zur Bewerbung Berlins um IAA-Standort: Berlin kann es

Dorothee Torebko
Josephin Hartwig/MOZAusgerechnet die Hauptstadt hat sich als Standort für die Internationale Automobilausstellung (IAA) beworben. Heute entscheidet der verantwortliche Verband der Automobilindustrie, welche zwei Städte in die engere Auswahl kommen. Berlin hat gute Chancen – zu Recht.
Die IAA hat ihren Ursprung in einer Zeit, als die Autowelt noch in Ordnung war. Die Industrie fuhr Milliardengewinne ein, war internationales Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst und genoss Anerkennung in der Bevölkerung. Wer bei einem Hersteller angestellt war, war abgesichert. Das gilt heute nicht mehr. Auch die Wertschätzung hat deutlich gelitten. Der Diesel-Skandal und schleppende Entwicklungen in Sachen E-Mobilität haben der Branche geschadet.
Mit der Auto-Krise verlor auch die IAA an Bedeutung. Einst räkelten sich Hostessen auf den glänzenden Motorhauben, Konzerne präsentierten immer schnellere und größere Gefährte. Nun scheint die PS-Protzerei ein Relikt vergangener Zeit zu sein. Als Folge ihrer fehlenden Umstrukturierung verlor die Messe in den vergangenen vier Jahren rund 40 Prozent ihrer Besucher, zudem mieden zahlreiche Hersteller aus den USA, China und Japan Frankfurt (Main). Klar ist: Die Ausstellung braucht bis zu ihrer Neuauflage 2021 einen Wandel. Weg von der reinen Karossenschau hin zu einer Mobilitätsmesse. Und genau hier liegt Berlins Stärke.
Berlin ist Innovationsstandort und Experimentierfläche. Auf dem Euref-Campus gibt es Teststrecken für autonome Busse, Bürger nutzen Apps wie Jelbi, die unterschiedliche Mobilitätsdienste bündeln. Hier fahren Sharing-Autos von VW, BMW sowie Daimler und Sammeltaxis haben sich als Konkurrenz zum Öffentlichen Nahverkehr etabliert. Die Stadt entwickelt und baut – wenn auch im Schneckentempo – Fernradwege aus und experimentiert mit E-Rollern. Sie ist durch die große Start-up-Szene boomendes Digitaltestfeld. Kurzum: Berlin ist zwar nicht Autohauptstadt, dafür aber Mobilitätshauptstadt.
Wie groß das Potential der Hauptstadt und darüber hinaus auch Brandenburgs ist, hat der Aufbau des Tesla-Werks bewiesen. Mit dem Automobilkonzern siedelt sich eine Zukunftstechnologie im Umland der Hauptstadt an, die den deutschen Unternehmen den Spiegel vorhält. Der E-Auto-Pionier steht für eine hochmoderne, attraktive und umweltfreundlichere Mobilität und hat mit eine Zäsur in der Branche eingeleitet. Darüber hinaus entwickelt Brandenburg eigene Verkehrskonzepte weiter. In der Mark werden digitale Rufbusse getestet, der ÖPNV ausgebaut – und die Region war bereits Pionier in Sachen kostenlosem Nahverkehr.
Damit haben Berlin und Brandenburg das Potential, die IAA von ihrem verstaubten Image zu befreien. Sollten sie die Chance dazu bekommen, würde die gesamte Region profitieren.
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