die vorerst bis zum 19. April gelten. Aber die meisten Anlagen öffnen ihre Tore standardmäßig ohnehin erst in ein paar Wochen.

Derweil rät der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) selbst nicht von einer geplanten Campingreise ab – vorausgesetzt natürlich, der potenzielle Gast ist symptomfrei. Camping sei eine Reiseform mit vergleichbar geringer Infektionsgefahr, heißt es beim BVCD. Gründe dafür seien die typische Art der Anreise im eigenen Fahrzeug, die Übernachtung im eigenen Zelt oder Wohnmobil und die Möglichkeit der unabhängigen Versorgung.

Die Flucht in die Einsamkeit sei die sicherste Form, sich vor einer Infektion zu schützen, nennt Christina Ventzke vom Seecamp am Oderbruch in Zeschdorf (Märkisch-Oderland) einen aus ihrer Sicht weiteren Vorteil des Campingurlaubs. „Wer jetzt draußen in der Natur ist, ist besser vor Corona gewappnet als in der Großstadt mit seinen Menschenmassen“, sagt die Vize-Geschäftsführerin. Dennoch mache auch sie sich Sorgen, wie die diesjährige Saison ausfällt.

Vor dem Hintergrund, dass viele Campingplätze erst um Ostern herum in die neue Saison starten, verzeichnet der Großteil freilich noch keinen hohen Buchungsandrang – unabhängig von der Ausbreitung des Coronavirus. Allerdings musste ein Drittel der Campingplätze deutschlandweit bereits einen ersten Rückgang in Form von zurückgehenden Buchungsanfragen und Stornierungen hinnehmen, wie eine Umfrage des BVCD unter seinen mehr als 1200 Mitgliedsunternehmen ergab.

Anders sieht es bei der Schlaubetal Camping Schervenzsee GmbH aus. Mann könne bereits einige Anfragen zu Stellplätzen verbuchen und spüre bisher weder einen Rückgang noch eine Zunahme bei den Buchungsanfragen, sagt Mitinhaberin Manuela Klofski. „Wir hoffen, das bleibt so.“ Bis jetzt habe jedenfalls noch kein ängstlicher Gast angerufen.

Merkblatt zum Schutz

Der Bundesverband der Campingwirtschaft hat inzwischen ein Merkblatt zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus für Gäste und Mitarbeiter erarbeitet, das er den Campingunternehmen zur Verfügung stellt. Zudem sei der Dachverband darum gebeten worden, die Bundesregierung um Handlungsempfehlungen – zugeschnitten auf die Campingbranche – zu bitten, berichtet Katrin Waitek, Leiterin der Brandenburger BVCD-Geschäftsstelle in Schorfheide (Barnim). Eine Prognose zur diesjährigen Saison will auch Waitek nicht wagen. „Jeder Mensch tickt anders“, sagt sie. Ob die Gäste trotz Corona-Krise kämen oder ausblieben, lasse sich nicht vorhersagen.

Die Campingplatzbetreiber seien sich jedenfalls über wichtige Schutzmaßnahmen einig, heißt es beim BVCD. So hätten rund 80 Prozent der vom Verband befragten Plätze bereits Maßnahmen wie Mitarbeiterbelehrungen oder verstärkte Hygiene auf der Anlage ergriffen. Ohnehin sei Sauberkeit eine Selbstverständlichkeit, meint Cornelia Pfeiffer vom Kneipp- und Erlebniscamping an den Spreewaldfließen in Burg, das sich seit 2013 ununterbrochen unter den Top 100 der vom Portal camping.info gekürten besten Campingplätze Europas befindet. Die Sanitäranlagen würden mehrmals täglich gereinigt und desinfiziert. Zusätzlich stelle man auch den Gästen Desinfektionsmittel zur Verfügung.