Wölfe in Brandenburg: 1000 Tiere im Land geschätzt – kommt der schnelle Abschuss?

Die Zahl der Wolfsrudel ist in Brandenburg erneut gestiegen. Ist der schnelle Abschuss die Lösung des Problems? Wie die Jäger über den schnelleren Abschuss bei Rissen von Nutztieren denken. (Symbolbild)
Carsten Rehder/dpaZunächst die neuesten Zahlen, die das brandenburgische Umweltministerium Mitte Oktober zu den Wolfsbeständen veröffentlichte. Demnach wurden zwischen Mai 2022 und Ende April (im sogenannten Wolfsjahr) 8900 Wolfssichtungen in Brandenburg registriert und ausgewertet.
Aus diesen Zahlen ergaben sich, dass 52 Rudel und zehn Wolfspaare in 62 festen Revieren nachgewiesen werden konnten. Wegen starker Schwankungen gibt es keine Angaben über die Größe der Wolfsrudel und damit die Anzahl, wie viele Wölfe in Brandenburg leben. Territoriale Einzeltiere wurden nicht festgestellt. Laut Landesumweltamt kamen mindestens 190 Welpen 2022/23 zur Welt.
Jäger gehen von 1000 Wölfen in Brandenburg aus
Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. Im Wolfsjahr 2021/22 wurden 47 Rudel, 19 Paare und 160 Welpen registriert. Die Zahlen wurden im Nachhinein nach oben korrigiert. Das wird auch für das jetzt veröffentlichte Wolfsjahr noch erwartet. Vor zehn Jahren gab es in Brandenburg sieben nachgewiesene Rudel und 21 Welpen.
Für Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des brandenburgischen Jagdverbandes, sind die offiziellen Zahlen wenig aussagekräftig. Gegenüber diesem Nachrichtenportal betonte er, dass die Dunkelziffer der Tiere viel höher liege. Er geht von rund 1000 Wölfen aus, die durch die brandenburgische Natur streifen.
Im Jagdjahr 2022/2023 wurden landesweit 53 Wölfe tot aufgefunden. 38 davon kamen im Straßenverkehr ums Leben. Drei wurden geschossen, zwei davon nach einer Freigabe wegen wiederholter Schafsrisse, einer erhielt nach einer Verletzung den Gnadenschuss.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) verkündete am Donnerstag (12.10.), dass künftig die Abschüsse sogenannter Schadwölfe erleichtert werden sollen. Bei vermehrten Rissen von Nutztieren soll auf die Genanalyse verzichtet werden, mit der bislang nachgewiesen werden muss, welcher Wolf die Schutzzäune überwunden hatte. Innerhalb von drei Wochen sollen im Umkreis von einem Kilometer Wölfe geschossen werden können. Die Einzelheiten sollen auf der nächsten Umweltministerkonferenz Ende November festgelegt werden.
Bestandsregulierung auf 300 Exemplare gefordert
Jagdverbandschef Wellershoff geht das nicht jedoch nicht weit genug. Er verlangt, so wie der Bundesjagdverband, eine Regulierung der Bestände. Dafür müsste die Bundesumweltministerin den guten Erhaltungszustand nach Brüssel melden – also offiziell feststellen, dass die Tierart hier nicht mehr bedroht ist. Danach sollte der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden, die Schonzeit jedes Jahr für vier Wochen aufgehoben und die Zahl der Wölfe reduziert werden.
Wellershoff könnte sich eine Bestandsgrenze von 300 Tieren für Brandenburg vorstellen. Damit würde auch verhindert, dass der Wolf zunehmend seine Scheu vor Menschen verliert, betonte er. Befragt, ob Brandenburgs Jäger auf entsprechende Jagden vorbereitet wären, antwortet Wellershoff mit einem klaren Ja. Bei Wildschweinen gelinge es auch, die Bestände kleinzuhalten – mit Ausnahme von bewohnten Gebieten wie in Kleinmachnow, schränkte er ein.
Bei einer entsprechenden Bestandsregulierung, so der Präsident, würden auch die Ausgaben für Schutzmaßnahmen nicht weiter aufwachsen. Im vergangenen Jahr wurden für Schutzzäune und Herdenschutzhunde in Brandenburg 2,9 Millionen Euro ausgegeben.


