Verkehr: Volkswagen will mit WeShare sein Image rein waschen

Neues Angebot: Mit WeShare bietet Volkswagen in Berlin 1500 E-Golfs zum Verleih an. Damit will der Autobauer seine elektrisch betriebenen Fahrzeuge attraktiver machen.
Volkswagen AG1500 Autos zum Teilen sausen ab heute durch die Straßen Berlins, bald sollen Prag und Hamburg folgen. Das Besondere: Die Golfs sind elektrisch betrieben. Mit ihrem Einstieg in die Sharing-Branche sind die Wolfsburger spät dran. Daimler und BMW sind schon längst im umkämpften Markt aktiv und haben sich jüngst zusammengeschlossen, um noch schlagkräftiger zu werden. Nicht nur die Konkurrenz wird es VW schwer machen, das Unternehmen ist auch mit praktischen Problemen konfrontiert.
VW verfolgt mit dem neuen Angebot zwei Ziele. Zum einen will der Konzern sich nach den Diesel-Betrügereien ein neues, sauberes Image verpassen. Nach dem Motto: Die Vergangenheit ist vergessen, statt auf Diesel-Stinker setzen wir nun auf grüne Stromer. Zum zweiten geht es dem Unternehmen darum, den Absatzmarkt für neue E-Mobile anzukurbeln. Bisher können Kunden das allererste ausschließlich für Elektromobilität entwickelte VW-Modell, den ID, im Internet bestellen. Ab Mitte 2020 soll er deutsche Straßen bevölkern. Dann soll auch der Sharing-Dienst mit dem Modell bestückt werden. Das Teilen von Autos als Werbemittel – kann das funktionieren?
Die Wolfsburger rechnen mit einer sechsstelligen Kundenzahl innerhalb kurzer Zeit. Das wird jedoch schwierig auf dem umkämpften Berliner Sharing-Markt: Der Zusammenschluss von Drive-Now (BMW) und Car-2-Go (Daimler) bringt zusammen 2600 Fahrzeuge in die Hauptstadt, zweitgrößter Konkurrent ist Sixt mit 1000 Autos. Außerdem tummeln sich kleinere Anbieter in der Stadt. Hinzu kommen digitale Sammeltaxis wie der Berlkönig oder Clevershuttle, die sich einen immer größeren Nutzerkreis erschließen und als Alternative zum Öffentlichen Nahverkehr wahrgenommen werden. Dennoch ist Christian Senger, Markenvorstand für Digital Car & Services, optimistisch: „Wir wollen kein Nischenanbieter sein und erwarten nach ein paar Jahren, mit WeShare Geld zu verdienen.“
Damit das klappt, ist jedoch nicht nur eine offensive Preisgestaltung notwendig. Eine rein elektrisch betriebene Flotte benötigt auch eine breite Ladeinfrastruktur. Die 800 Säulen im Stadtgebiet müssen sich die VW-Autos mit privaten sowie anderen Sharing-Pkw teilen. Häufig sind diese zugeparkt von Verbrennern, berichten andere Anbieter. Deshalb setzt VW auf Kooperationen. Die Schwesterunternehmen Lidl und Kaufland werden bis zu 140 neue Punkte an 60 Filialen errichten – größtenteils sind es Schnelllader mit 50 Kilowatt Leistung. Die benötigen 45 Minuten, um die Batterie nahezu vollständig aufzuladen. In der Zeit können die Kunden einkaufen – und sich Päckchen ins Auto schicken lassen. Letzteres ist aber noch Zukunftsmusik.
Neue Mobilitätsanbieter und der ländliche Raum
Sharing-Angebote werden in Metropolen genutzt, in den großen Städten. Das wird in absehbarer Zeit auch so bleiben, machen die VW-Chefs deutlich. Die ländlichen Regionen sind und bleiben Hoheitsgebiet des privaten Autos. "Bisher hat noch kein Sharing-Anbieter ein Rezept gefunden, im ländlichen Raum wirtschaftlich zu sein", erläutert VW-Markenvorstand Senger. Erst wenn Privatfahrzeuge als Sharing-Modelle immer mehr genutzt werden, könnten auch große Automobilkonzerne nachziehen und in die ländlichen Räume gehen. Vorher aber nicht, macht Senger deutlich. Denn es würde sich finanziell nicht lohnen. ⇥dot
