Zwischen Erkner und Frankfurt (Oder): Längere Bahnsteige bis 2022

Brandenburg, Jacobsdorf: Ein Regionalexpress (RE1) der Bahn fährt an einem blühenden Rapsfeld vorbei. Laut der Deutschen Bahn werden die Bahnsteigverlängerungen rechtzeitig fertig.
Patrick Pleul/dpaWie das Infrastrukturministerium in Potsdam am Donnerstag bestätigte, werde seit geraumer Zeit an der Lösung zu kurzer Bahnsteige gearbeitet. „Wir haben noch drei Jahre Zeit, das Problem zu lösen“, sagte eine Sprecherin.
Neue Züge im Einsatz
Ende 2022 kommen auf der Strecke des RE1 neue Züge zum Einsatz, nachdem der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) das Netz Elbe-Elster ausgeschrieben und dabei auch die prestigeträchtige RE1-Linie neu vergeben hat – an die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg). Deren Noch-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann befürchtet, dass die Deutsche Bahn es nicht schafft, bis zur Übernahme durch die Odeg die Bahnsteige für die neu bestellten sechsteiligen Züge zu verlängern.
„Sieben Bahnsteige zwischen Erkner und Frankfurt sind unter 140 Meter lang, unser Zug aber 157 Meter“, rechnet Schuchmann vor. Will er das vom VBB vorgegebene Kontingent von 640 Sitzplätzen noch in Spitzenzeiten erweitern und 800 Plätze anbieten, würden sogar achtteilige Züge zum Einsatz kommen. Die seien 200 Meter lang und würden als Express-Züge ohnehin nur an Stationen mit ausreichend langen Bahnsteigen halten.
Die Bahn weist Schuchmanns Vorwürfe als völlig absurd zurück. Sie habe die 85 Kilometer lange Strecke zwischen Ostbahnhof und Frankfurt (Oder) seit 1997 intensiv modernisiert und für Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometer ausgebaut. Das habe zu einer deutlich reduzierten Fahrzeit geführt und ermögliche zudem den 30-Minuten-Takt.
Auch die Bahnsteige habe die Bahn auf dem Schirm: „Aus heutiger Sicht können alle notwendigen Verlängerungen verwirklicht werden“, heißt es in einer Stellungnahme. Auch beim Verkehrsverbund versteht man die Aufregung um zu kurze Bahnsteige nicht. „Wir sind seit 2017 an dem Thema dran“, sagt Sprecherin Elke Krokowski.
Die Bahnsteigverlängerung sei Bestandteil des Infrastrukturprojekts i2030, in dem die DB Netze die Planungsleistungen für ihre Infrastruktur koordiniert und durchführt. „Die Bahn ist mit den Planungen längst beauftragt.“ Konkret geht es um die Stationen Frankfurt-Rosengarten, Pillgram, Jacobsdorf, Briesen, Berken-brück, Hangelsberg und Fangschleuse.
„Wenn im Dezember 2022 die Ostdeutsche Eisenbahn auf der RE1 fährt, wird es wegen zu kurzer Bahnsteige keine Probleme geben“, stellt VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel klar. Die Situation für die Pendler werde sich vor allem in den Hauptverkehrszeiten deutlich verbessern. Pro Stunde werde das Sitzplatzangebot von derzeit 1200 auf 2100 nahezu verdoppelt.
Henckel stellt aber auch klar: „Für den Strukturausbau ist die Deutsche Bahn in der Verantwortung. Wir sind uns sicher, dass sie ihrer Verantwortung gerecht wird.“ Schuchmann bleibt dennoch skeptisch und begründet dies mit seinen Erfahrungen mit der Deutschen Bahn. Es müsse Planungsrecht her, die Planfeststellung und die Abnahme am Ende – das könne dauern. Das Land, der Bund und das Eisenbahnbundesamt wüssten nicht, was sie tun sollen, um das Problem zu lösen. „Da reicht man sich den Schwarzen Peter der Finanzierung noch fröhlich durch die Hände, und am Ende wird wohl das Land Brandenburg übrig bleiben“, glaubt Schuchmann.
Alternative im Gespräch
Selbst wenn bis dahin noch nicht alle Bahnsteige verlängert sein sollten, steht dem Einsatz der neuen Züge vermutlich nichts im Wege. Als Übergangslösung könnte das Eisenbahnbundesamt dem Odeg-Vorschlag zustimmen, dass Türen jener Waggons, die über das Bahnsteigende hinausragen, verschlossen bleiben, heißt es beim Verkehrsverbund. Schuchmann hatte das als Alternative ins Gespräch gebracht, „damit beim Aussteigen keiner ins Gleisbett fällt“. „Das Ziel ist jedoch, dass die Bahnsteige bis Ende 2022 lang genug sind“, betont VBB-Sprecherin Krokowski.
Was bisher geschah
Im Bahnhof Oderbrücke und ebenso im Personenbahnhof Frankfurt (Oder) wurden Gleise und Weichen erneuert. Die Oderbrücke wurde 2008 in nur zehn Monaten neu gebaut. Ein Elektronisches Stellwerk Oderbrücke ist seit 2007 in Betrieb.
Der Streckenabschnitt Berlin-Hirschgarten bis Erkner wurde im Dezember 2018 im zweigleisigen Betrieb mit 160 km/h Höchstgeschwindigkeit in Betrieb genommen. Dabei wurden auch rund zehn Kilometer Oberleitung sowie Gleisanlagen erneuert.
Als letzter Abschnitt mit einer Länge von rund drei Kilometern soll der Bahnhof Köpenick in den nächsten Jahren umgebaut werden. Dort werden ein Bahnsteig für den Regionalverkehr, ein Elektronisches Stellwerk sowie Stützbauwerke entstehen. ⇥ndt