WWF Ranking Dirty Thirty
: Das sind Deutschlands CO₂-intensivste Industrieanlagen

Die 30 CO2-intensivsten Industrieanlagen sind der Studie nach in Deutschland für fast ein Drittel der Industrieemissionen und acht Prozent der gesamten Emissionen verantwortlich.
Von
David Hahn
Berlin
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Einen erheblichen Anteil am Ausstoß industrieller Treibhausgase in Deutschland hat laut einem neuen WWF Bericht die Eisen- und Stahlerzeugung.

Christian Charisius/dpa

Eine aktuelle Studie des Öko-Instituts im Auftrag des WWF Deutschland beleuchtet die CO₂-Emissionen in Deutschland. Laut dem Bericht sind die 30 CO₂-intensivsten Industrieanlagen des Landes für fast ein Drittel der Industrieemissionen und acht Prozent der gesamten Emissionen Deutschlands verantwortlich. Insbesondere die Eisen- und Stahlerzeugung sowie die Zement- und Chemieindustrie stehen im Mittelpunkt dieser Entwicklung. Die Studie verdeutlicht die dringende Notwendigkeit einer beschleunigten Transformation der Industrie, um die Klimaziele zu erreichen.

Die 30 CO₂-intensivsten Industrieanlagen in Deutschland

  • 1. Unternehmen: thyssenkrupp Steel Europe, Anlage: Integriertes Hüttenwerk Duisburg, Emissionen 2022: 7,9 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: + 1 %
  • 2. Unternehmen: Hüttenwerke Krupp Mannesmann, Anlage: Glocke Duisburg, Emissionen 2022: 4,2 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -14 %
  • 3. Unternehmen: ROGESA Roheisengesellschaft Saar, Anlage: Roheisenerzeugung Dillingen, Emissionen 2022: 4,0 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -7 %
  • 4. Unternehmen: Salzgitter Flachstahl, Anlage: Glocke Salzgitter, Emissionen 2022: 3,7 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -2 %
  • 5. Unternehmen: Salzgitter Flachstahl, Anlage: Kraftwerk Hallendorf, Emissionen 2022: 3,6 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -2 %
  • 6. Unternehmen: Hüttenwerke Krupp Mannesmann, Anlage: Kraftwerk Huckingen, Emissionen 2022: 2,9 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -10 %
  • 7. Unternehmen: ArcelorMittal Bremen, Anlage: Block 4 Bremen, Emissionen 2022: 2,5 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -2 %
  • 8. Unternehmen: thyssenkrupp Steel Europe, Anlage: Dampfkesselanlage Duisburg Hamborn, Emissionen 2022: 2.5 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: - 20 %
  • 9. Unternehmen: ArcelorMittal Bremen, Anlage: Einheitliche Anlage Bremen, Emissionen 2022: 2.1 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: - 7 %
  • 10. Unternehmen: thyssenkrupp Steel Europe, Anlage: Kraftwerk Hamborn Block 5, Emissionen 2022: 2,1 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -14 %
  • 11. Unternehmen: thyssenkrupp Steel Europe, Anlage: Heizkraftwerk Duisburg Hamborn, Emissionen 2022: 1,9 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -26 %
  • 12. Unternehmen: thyssenkrupp Steel Europe, Anlage: Kokerei Duisburg Schwelgern, Emissionen 2022: 1,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -3 %
  • 13. Unternehmen: Vulkan Energiewirtschaft Oderbrücke, Anlage: Dampfheizkraftwerk VEO, Emissionen 2022: 1,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: + 4 %
  • 14. Unternehmen: Rheinkalk, Anlage: Werk Flandersbach-Anlage, Emissionen 2022: 1,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: + 4 %
  • 15. Unternehmen: ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, Anlage: Roheisen- und Stahlerzeugung, Emissionen 2022: 1,3 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -25 %
  • 16. Unternehmen: CEMEX Zement, Anlage: Zementwerk Rüdersdorf, Emissionen 2022: 1,1 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -9 %
  • 17. Unternehmen: Yara Brunsbüttel, Anlage: Ammoniakanlage, Emissionen 2022: 1,1 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: + 2 %
  • 18. Unternehmen: Dyckerhoff, Anlage: Drehöfen Deuna, Emissionen 2022: 1,0 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -3 %
  • 19. Unternehmen: Dillinger Hüttenwerke und ROGESA, Anlage: Gichtgaskraftwerk Dillingen/Saar, Emissionen 2022: 1,0 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -11 %
  • 20. Unternehmen: Zentralkokerei Saar, Anlage: Zentralkokerei Dillingen, Emissionen 2022: 1,0 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -4 %
  • 21. Unternehmen: Dow Olefinverbund, Anlage: Ethylenanlage (Cracker) Böhlen, Emissionen 2022: 1,0 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -15 %
  • 22. Unternehmen: Holcim Anlage: Werk Lägerdorf, Emissionen 2022: 1,0 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -9 %
  • 23. Unternehmen: SKW Stickstoffwerke Piesteritz, Anlage: Ammoniakanlage 2, Emissionen 2022: 0,9 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -32 %
  • 24. Unternehmen: SKW Stickstoffwerke Piesteritz, Anlage: Ammoniakanlage 1, Emissionen 2022: 0,9 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -30 %
  • 25. Unternehmen: HeidelbergCement, Anlage: Zementwerk Burglengenfeld, Emissionen 2022: 0,9 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -16 %
  • 26. Unternehmen: OPTERRA Zement, Anlage: Zementwerk Karsdorf, Emissionen 2022: 0,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -12 %
  • 27. Unternehmen: Basell Polyolefine, Anlage: Ethylenanlage OM6 Wesseling, Emissionen 2022: 0,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -9 %
  • 28. Unternehmen: BASF, Anlage: Ammoniak-Fabrik 4, Emissionen 2022: 0,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -12 %
  • 29. Unternehmen: SCHWENK Zement, Anlage: SCHWENK Werk Bernburg, Emissionen 2022: 0,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: 0 %
  • 30. Unternehmen: INEOS Manufacturing Deutschland, Anlage: Kracker 4, Geb. T21 Köln, Emissionen 2022: 0,8 Millionen Tonen, Vergleich zum Vorjahr: -5 %

Kritik an kostenlosen CO₂-Zertifikaten

Die kostenlose Vergabe von CO₂-Zertifikaten an bestimmte Industriezweige wird von Umweltschützern heftig kritisiert. Die Vergabe solcher Zertifikate habe zu einer Abschwächung des CO₂-Preissignals geführt und den Anreiz für Unternehmen verringert, auf klimafreundliche Verfahren und Technologien umzustellen. Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland, betont, dass die Transformation der Industrie eine der wichtigsten Aufgaben für Politik und Wirtschaft sei und bislang nicht ausreichend angegangen wurde. Die Forderung nach einer umfassenden Industriestrategie wird immer lauter, um Planungs- und Investitionssicherheit zu schaffen und die gesamte deutsche Industrie zu einem schnelleren Umstieg auf klimafreundliche Prozesse und Rohstoffnutzung zu bewegen. Das sind die Kosten des Klimawandels.

Eisen- und Stahlerzeugung Spitzenreiter

Die Studie verdeutlicht, dass die Eisen- und Stahlerzeugung einen erheblichen Anteil an den industriellen Treibhausgasemissionen in Deutschland hat. Die ersten 13 Plätze der „Dirty Thirty“ werden von Anlagen dieser Branche belegt, wobei ein Hüttenwerk von ThyssenKrupp in Duisburg die Spitzenposition einnimmt. Es wird jedoch betont, dass auch die Zement- und Chemieindustrie erheblich zur CO₂-Belastung beitragen. Die Emissionen des Industriesektors seien seit der Einführung des europäischen Emissionshandels nahezu konstant geblieben. Um diese Situation zu verbessern, werden regulatorische Leitlinien und Förderungen für die Dekarbonisierung der Industrie gefordert. Des Weiteren solle die Vergabe staatlicher Subventionen an konkrete Gegenleistungen geknüpft werden. Die öffentliche Hand müsse mit gutem Beispiel vorangehen und beispielsweise bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge den Fokus auf nachhaltige und klimafreundliche Lösungen legen. Investitionen in emissionsarme Technologien und Infrastrukturen könnten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Industrieemissionen leisten. Zusätzlich sollten laut dem Bericht Anreize für Unternehmen geschaffen werden, um in energieeffiziente Prozesse zu investieren und auf erneuerbare Energien umzusteigen.

(Mit Material von AFP und dpa)

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