Welch fatale und zugleich segensreiche Bedeutung das Wetter annehmen kann, verdeutlichen die jüngsten Waldbrände in Beelitz und Treuenbrietzen. Sonnabend um die Mittagszeit habe es noch so ausgesehen, als ließe sich der Brand in Frohnsdorf bei Treuebrietzen eingrenzen. „Am Abend geriet die Situation außer Kontrolle“, rekapituliert Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel. Ähnlich verhielt es sich nur 20 Kilometer weiter entfernt in Beelitz. Durch den starken Wind breitete sich das Feuer in nur wenigen Stunden auf 100 Hektar aus.
Aber auf Hitze, Trockenheit und gefährlichem Wind folgte noch in der Nacht Abkühlung und ein verregneter Montag. „Wir hatten mehr Glück als Verstand. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, hätte die Trockenheit noch ein paar Tage angehalten.“ Vor vier Jahren fraß das Feuer bei Treuenbrietzen 350 Hektar Wald. 2022 liegt die Schadensfläche bei etwa der Hälfte. Doch es war nicht nur höhere Gewalt, die dem Feuer Einhalt gebot. Nach den Waldbrandjahren 2018 und 2019 wurde viel dazu gelernt und neue Technik eingesetzt.

Waldbrand in Beelitz und Treuenbrietzen – schlechter Empfang hindert Einsatzkräfte

Raimund Engel lobt die gestiegene Entschlusskraft: „Es wurde nicht lange gezögert bei Fragen der Evakuierung oder der Unterstützung bei der Brandbekämpfung aus der Luft.“ Zudem seien sehr früh die Brandschutzeinheiten aus den Landkreisen alarmiert worden. Auch Bundeswehr und Bundespolizei seien schnell zur Stelle gewesen sowie Hilfe aus den Ländern Sachsen-Anhalt und Berlin. Doch nicht alle Hürden wurden abgebaut. „Nach vier Jahren haben sich die Telekommunikationsverbindungen im Bereich Treuenbrietzen kein Stück verbessert“, so Engel. Das heißt, mitunter konnten sich die Feuerwehrmänner und -frauen nicht erreichen. „Das hat den Einsatz erschwert.“
Die mit Munition belasteten Böden stellten zudem eine zu große Gefahr für die Feuerwehrleute dar, weshalb sie bestimmte Gebiete nicht betreten konnten. „Der Schutz der Kameradinnen und Kameraden geht vor.“ In diese „explosiven“ Flächen konnten dann auch nicht die neuen Tanklöschfahrzeuge vorrücken, die eigentlich speziell zur Waldbrandbekämpfung eingesetzt werden sollen. 35 Kommunen haben mit finanzieller Förderung des Landes den TLF W BB bestellt, dessen Fahrgestell aus den Produktionshallen eines tschechischen Panzerwagen-Herstellers stammt.
In Treuenbrietzen kam eines der neuen Tanklöschfahrzeuge zum Einsatz. Das Gefährt ist speziell für den Einsatz bei Waldbränden gefertigt.
In Treuenbrietzen kam eines der neuen Tanklöschfahrzeuge zum Einsatz. Das Gefährt ist speziell für den Einsatz bei Waldbränden gefertigt.
© Foto: Paul Zinken/dpa

Nach dem Waldbrand ist vor dem Waldbrand?

Nun heißt es für Raimund Engel und seine Kollegen nach den Ursachen für die Brände zu forschen und die Einsätze weiter aufzuarbeiten. Allerdings ist der Waldbrandschutzbeauftragte nur vorsichtig optimistisch zur Lage in Potsdam-Mittelmark. Die Brände seien noch nicht vollständig gelöscht und schon ab Dienstag sollen die Temperaturen wieder nach oben klettern. Auch für die Gesamtsituation in Brandenburg kann er keine Entwarnung geben: „Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.“ Es sei erst Juni. Die kritischen Monate Juli und August stehen noch bevor. Die Voraussetzungen sind nach einem trockenen März und zu wenig Niederschlägen im April und Mai nicht günstig. „Die Böden sind ausgetrocknet.“
In welchen Regionen bei anhaltender Hitze und Trockenheit neben Potsdam-Mittelmark ebenfalls Waldbrände drohen, könne Engel schwer eingrenzen. Es gebe verschiedene Faktoren: Trockenheit, ein hoher Kiefernanteil im Wald, Verdacht auf Munitionsbelastung im Boden oder eine erhöhte Gefahr von fahrlässiger Brandstiftung in touristischeren Gegenden.
Eine große Rauchwolke stieg wegen eines Waldbrandes auf (Aufnahme mit Drohne).
Eine große Rauchwolke stieg wegen eines Waldbrandes auf (Aufnahme mit Drohne).
© Foto: Christian Guttmann/dpa

Landesforstminister von Brandenburg drängt auf Waldumbau

Landesforstminister Axel Vogel (Grüne) appellierte in einer Pressemitteilung an Erholungssuchende vorsichtig zu sein. „Die Waldbrandgefahr in den Brandenburger Wäldern bleibt aufgrund der trockenen Böden und den stark geschädigten Bäumen weiterhin hoch. Schon der kleinste Funken genügt, um einen Flächenbrand auszulösen, wie uns die aktuellen Brände vor Augen führen.“
Einsatzkräfte der Hilfsorganisation @fire legen Gegenfeuer, um eine weitere Ausbreitung des Waldbrandes zu verhindern und die Feuerwehr bei der Bekämpfung des Feuers zu unterstützen.
Einsatzkräfte der Hilfsorganisation @fire legen Gegenfeuer, um eine weitere Ausbreitung des Waldbrandes zu verhindern und die Feuerwehr bei der Bekämpfung des Feuers zu unterstützen.
© Foto: Cevin Dettlaff/dpa
In Hinblick auf die zunehmende Erderwärmung rechne er auch in kommenden Jahren mit Waldbränden, die großen Schaden wie in Potsdam-Mittelmark anrichten können. „Deshalb ist es dringend notwendig, den Waldumbau – von Kiefernmonokulturen hin zu klimastabilen Mischwäldern, die Wasser besser im Waldboden speichern können – voranzubringen. Hier brauchen wir noch mehr Einsatz, auch von den privaten und kommunalen Waldbesitzern.“
Vogel habe dem Landkreis Potsdam-Mittelmark nun Unterstützung dabei zugesagt, Waldbrandschneiden durch den Einsatz von Harvestern einzurichten.

Feuer bei Treuenbrietzen schadet HNE-Forschungsprojekt

Der Waldbrand bei Treuenbrietzen hat auch das Waldforschungsprojekt „Pyrophob“ getroffen. „Möglicherweise ist die Hälfte unserer Forschungsflächen von dem Feuer betroffen. Wir gehen aber davon aus, dass diese Flächen auch weiter erforscht werden“, sagte der Projektleiter Pierre Ibisch am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei es auch weiterhin herauszufinden, wie sich Wälder nach Bränden entwickeln. „Jetzt haben wir auf tragische Weise gelernt, dass es große Rückschläge geben kann“, so der Professor von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Das Feuer habe auch Messgeräte zerstört.
Das große Problem sei, dass Brandenburgs Wälder zu 70 Prozent aus hochentzündlichen Kiefernforsten bestehen. „Wir leben in Brandenburg auf einem Pulverfass“, so Ibisch. Die Situation sei dramatisch und man brauche eine deutlich effektivere Förderung der Waldentwicklung.
Ob die Temperaturen am Tag des Brandausbruchs für eine Selbstentzündung von in den Böden lagernder Munition ausreichend gewesen seien, sei fraglich. Es bestehe auch die Möglichkeit einer eventuell fahrlässigen Brandstiftung, so der Wissenschaftler. Das Projekt „Pyrophob“ selbst habe größere Mengen Munition geborgen. Manche Flächen seien jedoch zu stark belastet. „Auf diesen geriet das Feuer außer Kontrolle“, so Ibisch.
Das Forschungsprojekt „Pyrophob“ mit acht Partnern wurde nach großflächigen Bränden im Süden Brandenburgs in den vergangenen Jahren ins Leben gerufen. Erprobt werden unterschiedliche Methoden: Auf einigen Flächen wurden die verbrannten Bäume entfernt, der Boden gepflügt und junge Bäume gepflanzt. Auf anderen wurden Baumsamen verstreut. Manche Flächen wurden sich selbst überlassen und regenerieren sich unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen.
Das Untersuchungsgebiet im Süden Brandenburgs besteht aus zwei großen Flächen - Kiefernforsten östlich von Treuenbrietzen und nördlich von Jüterbog. Insgesamt haben sie eine Größe von etwa 65 Hektar. 2018 hatte es in Treuenbrietzen auf einer Fläche von etwa 400 Hektar gebrannt.