zum Karriere-Ende von Dirk Nowitzki: Kein millionenschwerer Maulheld

Dorothee Torebko
privatDer Würzburger, der mit 19 als schüchterner Bub in die USA ging, ist so etwas wie ein Anti-Showman. Kein mit Goldkettchen behangener Macker, der auch dann den Mund aufmacht, wenn er gar nichts zu sagen hat. Im Gegenteil: Sich mal gescheite Klamotten zu kaufen – das musste man dem Franken erst beibringen. Bei Interviews blickte er früher mehr zu Boden als zum Reporter. Und die Denkweise, möglichst viele Millionen Dollar zu scheffeln, ist ihm fremd. So hielt Nowitzki den Dallas Mavericks 21 Jahre lang die Treue, obwohl es lukrativere Angebote gab. In den letzten Jahren verzichtete er auf die ihm zustehenden Gehaltserhöhungen, damit sich der Club neue Spieler leisten konnte. Nowitzki gründete Stiftungen, die in Würzburg und Dallas Sportunterricht für Kinder oder den Bau von Fußballplätzen in Afrika förderten.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil das Sportgeschäft nicht so funktioniert. Sportler sind dort Waren. Wer keine Leistung bringt, wird ausgetauscht. Der Mensch muss Maschine sein. Im Training, auf dem Platz, abseits des Parketts, wenn Medien an einem zerren. Deshalb legen sich die meisten einen Panzer zu, mit dem sie ihre Persönlichkeit zu maskieren versuchen. Auch Nowitzki lernte, wie zermürbend das Geschäft sein kann, verschanzte sich aber nie hinter einer Maske. Nachdem sein Team häufig an der Meisterschaft vorbeigeschrammt war, hatten Nowitzki nur wenige auf dem Zettel. Er zweifelte und grübelte – dann arbeitete er noch härter. Er formte aus Männern, die aufgrund ihrer geringen Größe oder Alters anderswo aussortiert wurden, ein Team und gewann 2011 die NBA-Krone.
All diese Eigenschaften machten den Basketballer in den USA zum Idol. Dörk ist dort eine so bekannte Marke wie BMW, Mercedes und Kärcher. Ein Exportschlager ohne Skandale eben. Dass er in Deutschland nicht diesen Ruhm erlangte, hat damit zu tun, dass der NBA-Sport weit weg ist und in Deutschland König Fußball regiert. Selbst Nowitzki, der immerhin 150 Mal in Schwarz-Rot-Gold auflief, konnte da wenig ausrichten. Dennoch zeigt seine Karriere vor allem eines: Ein Sportler muss kein millionenschwerer Maulheld sein. Im Gegenteil wird er erst dann wirklich geliebt, wenn er authentisch ist. Wenn es einen Sportler gibt, der das personifiziert, ist das Dörk.
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