Produktrückruf
: Giftiges Cadmium in Kugelschreibern für Kinder

Die Handelskette „TEDi“ hat einen Produktrückruf veröffentlicht. Demnach wurden in Kugelschreibern erhöhte Cadmiumwerte nachgewiesen. Das Design der Stifte lässt Kinder, insbesondere junge Mädchen, als Zielgruppe vermuten.
Von
Nicole Züge
Frankfurt (Oder)
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Die Warenkette TEDi hat einen Produktrückruf veröffentlicht. Demnach ist in Kugelschreibern Cadmium nachgewiesen worden. Die Stifte wurden auch in Berlin und Brandenburg verkauft. (Symbolbild)

Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Gedankenverloren am Kugelschreiber kauen — das sollte eigentlich kein Problem sein, wenn man mal vom Geschmack absieht. Allerdings trifft das nicht auf alle Stifte zu: Der Hersteller TEDi ruft derzeit Kugelschreiber zurück, in denen erhöhte Cadmiumwerte nachgewiesen wurden. Das toxische Schwermetall ist gesundheitsschädlich, die Verwendung seit 2011 für viele Herstellungsprozesse verboten.

Die betroffenen Kugelschreiber wurden bis Oktober 2023 auch in Berlin und Brandenburg verkauft.

  • Welche Produkte sind vom TEDi–Produktrückruf betroffen?
  • Was müssen Betroffene nun tun?
  • Die Gefahr von Cadmium — Darum wurde der Rückruf veröffentlicht
  • Der Produktrückruf als PDF

Glänzend und mit Bommel: Diese Stifte betrifft der TEDi–Rückruf

Die Stifte der Marke „einhorn“ sind allesamt gold– oder silberglänzend und mit einem Kunstfell–Bommel in rosa, türkis oder grau versehen. Die glänzenden Stifte scheinen, das lässt das Design vermuten, vor allem junge Mädchen als Zielgruppe im Fokus zu haben.

Verkauft wurden die Kugelschreiber zwischen bis Ende 2023. Sie könnten also noch unter dem einen oder anderen Weihnachtsbaum gelandet sein.

Ein Bild der Kugelschreiber finden Sie im angehängten PDF–Dokument, ganz unten in diesem Artikel.

Produktbezeichnung der Kugelschreiber

„Einhorn“ und „Officeline“ Kugelschreiber (rosé, anthrazit und silber mit den Kopffiguren Hase, Eule, Krone, Flamingo und Herz)

Welche Chargen sind betroffen?

Die Stifte wurden zwischen dem 1. Juni 2022 und dem 17. November 2023 deutschlandweit, auch in Berlin und Brandenburg, verkauft. Die Artikelnummern sind im PDF unter diesem Beitrag zu finden.

Auch die folgenden Bundesländer sind betroffen: Baden–Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg–Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein–Westfalen, Rheinland–Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen–Anhalt, Schleswig–Holstein, Thüringen

Was müssen Betroffene jetzt tun?

Die betroffenen Stifte können in jeder TEDi–Filiale auch ohne Vorlage des Kassenbons umgetauscht werden. Auch eine Erstattung des Kaufpreises ist möglich.

Warum ist der Produktrückruf erfolgt?

In Produkttests wurden erhöhte Cadmiumwerte nachgewiesen. Cadmium kam — bis zu einem weitreichenden Verbot innerhalb der Europäischen Union gegen Ende 2011 — in unterschiedlichsten Produkten vor, zum Beispiel in Schmuck, Farben oder PVC–Belägen. Cadmium und seine Verbindungen (z.B. Cadmiumtellurid, Cadmiumsulfid, Cadmiumoxid) werden als unterschiedlich toxisch eingestuft.

So gilt Cadmiumtellurid als gesundheitsschädlich, Cadmiumoxid hingegen als „sehr giftig“. Es besteht der Verdacht, dass Cadmium krebsauslösend wirken kann und es schädigt nachweislich die Embryonalentwicklung.

Das toxische Schwermetall reichert sich über die Nahrungskette in Pflanzen, Tieren und Menschen an. Dies geschieht laut Umweltbundesamt Niedersachsen „vorwiegend in Leber und Niere. Cadmium kann zu schweren Nierenschäden, Lungenschäden (durch cadmiumhaltige Aerosole) und Knochenveränderungen führen.“

Wie kommt das Cadmium in die Stifte?

Darüber ist nichts bekannt. Das Schwermetall könnte beispielsweise als Kunststoffstabilisator oder Pigment verwendet worden sein. In der Europäischen Union ist das seit 2011 verboten. Laut einer Bekanntmachung vom Umweltbundesamt von 1998 wurde das Schwermetall Cadmium zuvor „zur Herstellung von rostschützenden Überzügen auf Eisen– und Stahlteilen (Cadmierung) sowie als Bestandteil von Batterien (Nickel/Cadmium–Batterien) und niedrig schmelzenden Legierungen verwendet. Cadmiumverbindungen werden als Stabilisierungsmittel für Kunststoffe und als Pigmente eingesetzt.“ (Quelle)

Nicht überall wird die Verwendung von Cadmium und anderen Schwermetallen so streng reglementiert. Bereits im Jahr 2020 warnte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vor preiswertem Modeschmuck aus China.

Eine Untersuchung, durchgeführt im Jahr 2018, brachte alarmierende Ergebnisse ans Licht: „Von den 257 auf ihren Bleigehalt und den 286 auf ihren Cadmiumgehalt untersuchten Proben überschritten jeweils ca. 8 % die jeweiligen Grenzwerte. Bei einigen der insgesamt 296 untersuchten Schmuckstücke lagen die jeweils gemessenen Blei– bzw. Cadmiumgehalte sogar bei über 90 %.“ (Quelle)