Währung: EU plant die Cent-Münzen abzuschaffen

Berlin: Die EU erwägt die Abschaffung der Centmünzen
Karlheinz Schindler/dpaWarum wird die EU aktiv? Weil laut Kommission immer mehr Euro-Staaten dazu übergegangen sind, Beträge beim Einkaufen auf volle fünf Cent runden zu lassen. Das spare die Herstellungskosten für die Kleinstmünzen, die Mühe beim Zählen sowie den Transport. Jährliche Umfragen hätten zudem gezeigt, „dass es in keinem Land mehr eine Mehrheit für die Beibehaltung dieser beiden Stückelungen gibt“. Laut EU benutzen viele Verbraucher die kleinen Münzen nur ungern zum Bezahlen. Stattdessen würden die Münzen „gehortet“. In Deutschland hatte sich in einer Umfrage 2011 noch eine Mehrheit für das Beibehalten der Ein- und Zwei-Cent-Stücke ausgesprochen. Inzwischen geben 60 Prozent an, dass sie darauf verzichten könnten.
Wird ohne die kleinen Münzen alles teurer? Das befürchtet Verbraucherschützer Pauli für den Fall, dass sämtliche Teilbeträge einer Rechnung aufgerundet würden. Ein Extrembeispiel wäre die Tankrechnung, die sich um bis zu drei Euro verteuern würde, wenn der Literpreis aufgerundet würde und nicht nur die Endrechnung. „Wichtig wäre außerdem, dass genauso auf- wie abgerundet wird“, betont Pauli. Bei unbarer Zahlung müsse an der bisherigen Regelung festgehalten werden. Eine Umfrage der Bundesbank ergab, dass die Mehrzahl der Handelsunternehmen wegen des psychologischen Effekts am liebsten bei den 99-Cent-Preisen bleiben würde. Eine kaufmännische Rundungsregel – mit Ab- beziehungsweise Aufrunden – hätte laut Bundesbank „nahezu keine Auswirkungen auf das Preisniveau“. Eine generelle Aufrundung würde „zu geringfügigen einmaligen Preiserhöhungen“ führen.
Ist der Plan der Anfang vom Ende des Bargelds? Das vermutet der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber, der sagt: „Was die EU vorhat, muss alle Alarmglocken schrillen lassen.“ Finanzexperte Pauli wendet sich ebenfalls gegen ein Abschaffen des Bargelds. „Zurzeit können Verbraucher zwischen der elektronischen Zahlweise und Bargeld wählen. Das soll auch so bleiben“, sagt er. Viele Verbraucher wollten am Bargeld festhalten – weil sie nicht abhängig von Dienstleistern und deren Technik sein wollen, weil sie sich davon einen besseren Überblick über ihr Budget versprechen und weil sie sparsam mit ihren Daten umgehen wollen.
Wie ist es in anderen Ländern? Unter anderem die Länder Italien, Irland und Finnland prägen keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr. Deren Geldstücke sind aber weiterhin in der Eurozone zugelassen. Auch in Belgien und den Niederlanden spielen die kleinen Cent-Stücke praktisch keine Rolle mehr.
Wie viele Cent-Stücke werden in Deutschland hergestellt? Laut Bundesfinanzministerium sind es pro Jahr rund 700 Millionen Ein-Cent-Stücke und 675 Millionen Zwei-Cent-Stücke. Dafür werden insgesamt 3500 Tonnen Stahl und gut 200 Tonnen Kupfer verwendet. Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, spricht deshalb von einer „riesigen Ressourcenverschwendung an wertvollen Metallen“. Hinzu kommt, dass das Prägen etwa der Ein-Cent-Münze 1,65 Cent kostet – für den Staat ein Verlustgeschäft.
36,7 Milliarden Ein-Cent-Münzen
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) waren bis Dezember 2019 rund 36,7 Milliarden Ein-Cent-Münzen und etwa 28,2 Milliarden Zwei-Cent-Münzen in der Euro-zone in Umlauf gebracht worden. Sie machen damit fast die Hälfte aller in Umlauf befindlichen Euro-Münzen im Wert von einem Cent bis zu zwei Euro aus. ⇥afp
