35 Jahre Mauerfall Berlin
: 700 Musiker geben Mega-Konzert – das ist nicht alles

Zum 35. Mauerfall-Jubiläum am 9. November verwandelt sich Berlin entlang der ehemaligen Innenstadt-Grenze in eine vier Kilometer lange Musik- und Ausstellungsmeile. Hier die Programm-Höhepunkte.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Checkpoint Charlie, Simulation für den 35.Jahrestag des Mauerfalls 2024

Am Checkpoint Charlie, einem ehemaligen Grenzübergang in Berlin-Mitte, werden zum 35. Jahrestag des Mauerfalls Plakate von damals und heute gezeigt.

Kulturprojekte Berlin/Harf Zimmermann
  • Berlin feiert 35 Jahre Mauerfall mit einem Mega-Konzert und dreitägigem Veranstaltungs-Marathon.
  • 1000 Musiker spielen am 9. November an der ehemaligen Innenstadt-Grenze sieben bedeutende Songs.
  • Open-Air-Installationen und Ausstellungen zeigen historische Plakate und thematische Inseln zur Friedlichen Revolution.
  • Am 10. November folgt ein Demokratie-Festival an der Stasi-Zentrale mit Konzerten und Talks.
  • Zahlreiche Events wie Filmfest und Gitarrenkonzerte ergänzen das Programm.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Berlin hat es schon Tradition, den einstigen Mauer-Verlauf zu runden und halbrunden Jahrestagen wieder sichtbar zu machen. Zum 35. Mauerfall-Jubiläum wird ein Abschnitt der ehemaligen Innenstadtgrenze zu einer großen Bühne. „Eine riesige Band, hunderte Menschen, die Gitarre, Schlagzeug oder Bass spielen können, werden am Abend des 9. November an verschiedenen Punkten der mehr als vier Kilometer langen Strecke zusammenkommen“, heißt es von den Berliner Kulturprojekten. Die stadteigene Veranstaltungs-Agentur hat schon mehrfach kostenlose Open-Air-Feste zu historischen Anlässen organisiert, im Sommer 2024 auch die Fanmeile zur Fußball-EM.

Nun also das Mauerfall-Jubiläum. Das Konzert, für das sich rund 700 Berufs- und Hobby-Musiker aller Musikrichtungen im Vorfeld bewerben konnten, umfasst sieben Songs, die für Freiheit und den historischen Moment des Mauerfalls von großer Bedeutung seien, erklärten die Veranstalter am Dienstag.

Die größte Rockband der Welt

Die „größte Rockband der Welt" soll entlang der ehemaligen Mauer acht legendäre Hymnen – darunter „Heroes“ von David Bowie, „S.O.S“ von Silly und „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen spielen. Mit riesigen Videoleinwänden, spektakulären Lichteffekten und tausenden Lautsprechern entlang der kilometerlangen Strecke wollen die Veranstalter für Gänsehaut-Momente sorgen.

Die „Band für Freiheit“ beim Mauerfall-Jubiläum aber nur das samstägliche Abschluss-Event zu einem dreitägigen kostenfreien Veranstaltungs-Marathon anlässlich des 35. Jahrestages der Friedlichen Revolution, der von Freitag bis Sonntagabend (8. bis 10.11.) geht und rund 100 Angebote beeinhaltet.

Das Konzert sei wegen der zu erwartenden Wetterverhältnisse zwischen 20 und 21 Uhr auf weniger als eine Stunde konzipiert, heißt es von den Kulturprojekten. Laut Wetterbericht soll es zum Start am Sonnabend, um 20 Uhr, rund 5 Grad kalt sein. Um bei Passanten und Musikern warme Gefühle zu erzeugen, werden auf Leinwänden an der Strecke zwischen Invaliden- und Axel-Springer-Straße erst Filmausschnitte zu den wichtigsten Ereignissen zwischen dem Mauerbau 1961 und der Öffnung des Grenzübergangs Bornholmer Straße am Abend des 9. November 1989 gezeigt und mit Musik unterlegt.

Danach soll die „Band für Freiheit“ als Live-Event für den Höhepunkt des Jubiläums und als hörbares Zeichen des Miteinanders sorgen. „Umso besser, wenn es die Berlinerinnen und Berliner dazu inspiriert, mitzusingen und miteinander zu singen“, heißt es in der Ankündigung. So soll ein einmaliger Sound entlang des ehemaligen Mauerverlaufs entstehen. Die großen Bühnen befinden sich dabei an folgenden Orten:

· Kapelle-Ufer

· Schiffbauerdamm

· Brandenburger Tor

· Ebertstraße

· Zimmerstraße

Berlin am 9. November – Open-Air-Installation und Ausstellungen

Doch schon ab Freitag, 8. November, wird eine Open-Air-Installation den ehemaligen Mauerverlauf von der Invalidenstraße über den Checkpoint Charlie hinaus bis zur Axel-Springer-Straße markieren. Hauptattraktion sind tausende Schilder und Plakate, die entlang des vier Kilometer langen Teilstücks präsentiert werden. Teil der Open-Air-Ausstellungen sind Nachbildungen historischer Plakate von den Massenprotesten 1989/90.

In zahlreichen Workshops haben aber auch in den vergangenen Monaten Menschen ihre Forderungen, Wünsche und Hoffnungen zu heutigen Demokratie-Fragen festgehalten.

Strecke der Open-Air-Installation zum 35. Mauerjubiläum am 8. und 9. November in Berlin-Mitte.

Strecke der Open-Air-Installation zum 35. Mauerjubiläum am 8. und 9. November in Berlin-Mitte.

Kulturprojekte GmbH

Die Open-Air-Installation wird am 8. und 9. November rund um die Uhr kostenfrei zugänglich sein. Zusätzlich beleuchtet die Ausstellung „Der Weg zur Freiheit“ auf sieben Themen-Inseln geschichtliche Hintergründe zur Friedlichen Revolution. So wird es zum Beispiel am Futurium neben dem Hauptbahnhof um „Opposition und Protest“ gehen, am Lennédreeick um „Revolutionen in Ost-Europa“ und am Checkpoint Charlie um „Flucht und Ausreise“.

Die einzelnen Stationen können Interessierte unter www.mauerfall35.berlin einsehen.

Am 9. November sind zudem entlang des Ausstellungs-Parcours ganztägig zahlreiche Talks, Konzerte, Performances, Lesungen und Mitmach-Angebote geplant. Laut Veranstalter erwarten Spaziergänger Überraschungsmomente und Begegnungsräume zum Innehalten und Austauschen.

Mauerfall in Berlin – Demokratie-Fest an der Stasi-Zentrale

Ab dem 10. November wird dann eine Vielzahl der Plakate und Poster der Open-Air-Installation in Mitte auf dem Campus für Demokratie an der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Normannenstraße in Lichtenberg ausgestellt. Denn dort findet am Sonntag ein eintägiges Demokratie-Festival mit Theater, Filmen, Sonderführungen, Ausstellungen, Gesprächen und Musik statt. Einer der Höhepunkte wird das Konzert der russischen Protest-Band „Pussy Riot“ gegen 20 Uhr sein.

Hier die Programmhighlights für Sonntag, 10. November, beim Demokratiefest/Stasi-Zentrale:

11 Uhr: Insta-Fotowalk, Anmeldung: einblick-ins-geheime@bundesarchiv.de

14 Uhr: Die DDR im Blick der Stasi, Forschung im Stasi-Unterlagen-Archiv

15 Uhr: Zeitzeugengespräch mit dem DDR-Bürgerrechtler Dr. Martin Böttger

16 Uhr: Theaterstück „Monika Haeger – Inside Stasi“

16.30 Uhr: Einführung in die Beispielaktensammlung des Stasi-Unterlagen-Archivs

Ab 18 Uhr: Bühnenprogramm mit Livemusik

19 Uhr: Talk zum Einsatz für Demokratie und Menschenrechte unter anderem mit Leopoldo Lopez (venezolanischer Oppositionsführer und Mitbegründer des World Liberty Congress) und Zeitzeugen

20 Uhr: Pussy Riot – „Riot Days“ – eine multimediale Punk-Rock-Show zur Geschichte der Band, Protest und Inhaftierung in Russland

Zeitzeugen-Videos an der East Side Gallery

Doch auch in der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße steht die Erinnerung an die Friedliche Revolution vor mehr als drei Jahrzehnten im Mittelpunkt des diesjährigen November-Programms. So hat die Stiftung Berliner Mauer unter anderem wochenlang die Erinnerungen und Perspektiven der Berliner auf den Mauerfall gesammelt. Am Sonnabend, 9. November, werden in der Zeit von 17 bis 20 Uhr ausgewählte Videos auf die Rückseite der East Side Gallery projiziert.

Berlin-Wedding, Anfang der 90erJahre

Blick auf die Berliner Mauer und den Fernsehturm, aufgenommen in Berlin-Wedding, Anfang der 1990er-Jahre.

Renate Hildebrandt

Dabei erzählen die Menschen unter anderem von Demonstrationen, Botschaftsbesetzungen und Ausreiseanträgen. Sie erinnern sich auch an den einzigartigen Bruch in ihrem Leben, in dem sich neue Chancen boten, Menschen aber auch ausgegrenzt und angefeindet wurden, ihren Arbeitsplatz verloren, ihren Betrieb schließen sahen und ihren Lebensentwurf oder ihre Existenzgrundlage neu erfinden mussten.

November 2024 in Berlin – Mauerfilmfest im Colosseum

Im Filmtheater Colosseum an der Schönhauser Allee 123 veranstaltet die Stiftung Berliner Mauer am Sonnabend, von 16 bis 22 Uhr, und am Sonntag, 10. November, von 15 bis 21 Uhr, ein zweitägiges Filmfest.

Auf dem Programm, das unter anderem mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erarbeitet wurde, stehen selten gezeigte Kurzfilme zur Berliner Mauer. Vier Themenschwerpunkte beschäftigen sich mit dem Bau der und dem Alltag mit der Mauer, dem Zusammenleben zwischen Angst und Misstrauen sowie schließlich mit der Transformationszeit.

Zwischen den einzelnen Themenblöcken wird es Gespräche mit Zeitzeugen und Experten geben. Am 10. November startet zudem um 15 Uhr ein Kurzfilmprogramm für Kinder bis zehn Jahre mit anschließendem Workshop. Ab 17 Uhr richtet sich das Filmprogramm an Jugendliche und ihre Eltern. Zum Ausklang des Mauerfilmfestes um 19 Uhr geht es mit einem Roadmovie 1990 noch einmal quer durch den wilden Osten.

Der Eintritt ist an beiden Tagen frei, gebraucht werden aber Gratistickets, die unter www.mauerfilm.berlin gebucht werden können.

9. November in Berlin – Konzerte in der Mauer-Gedenkstätte

Keine Anmeldung erforderlich ist für die Gratis-Gitarren-Konzerte im Dokumentationszentrum der Mauer-Gedenkstätte an der Bernauer Straße. Die Musikeinlagen des Essener Gitarrenduos finden am Samstag, 9. November 2024, um 14 Uhr und am Sonntag um 12, 14 und 16 Uhr an der Bernauer Straße 111 in Mitte statt.

Seit 34 Jahren steht das Essener Gitarrenduo, Stefan Loos und Bernd Steinmann, gemeinsam auf der Bühne. Sie spielen Stücke ihrer CD „09. November 1989/Der Mauerfall.“

Wer schon mal vor Ort ist, kann sich neben der kostenlosen Dauerausstellung in der Mauer-Gedenkstätte auch eine neue Videoinstallation anschauen. Diese zeigt sehr ehrliche Gespräche mit 17 Zeitzeugen über ihr Erleben 1989 und darüber, was die Friedliche Revolution für sie persönlich bedeutet hat, ob positiv oder negativ. Die Videoinstallation „35 Jahre Mauerfall. 17 Perspektiven“ ist noch bis zum 15. Februar 2025 im Dokumentationszentrum zu sehen. Das gesamte November-Programm findet sich unter www.stiftung-berliner-mauer.de.

China-Ausstellung vor dem Abgeordnetenhaus

Noch bis 15. Dezember ist die neue Ausstellung „China ist nicht fern! 35 Jahre Mauerfall – 35 Jahre Tian’anmen“ zu sehen. Sie wirft einen Blick auf beide Ereignisse, ihre Verbindungen und die schwierige Lage der demokratischen Widerstandsbewegung in China heute. Neben drei Schiffscontainern, in denen historische Exponate und Zeitzeugenberichte gezeigt werden, wird ein fünf Meter hoher Nachbau der Göttin der Demokratie ausgestellt.

Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 7. November, um 8 Uhr auf dem Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses und kann dort bis zum 10. November ganztägig besichtigt werden. Ab dem 15. November wird sie einen Monat lang vor dem Axel-Springer-Haus in Kreuzberg zu sehen sein.