Doch Tesla scheint sich gefangen zu haben. Der Kurs legte zu, das Quartalsergebnis war gut und Tesla steuerte in die Gewinnzone. Auch dank eines rigiden Sparkurses. Hat der Autobauer also die Kurve gekriegt? Mit Brandenburg – aus Musks Sicht wahrscheinlich eher das Umland von Berlin – scheint es der Amerikaner ernst zu meinen. Es spricht vieles dafür, sich jetzt im Heimatland des Autos anzusiedeln, in der Mitte von Europa. Unser Kontinent gilt als zweitgrößter Markt für E-Autos. In den USA zieht der Stromer nicht mehr so richtig. Und Musk muss aufpassen, von den Chinesen nicht ganz abgehängt zu werden.
Die Versprechungen des jüngsten deutschen Autogipfels, die Förderung für die E-Autos hochzufahren, setzt sicher noch einmal einen Anreiz. In Deutschland ist Tesla in diesem Jahr die meist verkaufte reine E-Auto-Marke. Dass Musk sich der Konkurrenz der deutschen Autobauer damit direkt vor die Nase setzt, dürfte für ihn eher Ansporn sein. Elon Musk liebt den Wettbewerb.
Und den will er nicht von Baden-Württemberg oder Niedersachsen  aus führen, sondern in Brandenburg. Für das Land ist das ein Lichtblick an einem trüben Novembertag. Endlich mal wieder Aussicht auf eine richtige Großansiedlung. Es zeigt, dass Wirtschaftsförderer und Politiker gute Arbeit geleistet haben. Und dass freie, bebaubare Flächen inzwischen eine nicht zu unterschätzende Ressource sind. Musks Ankündigung, die international Schlagzeilen machte, ist eine Werbung für das Land. Auch wenn in vielen englischsprachigen Nachrichten von Berlin die Rede war. Wenn Brandenburg vom Image von Berlin profitiert, ist das eine Win-Win-Situation. Kommt das Werk, haben beide Länder etwas davon. Zumal in Berlin die Arbeitslosigkeit immer noch höher liegt als in Brandenburg.
Eine Ansiedlung von Tesla dürfte Zuzug in den Speckgürtel bringen. Das bedeutet aber auch neue Herausforderungen. Die Infrastruktur rundum Berlin – besonders der Verkehr – ist schon jetzt vielerorts am Limit. Die Politik muss sich der Frage stellen: Was wird aus Ostbrandenburg. Werden die ländlichen Regionen weiter abgehängt oder können sie von Industrie rund um Berlin profitieren?
Die Lausitz hatte sich Hoffnungen auf Tesla gemacht und versucht, Elon Musk mit einer Taschenlampen-Show den Weg ins Revier zu leuchten. Hat nicht ganz geklappt. Aber fast.
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