Verkehr in Berlin-Spandau: Abriss der Schulenburgbrücke – wird es eine Ersatzbrücke geben?

Die denkmalgeschützte Schulenburgbrücke soll abgerissen und neu gebaut werden. Damit wäre eine wichtige Havelquerung eine Zeit lang nicht mehr gegeben. Das hätte erhebliche Konsequenzen für viele Menschen und die Feuerwehr.
Jessica NeumayerDie Schulenburgbrücke verbindet die Stadtteile Wilhelmstadt und Stresow. Zugleich ist sie aus westlicher Richtung die Verbindung zum Südhafen Spandau, Berlins zweitgrößtem Hafen. Die Sperrung dieser Brücke bedeutet Umwege für alle, die beispielsweise aus Wilhelmstadt nach Ruhleben müssen. Das hat unter anderem Konsequenzen für die Rettungswege der in unmittelbarer Nähe liegenden Wache der Feuerwehr, aber auch für den öffentlichen Nahverkehr.
Die inzwischen 115 Jahre alte Brücke muss erneuert werden. Schon 2008 ergaben statische Berechnungen, dass die knapp 80 Meter lange Brücke keine ausreichende Tragfähigkeit mehr hat. Daher wurde die Traglast von ehemals 30 auf maximal 18 Tonnen beschränkt. Treppen, die an die Brücke angrenzen, sind sogar so baufällig, dass sie komplett gesperrt sind.
Ersatzneubau ist ein Teil des Projekts Ausbau Südhafen
Die Brücke ist Teil des Bau-Projekts zur Erweiterung des Südhafens Spandau. Für einen stadtverträglicheren Güterverkehr wird unter anderem die Durchfahrtshöhe angehoben, um Schiffen ein besseres Durchkommen zu ermöglichen.
Ganz einfach ist dieses Vorhaben jedoch nicht umzusetzen, da die Brücke unter Denkmalschutz steht. Die Senatsverwaltung für Verkehr informiert, dass die Untere Denkmalschutzbehörde dem Bezirk Spandau 2021 die Genehmigung für einen Abriss erteilt hat. Das erfolgte unter Auflagen. Die neue Brücke muss der Architektur ihres Vorgängers entsprechen und ebenfalls eine Bogenbrücke sein.
Umwege für die Feuerwehr
Bei der Planung scheint ein Problem bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten zu haben: Wie wird der Alltagsverkehr während der Zeit der Brückensperrung bewältigt? Bei einer Informationsveranstaltung im November 2023 konnten noch keine Aussagen getroffen werden, was passiert, wenn die Brücke für den Bau gesperrt wird. Dabei ist die Havelquerung eine wichtige Verbindung zwischen Wilhelmstadt und Stresow.
Werktags fahren laut Zählungen der Senatsverwaltung für Verkehr aus dem Jahr 2019 bis zu 12.800 Fahrzeuge über die Brücke. Damals wurde ein weiterer Anstieg bis 2021 auf 14.000 Kfz pro Tag prognostiziert. Bei einer Sperrung der Brücke müsste dieser Verkehr einen Umweg über die Dischingerbrücke fahren. Der Umweg würde auch die Buslinie 131 betreffen. Ebenso würden sich die Rettungswege der Feuerwehr aus der Feuerwache in der Betckestraße verlängern.

Die Schulenburgbrücke wurde 1909 gebaut. Schon 2008 wurde bei statischen Nachberechnungen festgestellt, dass die Tragfähigkeit nicht mehr ausreicht. Seither dürfen sie Fahrzeuge mit mehr als 18 Tonnen Gewicht nicht mehr passieren.
Jessica NeumayerDer Rettungsweg von der Wache bis zur Ruhlebenerstraße ist derzeit einen knappen Kilometer lang. Der Umweg über die Dischingerbrücke würde die Strecke um das Dreifache verlängern. Die angestrebten Hilfsfristen in der technischen und medizinischen Gefahrenabwehr könnten „in ungünstigen Konstellationen“ in weniger Fällen als bisher eingehalten werden, teilt die Pressestelle der Feuerwehr zu möglichen Zeitverlusten bei Rettungseinsätzen mit.
Dieser Zustand konnte nicht unbeachtet bleiben. In einer Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen wurde das Bezirksamt aufgefordert, sich für eine Behelfsbrücke für die Zeit des Baus einzusetzen. „Die Schulenburgbrücke ist eine wichtige Verbindung zwischen der Wilhelmstadt und Ruhleben“, sagt der Fraktionsvorsitzende Christoph Sonnenberg-Westeson, gerade auch in Bezug auf die Buslinie 131 sowie die Rettungswege der Feuerwehr. „Im schon mehrfach aufgetretenen Fall einer zeitweiligen Sperrung der Freybrücke ist sie die am nächsten gelegene Umleitung für Nutzerinnen und Nutzer der Heerstraße.“
In der jüngsten Ausschusssitzung (13.02.) teilte Bezirksstadtrat Thorsten Schatz mit, dass er hierzu in Kontakt mit den Abteilungsleitungen der Senatsverwaltung sei. „Es war von Anfang an klar, dass uns ein Ersatzbau als Bezirk wichtig ist“, sagte Schatz und verkündete: „Wir können mit zunehmender Sicherheit sagen, dass die Ersatzbrücke kommt.“ Laut Schatz soll dies 2026 geschehen. „Wir sind erleichtert über die Aussage des Stadtrates und begrüßen den angekündigten Behelfsbau sehr“, sagt Sonnenberg-Westeson über die Ankündigung.
Bisheriger Planungsstand zum Brückenbau
Der bisherige Planungsstand von November 2023 sieht zudem vor, dass es neben der neuen Brücke künftig auf beiden Seiten getrennte Rad- und Gehwege geben soll. Dafür wird die Breite der Fahrbahnen beim Neubau geringer ausfallen. Im Zuge des Umbaus wird auch die Schulenburgstraße bis zur Ruhlebener Straße umgestaltet. Die bisher unübersichtlichen Kreuzungen sollen so gestaltet werden, dass die Gefahr von Unfällen sinkt.
Wann die endgültige Planung vorliegt und mit dem Neubau begonnen werden kann, ist noch offen. „Konkrete Angaben zum Bau können erst nach Abschluss der weiteren Planung erfolgen“, heißt es dazu seitens der Senatsverwaltung. Die Fertigstellung der Schulenburgbrücke sei voraussichtlich für Ende 2029 geplant.

