Ungelöster Mord in Spandau: Frau vor über 35 Jahren im Wald ermordet ‒ neue Hinweise

1988 wurde im Stadtforst Spandau die Leiche einer Frau gefunden. Ihr Gesicht wurde später anhand des Schädels rekonstruiert. Bis heute ist die Identität der Frau nicht geklärt. Doch es gibt neue Hinweise zu dem Mord.
LKA BerlinWas war geschehen im Spandauer Forst vor über 35 Jahren? Waldarbeiter machten im November 1988 in unmittelbarer Nähe zur heute beliebten Badestelle Bürgerablage einen grausigen Fund. Von Wild freigelegt, kam eine bereits skelettierte Frauenleiche zum Vorschein, die rund ein Jahr zuvor, also 1987 im Wald vergraben wurde.
Wie die damalige Polizei, tappen die Behörden noch heute im Dunklen, wer der oder die Täter sind und vor allem, wer das Opfer gewesen sein mag. Mit einer internationalen Kampagne und der Sendung „Akte XY … Ungelöst“ hoffen die Beamten seit 2023 auf Hinweise, um die ermordete Frau identifizieren und wenigstens ihren Namen in Erfahrung bringen zu können. Haben sich bereits Menschen gemeldet?
War tote Frau aus Spandau Sexarbeiterin?
In Deutschland wurden 2023 insgesamt 1842 Menschen getötet. Hinzu kommen 214 Morde. Während die Zahl der Opfer von Totschlag in den letzten zehn Jahren leicht gestiegen ist, nahm die Mordrate seit 2000 deutlich ab. Zum Zeitpunkt, als die unbekannte Frau vom Spandauer Forst ihrem Mörder oder ihrer Mörderin zum Opfer fiel, also 1987, lag die Mordrate in der Bundesrepublik und Westberlin zusammengenommen noch bei 970 Fällen, die Zahlen für Totschlag hingegen bei 1662 Fällen.
Im Fall der unbekannten Frau aus dem Spandauer Forst spricht die Berliner Polizei von einem Mordopfer, das mutmaßlich mit Seilen, die dem Opfer noch um den Hals hingen, erdrosselt wurde. Mehrere Hinweise deuten darauf hin, dass die Frau als Sexarbeiterin tätig war und Drogen konsumierte.
So fanden die Ermittler damals in ihrer Tasche einen Zettel, der auf das Gesundheitsamt Schöneberg verweist und scheinbar aus der Beratungsstelle für Geschlechtskrankheiten stammt. Zudem wurde ein weiß-gräuliches Pulver sichergestellte, bei dem es sich um Ascorbinsäure handelt, welches zum Aufkochen von Heroin genutzt wird.
Die Ermittler vermuteten damals, dass der oder die Täter das Opfer in ein Gebäude lockten und dort mit den Kunststoffseilen, wie sie im Wassersport üblich sind, erdrosselten. Aufgrund von toten Fliegenlarven im Kopf des Opfers gehen die Beamten davon aus, dass der Leichnam noch ein oder zwei Tage im Freien lag.
Polizei findet persönliche Gegenstände der Toten
Vom nicht näher bestimmten Tatort wurde die Leiche in einem Jutesack zum Spandauer Forst transportiert, vermutlich in einem Wagen. Vom nächstgelegenen Parkplatz zum Fundort sind es 70 Meter, wobei der Zaun einer Waldschonung überwunden werden musste. Damals verlief kaum 100 Meter nördlich des Fundortes die Grenze zwischen West-Berlin und der DDR.
Die tote Frau wurde gefunden, da ein Wildtier, vermutlich ein Fuchs, an der Stelle gegraben und Teile der skelettierten Leiche freigelegt hatte. Neben den Knochen, den beiden Kunststoffseilen und dem Jutesack wurden eine digitale Armbanduhr der Marke JUTA (Gravur: 22 9 82), zwei Ohrringe und die Bekleidung des Opfers gefunden. Was die Gravur bedeutet, beispielsweise ein Datum, ist nach wie vor ungeklärt. Die Polizei schätzt das Alter der Frau auf 22 bis 35 Jahre. Sie trug ihr blondes Haar kurz geschnitten und war von schlanker Statur.
Während der Fall bereits 1998 erstmals bei „Akte XY... Ungelöst“ besprochen wurde, wendete sich die Berliner Polizei vergangenes Jahr erneut an das ZDF-Format. In dem rund zehnminütigen Beitrag wird der Fall detailliert vorgestellt und um Mithilfe der Zuschauer gebeten. Die Sendung gibt an, dass 40 Prozent der ausgestrahlten Fälle in der Vergangenheit gelöst werden konnten.
Der Spandauer-Fall bei Akte XY... Ungelöst
Mittlerweile ist der Fall auch Teil einer internationalen Kampagne zur Identifikation unbekannter weiblicher Mordopfer. Gemeinsam mit belgischen und niederländischen Kollegen startete das Bundeskriminalamt die Kampagne Identify Me (Identifiziere mich), bei der Bürger und Bürgerinnen aufgerufen sind, Hinweise an die entsprechenden Stellen zu geben, sofern ihnen etwas über den Fall bekannt ist.
Unterstützt wird die Kampagne unter anderem von der ehemaligen Boxerin Regina Halmich, der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein sowie aus den Niederlanden von der Game-of-Thrones-Darstellerin Carice van Houten und weiteren Akteuren aus der niederländischen und belgischen Musikszene.

Das LKA Berlin hat das Gesicht der bisher unbekannten toten Frau, die 1988 in Spandau gefunden wurde, rekonstruiert. Sie hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, wer die Frau sein könnte.
LKA BerlinDoch was haben die Sendung beim ZDF und die Kampagne im Falle der unbekannten Toten bisher gebracht? Seit der Sendung vom 13. September 2023 kamen keine Hinweise bei der Polizei ein, die neue Erkenntnisse im Fall gebracht hätten. Anders verfällt es sich bei der Kampagne Identify me.
Polizei erhält 222 neue Hinweise zum Mord-Fall
So teilt die Pressestelle der Berliner Polizei auf Nachfrage mit, dass es „seit der erneuten Veröffentlichung des Falls im Rahmen der Kampagne insgesamt 222 Hinweise“ gegeben habe. Sie beziehen sich vorwiegend auf die Gravur auf der Rückseite der Armbanduhr, auf die Seile und die Knoten (Tatwerkzeug). Bezüge gibt es zudem zum Milieu, aus dem das Opfer gestammt haben könnte. Die Identifikation des Opfers stehe jedoch noch immer aus.

