Verbraucherschutz
: Verbraucherzentrale Brandenburg wird 30 Jahre alt

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hilft seit 30 Jahren Bürgern in vielen Fragen.
Von
Kerstin Bechly
Potsdam
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  • Die Verbraucherzentrale Brandenburg wird 30 Jahre alt. (Symbolfoto)

    Die Verbraucherzentrale Brandenburg wird 30 Jahre alt. (Symbolfoto)

    Nestor Bachmann/dpa
  • Pressesprecherin Lisa Högden hat sich selbst schon beraten lassen.

    Pressesprecherin Lisa Högden hat sich selbst schon beraten lassen.

    André Wagenzik
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Update: Die Verbraucherberatungsstellen bleiben ab Montag, 16. März, bis voraussichtlich 19. April geschlossen. Die Verbraucherzentrale Brandenburg bietet eine E-Mail-Beratung an. 

Auf die Anfangsjahre, aktuelle Fragen der Verbraucher und spezielle Kurse blickt Pressesprecherin Lisa Högden.

Frau Högden, haben Sie sich schon einmal mit einem Anliegen an Ihre Kollegen gewandt?

Ja, das habe ich tatsächlich, als ich meine Altersvorsorge geplant habe. Da habe ich unseren Finanzexperten gefragt, ob er das empfehlen kann, was ich mir herausgesucht habe.

Zu welchen Themen können sich die Verbraucher am Sonntag in Frankfurt (Oder), Eberswalde, Potsdam und Cottbus beraten lassen?

Zuerst einmal: Weil wir Einzelgespräche führen, findet die Beratung trotz Corona statt, vorbehaltlich gegebenenfalls behördlich angeordneter Schließungen, wovon zuerst Eberswalde betroffen wäre. Wir würden auf unserer Homepage informieren.

Wir beraten zu Problemen mit allen Verträgen, die Verbraucher mit Unternehmen geschlossen haben: von Telefon-  bis  hin zu Energieverträgen und Haustürgeschäften. Zurzeit gibt es natürlich viele Fragen zu Reisestornierungen. In der deutsch-polnischen Beratung in Frankfurt (Oder) sind Fragen zum Mieten von Ferienhäusern und Einkäufen in Polen sowie Verträge mit Handwerkern des Nachbarlandes häufig.

Wie sieht es mit Fragen rund um Finanzen und Versicherung aus?

Das ist ein Spezialthema, bei dem wir den Verbrauchern eine unabhängige Beratung ermöglichen. Unsere Mitarbeiter gehen sehr flexibel auf die Wünsche der Ratsuchenden ein, zum Beispiel beim Thema Altersvorsorge. Manche Verbraucher kommen mit konkreten Vorstellungen oder wollen bestehende Verträge auf den Prüfstand stellen, andere lassen sich allgemein beraten.

Ein Blick zurück in die Anfangsjahre. Nach der Wende waren die Menschen im Osten mit teils aggressiven Haustürgeschäften und Kaffeefahrten überfordert. Die klassischen Verkäufermaschen waren die ersten Themen für Verbraucherschützer ...

Für meine Kollegen, die damals mit der Verbraucherberatung gestartet sind, war das eine spannende Zeit. Sie hatten anfangs nur einen kleinen Wissensvorsprung. Brandenburg war damals das Patenkind der Verbraucherschützer aus Nordrhein-Westfalen. Kaum hatten unsere Mitarbeiter etwas Neues gelernt, kamen die Verbraucher mit Fragen zu diesen Themen. 1993 gab es zum Beispiel Veranstaltungen zum Ladenschlussgesetz, ein Jahr später haben wir ein Beratungsangebot zum Computerkauf geschaffen, 1998 ein Expertentelefon zur Euro-Einführung eingerichtet.

In den vergangenen Jahrzehnten haben wir umfangreiches Wissen aufgebaut, unsere derzeit rund 50 Mitarbeiter sind heute Experten für Verbraucherrecht, Finanzdienstleistungen, Bildung und vieles mehr. Sie beraten in den drei großen Zentren, sieben weiteren Beratungsstellen sowie im Digimobil an 18 Standorten per Videochat. Energieberatungsstützpunkte gibt es an über 30 Standorten. Zusätzlich mahnen wir Firmen ab und ziehen für die Rechte der Verbraucher auch vor Gericht.

Was hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert?

Mit der Digitalisierung haben sich Informationswege sehr verändert. Wir bieten mittlerweile sehr viele Informationen im Internet an und regen die Verbraucher so zur Hilfe durch Selbsthilfe an. Viele nehmen diese Angebote an, probieren unsere Empfehlungen und Musterbriefe aus. Wenn sich Unternehmen stur stellen oder die Probleme komplexer werden, dann kommen die Verbraucher zu uns in die persönliche Beratung.

Im März hat in Eberswalde das Kursangebot „Auskommen mit dem Einkommen“ begonnen. Die Kurse gibt es seit 2007, in diesem Jahr in acht Orten. Was ist deren Anliegen?

Wir wollen in Kooperation mit Trägern wie Lokalen Bündnisse für Familie, Netzwerken Gesunde Kinder, Mehrgenerationenhäusern und Volkshochschulen Familien und Alleinerziehende erreichen, die das Gefühl haben, den Überblick über ihr Einkommen und Auskommen zu verlieren und ihnen helfen, Kostenfallen zu entdecken. Da geht es um Budgetplanung, Tipps für Telefon und Internet, günstiges und gesundes Ernähren, Strom- und Heizkosten, Versicherung. Wir wissen aus der Erfahrung, dass man einiges aus den Verträgen herausholen und im Alltag ändern kann. Die Teilnehmer erfahren, dass man schon weit kommt, wenn man sein Verbraucherverhalten auf den Prüfstand stellt. Es geht nicht um Verzicht, sondern darum, das Mögliche herauszuholen und dass das Leben lebenswert bleibt.

Besondere Beratungsthemen

Am Sonntag die vier Beratungsstellen von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Beraten wird zu den Themen Verträge & Reklamation, Telefon, Rundfunk & Internet, Reise & Freizeit. In Eberswalde zusätzlich zu Ernährung, in Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam überdies zu Finanzen & Versicherung und in Frankfurt außerdem zu deutsch-polnischen Verbraucherangelegenheiten.

Das Kursangebot "Auskommen mit dem Einkommen" läuft noch bis Ende März beim Nestor Bildungsinstitut GmbH Eberswalde. In Frankfurt (Oder) beginnt die fünfteilige Reihe am 27. Mai im Eltern-Kind-Zentrum Nord der Volkshochschule. Informationen und eine Broschüre zum Thema sind unter www.verbraucherzentrale-brandenburg.de (Stichwortsuche: Auskommen) zu finden.⇥keb