Traber-Derby in Berlin-Mariendorf 2025
: Moderator gibt Insider-Tipps zum Pferdesport

Nervenkitzel, Promis und Familienprogramm: Das Derby in Berlin-Mariendorf ist nicht nur für Rennbahn-Moderator Nikolai Laaser der Höhepunkt des Jahres. So kommen Pferdesport-Fans auf ihre Kosten.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Michael Nimczyk und Jimmy Ferro BR

Nicolai Laaser (r.) interviewt auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf den derzeit erfolgreichsten Fahrer Michael Nimczyk, der beim Traber-Derby 2025 auch wieder in mehreren Rennen am Start sein wird.

Heiko Lingk
  • Das Traber-Derby 2025 in Berlin-Mariendorf feiert sein 130. Jubiläum ab dem 9. August.
  • Moderator Nicolai Laaser wuchs auf der Rennbahn auf und moderiert seit 2020 hauptberuflich.
  • Gewinnerpferd kann bis zu 35.000 Euro Preisgeld für wohltätige Zwecke erzielen.
  • Familienprogramm: freier Eintritt für Kinder, Ponyreiten, Hüpfburgen und Betreuung.
  • Prominente wie Dieter Hallervorden und Anja Kling besuchen das Event; Finaltag ist am 24. August.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn am 9. August in Berlin-Mariendorf zum 130. Mal mit dem Derby Deutschlands wichtigste Trabrennsport-Veranstaltung eröffnet, wird auch Nicolai Laaser das Rennbahn-Fieber übermannen.

Dabei ist der Moderator auf der Anlage im Süden von Berlin quasi groß geworden. „Ich war schon im Alter von fünf, sechs Jahren regelmäßig mit meinen Eltern hier“, berichtet der 44-jährige Berliner. Er bekam das Trabrennsport-Virus von seinem Vater vererbt. „Und der hat es wiederum von seinem Vater weitergegeben bekommen.“

30.000 Zuschauer an einem Derby-Tag in Berlin-Mariendorf

In den Nachkriegsjahren strömten an den großen Renntagen noch bis zu 30.000 Zuschauer in das grüne Rund. Das zerbombte Berlin hatte damals nicht so viele Vergnügungsmöglichkeiten.

„Mein Vater berichtete mir, wie auch in den 70er-Jahren noch die gegenüberliegende Seite vom Zieleinlauf voller Zuschauer war“, erzählt Laaser. Auf dem „Zweiten Rang“ hätten vor allem die kleinen Leute mitgefiebert.

Um die vielen Menschen auch bei schlechtem Wetter gut unterzubringen, wurde 1972 das fünfstöckige gläserne Tribünenhaus mit Platz für weitere 5.000 Gäste eingeweiht.

Heute trifft man dort selbst bei schönstem Sommerwetter die echten Zocker. „Die Stammgäste schwören irgendwie auf den Glaskasten“, berichtet Laaser. Die Profi-Wetter gehen aber auch vor die Tür und beobachten, wie sich die Pferde eine Stunde vor den Rennen warm machen.

Babyklappe für Pferde beim Traber-Derby

„Scheuklappen können zum Beispiel bedeuten, dass ein Pferd zu den Favoriten zählt, der Fahrer sich mit ihm direkt nach dem Start an die Spitze setzen will. Dann muss sein Pferd auch nicht mehr nach links und rechts seine Konkurrenten im Blick haben“, erklärt Laaser.

Er selbst drückt vor allem Trogir die Daumen. Der fünfjährige Wallach vom Rennbahnbesitzer Ulrich Mommert läuft nämlich wie zwei weitere Charity-Pferde für den guten Zweck. Die Einnahmen kommen dem ASB-Wünschewagen, einem Kinderhospiz sowie einer Pferdeklappe zu Gute.

Letztere funktioniert wie eine Babyklappe in Kliniken. Pferdebesitzer, die sich die Haltung vielleicht nicht mehr leisten können, können ihr Tier anonym auf einer Koppel abgeben.

Trogir hatte die Qualifikation für Derby-Rennen zunächst knapp verpasst, als er mit dem derzeitigen bundesdeutschen Champion Michael Nimczyk im Sulky kurz vor dem Ziel in den verbotenen Galopp verfiel und disqualifiziert wurde.

35.000 Euro Preisgeld für das Siegerpferd

Dafür gewann das Ausnahmepferd dann aber in Holland einen Vorlauf für das große Finale des Super Trot Cups. Der Endlauf wird ebenfalls am 23. August im Rahmen des Derby-Meetings auf der Mariendorfer Bahn ausgetragen. „Dabei könnte Trogir bis zu 35.000 Euro an Preisgeld für den guten Zweck gewinnen“, freut sich Laaser.

Nicolai Laaser

Nicolai Laaser ist Renn-Moderator in Berlin-Mariendorf und schon seit Kindertagen auf der Rennbahn unterwegst.

Heiko Lingk

Die beste Übersicht über das gesamte Renngeschehen hätten Besucher von der neuen begrünten Zieltribüne, die erst vor drei Jahren angelegt wurde, verrät Laaser. Er muss es wissen, liegt sie nicht nur direkt an der Zielgeraden, sondern auch am sogenannten Winner-Circle, in dem der Bahn-Moderator nach jedem Rennen die Sieger interviewt und wo die Pokale an Trainer, Pfleger und Besitzer übergeben werden.

Wer das aus nächster Nähe verfolgen will, muss sich für 7,50 Euro einen Platz reservieren und sich an den Ständen mit Bratwurst und Bier, Cola und Langos selbst versorgen. An den Derby-Tagen - fünf sind es an der Zahl – herrscht in Mariendorf Volksfest-Flair.

Kostenfreies Kinderprogramm an den Derby-Tagen

„Das Schöne ist, dass es eine Veranstaltung für jedermann ist“, sagt Laaser. Der Trabrennsport sei weit weniger elitär als der Galoppsport. „Wir sind nicht Ascot oder Hoppegarten. Zu uns passt vielleicht eher der berühmte Berliner Wowereit-Spruch: Arm aber Sexy.“

Der Besuch lohnt sich auch für Familien mit Kindern. Während Erwachsene an den Derby-Tagen 10 Euro Eintritt zahlen, sind Kinder bis 18 Jahren frei. Ponyreiten, Kinderschminken, Trampolin und Hüpfburgen sind dazu kostenfrei. „Während die Eltern entspannt eine Molle trinken oder die Wettkassen aufsuchen, werden die Kids von Kita-Personal betreut“, berichtet Laaser.

Als Geheimtipp für tolle Rennbahn-Atmosphäre gelten auch das 1961 eröffnete Teehaus sowie das Stall-Casino. „Da sitzt man direkt am Schlussbogen, wo die Pferde in den Endspurt gehen.“

Von da ist es nur noch ein kurzer Weg zu den Ställen. „Die können von jedermann besichtigt werden. Man muss nur aufpassen, Pferde haben immer Vorfahrt.“

Eine kulinarische Rund-Um-Versorgungen gibt es im VIP-Bereich auf der offenen Kaiserlich-Endellschen Tribüne von 1913. Ein gehobenes kaltes wie warmes Buffet, verschiedene Getränke sowie der eine oder andere Promi am Nebentisch sind in den Karten zu Preisen von 90 bis 130 Euro inbegriffen.

Promis auf der Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf

Dieter Hallervorden und Anja Kling haben sich schon zum traditionellen Abendrenntag (22. August) unter Flutlicht angemeldet. Aber auch die Schauspieler Maren Kroymann, August von Wittgenstein, Frederick Lau und Kida Khodr Ramadan haben sich angekündigt.

„Kida war vor zwei Jahren das erste Mal da und so begeistert, dass er gleich am nächsten Tag mit einer großen Truppe wiederkommen wollte. Doch wir hatten gar keinen großen Tisch mehr frei“, erinnert sich Laaser.

Am Finaltag, 24. August, werden rund 10.000 Besucher erwartet. Die Siegerehrung will der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) übernehmen.

Doch das lustigste Interview hatte Laaser mit dem Entertainer Julian F. M. Stöckel, der mit rosa Hut auf dem Kopf der leicht schlüpfrig über Stuten und Hengste schwadronierte. Dabei hat Laaser keine Medienausbildung. Er hat fast 20 Jahre als Concierge in einem Fünf-Sterne-Hotel am Gendarmenmarkt gearbeitet.

Unfall im ersten Pferderennen

Nach seiner Kindheit auf der Rennbahn machte er ein Schülerpraktikum beim Trainer-Fahrer Thomas Feldhahn. „Ich hatte Glück, denn so habe ich nicht nur das Fahren gelernt, sondern das komplette Programm: Vom Training über das Boxen ausmisten bis zur Pferdepflege.

Sein erstes Rennen mit 17 Jahren auf der Trabrennbahn Karlshorst endete aber im Desaster. „Mein Pferd ist im Schlussbogen angaloppiert und der Hintermann fuhr mit seinem Wagen in mich rein“. Beide Sulkys kippten um. Zum Glück blieben Menschen und Tiere unverletzt.

Laaser machte trotzdem die Lizenz zum Amateurfahrer und trat bisher in rund 80 Rennen an. Weil er ständig in Mariendorf zugegen war, sprach ihn 2015 der damalige Bahn-Moderator Christoph Pellander an.

Der Kölner Medienprofi von der ARD wollte nicht mehr alle zwei Wochen nach Berlin pendeln und arbeitete Laaser ein. „Am Anfang hab ich bei der Moderation so gezittert, dass ich mich am Tisch festhalten musste“, gesteht Laaser, der mit seiner Familie nach Groß Ziethen (Dahme-Spreewald), rund zehn Auto-Kilometer von der Rennbahn entfernt, gezogen ist.

Mini-Traber-Schule auf der Trabrennbahn

Inzwischen ist er Profi und seit Ende 2020 Hauptmoderator. Er kümmert sich auch um Internetauftritt, Sponsoren und Pferdebesitzer.

Als Ausgleich zum stressigen Leben fährt er gerne mit seiner Tochter zur Trabrennbahn Karlshorst, wo es eine Mini-Traber-Fahrschule gibt. „Wir haben für ein Pony namens Gauner die Patenschaft übernommen. „Das Training macht mir, glaube ich, noch mehr Spaß als meiner Tochter“, sagt der Familienvater lachend.

Seine Biografie ist typisch für die Rennbahn in Mariendorf, an der schon so viele Menschen „irgendwie hängen“ geblieben sind und seitdem mit Herzblut und Leidenschaft den Laden teilweise auch ehrenamtlich am Laufen halten.

Traber in brandenburgischen Ställen

Das ist nicht immer einfach, denn nachdem viele Pferdebesitzer ihre Tiere nach dem Mauerfall in brandenburgischen Ställen untergebracht hatten, ging es mit der Hauptstadt-Rennbahn bergab.„Heute kann jeder bequem von zu Hause die Rennen streamen und online wetten.“ Laaser findet das durchaus legitim, denn auch diese Einnahmen kommen der Rennbahn zugute.

Doch Streams könnten nicht das Gefühl vor Ort ersetzen, weiß er. Das Rennfieber wird besonders stark, wenn sich die Pferde nach dem Schlussbogen im Endspurt auf mehrere Bahnen verteilen und Pferdebesitzer und Wetter vor Aufregung und Anspannung quasi aus dem Anzug hüpfen und ihr Pferd lautstark anfeuern.

Wenn dann Glück und Pech, Gewinn und Verlust manchmal nur eine Kopflänge voneinander entfernt liegen, dann bekommt Nicolai Laaser auch nach 35 Jahren auf der Rennbahn immer noch Gänsehaut.