Weihnachtscircus in Berlin
: Vivian Paul-Roncalli über das neue Programm

InterviewGenerationswechsel beim Roncalli Weihnachtscircus: Vivian Paul-Roncalli übernimmt das Zepter im Familienbetrieb von ihrem Vater. Im Interview erzählt sie, was die Zuschauer in Berlin erwartet.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Vivian Paul-Roncalli     1975 vom österreichischen Zirkusdirektor, Regisseur und Clown Bernhard Paul gegründet, ist Vivian Paul-Roncalli seit Beginn des Jahres Stellvertreterin ihres Vaters.

Vivian Paul-Roncalli, Tochter des österreichischen Zirkusdirektors, Regisseurs und Clowns Bernhard Paul, ist seit Beginn des Jahres 2025 auch offiziell Stellvertreterin ihres Vaters.

Jennifer Fischer/Roncalli

Vivian Paul-Roncalli ist die älteste Tochter von Roncalli-Gründer Bernhard Paul. Aufgewachsen zwischen Wohnwagen und Manege, war sie selbst Artistin, bevor sie nun auch den kreativen und organisatorische Part übernimmt. Im Interview spricht die 28-Jährige über den Generationswechsel und die Balance zwischen Nostalgie und Moderne im Weihnachtscircus.

Frau Paul-Roncalli, was erwartet die Besucher beim Weihnachtscircus 2025 in Berlin?
Vivian Paul-Roncalli: Es wird magisch. Besonders freue ich mich auf „Scott & Muriel - The Accidental Illusionists“, ein starkes Komiker-Duo, das mit seinen zauberhaften Slapstick-Einlagen durchs Programm führt. Dann haben wir ein spektakuläres Todesrad - ein Genre, das wir sonst seltener einsetzen, das aber in großen Arenen enorm gut wirkt. Eine besonders schöne Nummer kommt von Eliza Khachatryan: Sie macht eine traumhaft elegante Hochseil-Nummer, auf Spitzenschuhen, fast feenhaft.

Wo rekrutieren Sie Ihre Clowns und Artisten? 
Wir suchen unsere Künstler überall auf der Welt. Heutzutage hilft dabei auch das Internet, aber es läuft auch noch viel über Mundpropaganda. Viele bewerben sich auch direkt bei uns. Professor Wacko mit seiner komischen Trampolin-Nummer kennen wir dagegen schon seit Jahren, da wächst auch eine Freundschaft.

Roncalli-Kinder wollen vom Vater lernen

Sie sind im Zirkus aufgewachsen. Konnten Sie normal zur Schule gehen? 
Wir hatten in den ersten Jahren eine Lehrerin, die mitgereist ist und uns - gemeinsam mit den anderen Circuskindern - vor Ort unterrichtet hat. Ab der siebten Klasse sind wir in Köln geblieben und dort zur Schule gegangen. Heute gibt es mehr Angebote an Online-Unterricht für reisende Kinder. Das macht vieles einfacher.

Sie haben noch zwei jüngere Geschwister. In welchen Bereichen sind diese tätig? 
Meine jüngere Schwester Lili ist als Model und Artistin viel auf Tour und in den Medien präsent. Im Unternehmen bringt sie sich stark im Bereich Marketing ein. Unser Bruder Adrian kümmert sich künstlerisch um unser Apollo Varieté. Er entwickelt dort neue ästhetische Handschriften. Sein Rock-Konzept ist ein richtiger Publikumsliebling und seit knapp zehn Jahren sehr erfolgreich.

Will die neue Roncalli-Generation den Zirkus modernisieren? 
Das ist gar nicht nötig. Unser Vater ist ja stetig am Puls der Zeit. Er sprüht weiterhin nur so vor Ideen und schickt mir ständig Nachrichten, was wir noch tun könnten. Natürlich haben wir auch unterschiedliche Geschmäcker, aber das ist ja auch beim Publikum so. Es ist genau die Kunst, die Balance herzustellen, die Roncalli ausmacht. Wir versuchen eher so viel es geht von meinem Vater zu lernen. Man kann ja Zirkus nicht studieren, da gilt es eher, überall mit dabei zu sein, um die Essenz von Roncalli aufzusaugen.

Wann haben Sie damit angefangen? 
Kurz vor Corona habe ich schon entschieden, dass ich eine Saison nicht als Artistin mit auf Tour gehen, sondern mehr vom Unternehmen mitbekommen will. Roncalli ist ja mehr als die Tournee oder der Weihnachtscircus, wir haben auch unseren Event-Sektor, Weihnachtsmärkte und das Apollo Varieté in Düsseldorf.

Der Zirkusdirektor vom Zirkus Roncalli, Bernhard Paul, und Tochter Vivian posieren am 2013 in Berlin beim Fototermin zur Vorstellung des 10. Original Roncalli Weihnachtscircus im Tempodrom in Berlin. Damals war Vivian noch selbst Artistin, heute castet sie die Künstler für das Programm.

Der Zirkusdirektor vom Zirkus Roncalli, Bernhard Paul, und Tochter Vivian posieren 2013 in Berlin beim Fototermin zur Vorstellung des 10. Original Roncalli Weihnachtscircus im Tempodrom in Berlin. Damals war Vivian noch selbst Artistin, heute castet sie die Künstler für das Programm.

Stephanie Pilick/dpa

Was war Ihre erste Station im familieneigenen Praktikum? 
Köln, da laufen alle Fäden zusammen, da haben wir unser Winterquartier, unsere Büros, Werkstätten und Material-Lager. Als die Pandemie kam und nichts mehr ging, haben ich erst einmal ein halbes Jahr lang den Kostümfundus aufgeräumt und aussortiert und eine eigene Kostümwerkstatt aufgebaut.

Werden alle Artisten von Ihnen eingekleidet? 
Das kommt darauf an. Viele haben ihre eigenen Kostüme. Wenn die Seiltänzerin ein eigenes tolles Kleid mitbringt, wäre es ja blöd, das auszutauschen. Aber wir fertigen zum Beispiel die Kostüme für die Balletttänzerinnen von vier Shows an und stellen auch Zirkusuniformen. In unserem Fundus lagern rund 5000 Kostüme und Requisiten aus 50 Jahren Roncalli-Geschichte.

Zur Person

Vivian Paul-Roncalli (28) ist die älteste Tochter von Roncalli-Direktor Bernhard Paul und seiner Frau Eliana, die ebenfalls aus einer traditionsreichen Zirkusfamilie stammt. Nach der Schule trat sie mit 18 Jahren zunächst mit ihren Geschwistern als Rollschuhakrobatin auf, danach als Artistin am Trapez sowie am Ring. Seit Anfang dieses Jahres 2025 ist sie neben ihrem Vater für das Programm zuständig.

Sie arbeiteten vorher viele Jahre als Luftakrobatin. Fehlt Ihnen das? 
Am Anfang schon. Wenn die Vorstellung losging und ich sah eine Artistin mit einer Partnerin bei einer Nummer am Ring, da dachte ich schon: Das war doch dein Platz. Doch inzwischen habe ich meinen Frieden damit gefunden.

Haben Sie trotzdem noch Lampenfieber? 
Ja, nun bin ich aufgeregt für die ganze Show, für alle, nicht nur für meine Performance. Der Zirkus ist wie ein großes Uhrwerk, da muss alles funktionieren. Nach den ersten Generalproben muss man manchmal auch nachjustieren. Da schaut man, ob die Dynamik da ist oder man vielleicht noch was ändern muss, um zum Beispiel den Übergang flüssiger zu gestalten. Wir haben ja nur sehr kurze Probenphasen von drei bis fünf Tagen.

Steht Ihr Vater Ihnen dabei weiter zur Seite? 
Ja, wir besprechen zum Beispiel zusammen das Programm und den Cast, da ist er immer mit dabei. Wir versuchen eher, ihn von mühseligen bürokratischen Dingen zu entlasten.

Zum Beispiel beim leidigen Visa-Thema? 
Ja, das ist wirklich schwierig, speziell was beispielsweise Artisten aus Russland angeht. Sie zu uns rüber zu bekommen, ist dann manchmal sehr nervenaufreibend. Wir sehen nur den jungen Künstler, der seine Kariere starten will und dem wir eine Bühne geben wollen.

Weihnachtsfest mit dem Roncalli-Team

Können Sie und Ihre Familie zusammen Weihnachten feiern? 
Der harte Kern schafft es durch die unterschiedlichen Roncalli-Standorte nicht, zusammen zu sein. Wir sind ja querbeet verstreut. Aber wir werden mit den Mitarbeitern an den jeweiligen Standorten ein besinnliches Weihnachtsfest feiern, um auch das Gefühl der Einheit zu stärken. Darauf hat mein Vater immer großen Wert gelegt.

Roncalli Weihnachtscircus 18. Dezember 2025 bis 4. Januar 2026 im Tempodrom, Möckernstraße 10, Berlin-Kreuzberg, Tickethotline 01806 554 111,  weitere Informationen auf www.roncalli.de