zum Jugendmedienschutz
: Netzgiganten im Visier

Kinder- und Jugendschutz auch online. Ein schwieriges Thema: Ministerin Giffey will es angehen.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Michael Gabel

swp

Im realen Leben mag das wegen der Jugendschutzbestimmungen unrealistisch sein. Nicht aber im Netz, wo es für den Nachwuchs kaum Hürden gibt, an Angebote für Ältere zu kommen. Weitere Gefahren lauern dort: Erwachsene, die sich als Jugendliche ausgeben und vorgebliche Altersgenossen mit Sexangeboten bedrängen. Dazu kommen Plattformen, deren Betreiber junge Menschen auf geschickte Weise politisch radikalisieren. Insofern ist es höchste Zeit, dass Ministerin Giffey das Jugendmedienschutzgesetz reformieren will­. ­Eigentlich hätte das schon viel früher geschehen müssen.

Immerhin: Was Giffey im Einzelnen vorhat, klingt sinnvoll. So müssen die Anbieter Alterskennzeichnungen einführen, und Eltern haben es leichter, für Kinder ungeeignete und gefährliche Inhalte herauszufiltern. Darüber hinaus sollen auch bessere Beschwerdemöglichkeiten bei Social-Media-­Anbietern geschaffen werden. Nur muss klar sein: Auch diesmal werden die Netzgiganten wieder nach Wegen suchen, wie sie die Auflagen umgehen können. Wahrscheinlich wird man das Gesetz dann nochmal nachschärfen müssen.

Doch nur mehr Druck auf die Anbieter auszuüben, wird nicht reichen, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Zusätzlich müssten auch die Eltern besser ihrer Pflicht nachkommen, den Kindern mit Rat und gutem Vorbild beim Navigieren in der digitalen Welt zu helfen. Doch oft dienen Handy oder Tablet nur als bequemer Ersatz für einen Baby- und Kindersitter. Dagegen hilft aber kein Gesetz.