Unfall in Eichwalde
: Crash in Dönerladen – was wirklich dahinter steckt

In Eichwalde ist eine Frau mit einem SUV in einen Imbiss gekracht. Nun ist klar: Es war kein medizinischer Notfall, die 73-Jährige hat wohl einen schwerwiegenden Fahrfehler gemacht.
Von
Till Eichenauer,
Christian Heinig
Eichwalde
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Der SUV einer 73-Jährigen an der Mauer eines Döner-Ladens in Eichwalde. Die Polizei hat auch einen Drogen- und Medikamententest durchgeführt.

Der SUV einer 73-Jährigen an der Mauer eines Dönerladens in Eichwalde. Die Polizei hat auch einen Drogen- und Medikamententest durchgeführt.

Feuerwehr Eichwalde
  • 73-Jährige krachte mit SUV in Dönerladen in Eichwalde – kein medizinischer Notfall festgestellt.
  • Unfall beim Einparken: Gas- und Bremspedal vermutlich verwechselt, Alkohol- und Drogentest negativ.
  • Bürgermeister prüft zusätzliche Poller zur Erhöhung der Sicherheit in der Bahnhofstraße.
  • Schaden an Haus und Fahrzeug auf 30.000 Euro geschätzt, Fassade nur leicht beschädigt.
  • Experten: Ältere Menschen verwechseln häufiger Pedale, keine verpflichtenden Fahrtests in Deutschland.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Freitag vor einer Woche (27.6.) ist eine Frau mit ihrem Auto frontal in einen Imbiss am Bahnhof in Eichwalde (Dahme-Spreewald) gefahren. Das Fahrzeug fuhr dabei über den Bordstein, knickte das Schild eines Behindertenparkplatzes um und krachte in die Fassade eines Hauses in der Bahnhofstraße. Genau zwischen die Eingangstüren eines Dönerladens und von „Marios Eiscafe“.

In einer ersten Meldung war zunächst von einem „medizinischen Notfall“ die Rede, der zu dem Unfall geführt habe. So hatte die MAZ unter Berufung auf die Polizei berichtet. Dieser Verdacht hat sich jedoch nicht bestätigt.

Auf erneute Anfrage teilte die zuständige Polizeidirektion Süd nun mit: „Die Vermutung eines medizinischen Notfalls wurde uns gegenüber geäußert. Das haben wir mittlerweile überprüft, aber konnten im Nachhinein keinen Notfall feststellen“, sagte ein Sprecher. Die 73-jährige Fahrerin, wohnhaft in der Region, wurde nach dem Unfall von der Polizei als leicht verletzt bezeichnet. Das sei jedoch nicht auf äußere Verletzungen oder auf einen medizinischen Notfall, sondern auf den Schock zurückzuführen, den sie bei dem Unfall erlitten hat, so die Polizei.

Unfall in Eichwalde: Gas und Bremse verwechselt

Der Unfall soll laut den Ermittlungen beim Einparken passiert sein. „Vermutlich hat die Frau dabei Gaspedal und Bremse verwechselt oder ist abgerutscht“, sagte ein Polizeisprecher gegenüber MOZ.de. Altersbedingte Einschränkungen seien bei der Seniorin nicht festgestellt worden. Auch ein Alkohol- und Drogentest verlief negativ. Es habe auch keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung durch Medikamente gegeben.

Der Unfall in Eichwalde ereignete sich laut Polizei um 10.50 Uhr – zehn Minuten, bevor der Dönerladen geöffnet hätte. Vor dem benachbarten Eisladen stehen im Sommer oft lange Schlange. Zu einem späteren Zeitpunkt hätte der Unfall deutlich schlimmere Folgen haben können.

Eichwaldes Bürgermeister sorgt sich wegen des Unfalls um die Sicherheit der Bürger in der Bahnhofstraße. „Bereits vor einigen Jahren gab es in diesem Bereich zwei Unfälle, deshalb haben wir Anfang des Jahres vier Betonpoller zwischen den Parkplätzen und dem Gehweg aufgestellt“, sagt Jörg Jenoch. Damit solle verhindert werden, dass Fahrzeuge unkontrolliert auf den Gehweg geraten – „insbesondere, da sich direkt dort der Eisladen befindet, an dem häufig viele Kinder stehen.“

Bahnhofstraße in Eichwalde: Poller werden immer wieder angefahren

Die 73-jährige Seniorin sei jedoch durch die schmalen Abstände der Poller hindurchgefahren, so der Bürgermeister. „Daher schauen wir aktuell, ob ein fünfter Poller aufgestellt werden sollte oder ob die bestehenden Poller versetzt werden müssen.“ Dass die Poller einen Zweck erfüllen, zeige sich daran, dass der Betriebshof sie regelmäßig reparieren müsse, weil sie offenbar immer wieder angefahren werden, so der Bürgermeister von Eichwalde. „Wir sehen hier noch Optimierungsbedarf und werden weitere Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit zu gewährleisten“.

Die Feuerwehr Eichwalde entfernt den Rest eines Straßenschildes, das bei dem Unfall umgefahren wurde.

Die Feuerwehr Eichwalde entfernt den Rest eines Straßenschildes für einen Behindertenparkplatz, das bei dem Unfall umgefahren wurde.

Feuerwehr Eichwalde

Die Hausfassade des Gebäudes am Eichwalder Bahnhof wurde bei dem Unfall laut Polizei nur leicht beschädigt. Die gesamte Schadensumme an Haus und Auto wird auf 30.000 Euro geschätzt.

Expertin: Ältere Menschen verwechseln Pedale häufiger

Autounfälle mit Pedalverwechslung sind keine Seltenheit. Laut Experten steigt die Zahl, besonders bei älteren Menschen. Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer (UDV), erklärte gegenüber dem Spiegel, dass zwar auch jüngere Menschen gelegentlich die Pedale verwechseln, ältere Fehler jedoch oft langsamer reagieren und den Fehler korrigieren. „Die kognitiven Fähigkeiten schwinden sukzessive“, so Zeidler. Demnach steige ab einem Alter von 75 Jahren die Schwere der Unfälle mit Seniorenbeteiligung deutlich an.

Gesetzlich vorgeschriebene Fahrprüfungen oder Gesundheitstests gibt es in Deutschland bislang nicht – anders als in anderen europäischen Ländern. In der Schweiz ist es ab 75 Jahren Pflicht, sich einer Fahr­tüchtig­keits­prüfung beim Hausarzt zu unterziehen. In Niederlanden ist ein Gesundheitstest ab 70 Jahren regelmäßig fällig, in Spanien ab 65 und in Italien sogar schon ab 50 Jahren. Eine EU-weitere Regelung stand 2024 zur Debatte, kam aber nicht zustande.