Seit Anfang Oktober hat die Europa-Universität Viadrina keine Präsidentin mehr. Denn Julia von Blumenthal wurde verabschiedet und ist seit diesem Semester Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin. Der ursprüngliche Kandidat – der Historiker Philipp Ther – den die Findungskommission im Sommer vorgeschlagen hatte, hatte jedoch Ende August wieder abgesagt.
Die Geschäfte der Europa-Universität in Frankfurt (Oder) hat interimsmäßig die erste Vize-Präsidentin der Viadrina Prof. Dr. Eva Kocher übernommen. Kocher war es auch, die bei der Pressekonferenz zum Semesterstart nun den Namen eines neuen Kandidaten nannte, der künftig an der Spitze der Europa-Universität stehen könnte.
Demnach hat sich die Findungskommission auf einen Kandidaten geeinigt, der am 2. November von der Wahlversammlung, bestehend aus Mitglieder von Senat und Stiftungsrat, gewählt werden soll: der Osteuropa-Historiker Prof. Dr. Eduard Mühle.
Der Mittel- und Osteuropahistoriker Eduard Mühle könnte der künftige Präsident der Viadrina werden.
Der Mittel- und Osteuropahistoriker Eduard Mühle könnte der künftige Präsident der Viadrina werden.
© Foto: privat/Eduard Mühle

Kandidat spricht Polnisch

Der 65-Jährige ist seit 2004 Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) für die Geschichte Ostmittel- und Osteuropas und befasste sich vor allem mit dem Mittelalter. Zudem soll er die polnische Sprache beherrschen, was an der Viadrina unter anderem ein Pluspunkt ist, denn die wichtigste Partneruniversität ist die Adam-Mickiewicz-Universität in Posen. Gemeinsam betreiben beide Universitäten das Collegium Polonicum in Słubice.
Eduard Mühle studierte Geschichte, Slawistik, Philosophie und Theologie in Paderborn, Jerusalem, Münster und London und wurde nach Forschungsaufenthalten in Kyjiw, Leningrad, Novgorod und Moskau 1990 in Münster promoviert. Von 1995 bis 2005 war er Direktor des Leibniz-Instituts für Historische Ostmitteleuropaforschung (Herder-Institut) in Marburg. Von 2008 bis 2013 war er außerdem Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Warschau.

Auch neuer Kanzler wird gesucht

Der international vernetzte Historiker ist unter anderem Träger des Alexander von Humboldt-Forschungspreises der Stiftung für die polnische Wissenschaft und Ausländisches Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Als Gastprofessor und Senior Visiting Fellow lehrte und forschte er außerdem in Oxford, Cambridge, Princeton und Prag.
Schwerpunkte seiner Forschung waren zuletzt das mittelalterliche Polen, die Geschichte der Slawen und des Slawendiskurses, die deutsche neuzeitliche Wahrnehmung des europäischen Ostens sowie die Geschichte deutsch-polnischer Nachbarschaften.
Auch die Stelle des Kanzlers, der insbesondere für Verwaltung und Finanzen verantwortlich zeichnet, wird neu besetzt, denn Niels Helle-Meyer wechselt Ende des Jahres ebenfalls an die HU Berlin. Laut der geschäftsführenden Präsidentin Eva Kocher soll der Kanzler Mitte November gewählt werden.
Eine der größten Herausforderungen für die neue Uni-Spitze ist es, die Studierendenzahlen aus dem Tief zu holen. Derzeit sind rund 4600 Studierende an der Viadrina eingeschrieben. Da die Einschreibungen noch laufen, kann sich die Zahl in den kommenden Wochen zwar noch erhöhen. Unter der 5000-Marke lag die Universität aber schon in vorigen Semestern.