60 Jahre Kino International
: DDR-Premierenkino in Berlin feiert – und schließt für ein Jahr

Es war das wichtigste Premierenkino der DDR: Das Kino International in Berlin blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nun feiert das Haus sein 60. Jubiläum - und steht vor einer großen Sanierung.
Von
Sabrina Szameitat, dpa
Berlin
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Bei einer Presseführung wird im Kino International an der Karl-Marx-Allee der Zuschauerraum mit dem Vorhang vor der Kinoleinwand und der gewölbten Decke gezeigt. Das Kino war das wichtigste Premierenkino der DDR. Es feiert sein 60. Jubiläum und steht vor einer großen Sanierung. Wegen einer Generalsanierung wird das Haus im nächsten April für voraussichtlich rund 15 Monate geschlossen. Unter anderem steht eine technische Sanierung an.

Jens Kalaene/dpa

Zwischen Honecker-Lounge, „Dirty Dancing“ und Berlinale: Das Kino International war einst das wichtigste Premierenkino der DDR, gehört fest zu den Spielstätten der Berlinale und ist auch für seine markante Architektur bei Filmfans und Touristen bekannt. Im November wird das 1963 errichtete Haus an der Karl-Marx-Allee nun 60 Jahre alt.

Das denkmalgeschützte Gebäude der Nachkriegsmoderne kann dabei mit der ein oder anderen ungewöhnlichen Anekdote auf die Geschichte der DDR zurückblicken - und deren Ende. Denn während die Zuschauer am 9. November 1989 „Coming Out“ sehen - eine schwule Liebesgeschichte und damit der erste Film in der DDR mit homosexueller Thematik - fällt die Mauer. Für das Kino also ein doppelt denkwürdiger Abend.

Neben vorwiegend Produktionen der DDR-Filmgesellschaft Defa zeigte das Kino aber auch ausgewählte westliche Filme, zum Beispiel 1987 den Tanzfilm-Klassiker „Dirty Dancing“. Es sollte ein repräsentatives Gebäude sein, wie Thore Horch aus dem Eventbereich des Kino International sagt.

Generalsanierung ab Frühjahr 2024

So wurden Filmpremieren etwa regelmäßig in Anwesenheit der Staatsführung gezeigt, die dort sogar einen eigenen Repräsentationsraum für Gäste hatte. Oft genutzt wurde die fensterlose „Honecker-Lounge“, wie sie heute genannt wird, wohl aber nicht, wie Horch erklärt. Im Gebäude waren daneben eine Bibliothek und ein Jugendclub untergebracht. Auch ein Bunker wurde gebaut.

Historisches Denkmal: Ein DDR-Emblem ist vor der fensterlosen «Honecker-Lounge» vom Kino International an der Karl-Marx-Allee zu sehen.

Jens Kalaene/dpa

1992 übernahm die Yorck Kinogruppe dann das Kino. Durch eine riesige Fensterfront in der Panorama-Bar im ersten Stock schauen Besucher auf das gegenüberliegende Café Moskau und die Karl-Marx-Allee.

Wegen einer Generalsanierung wird das Haus im nächsten April für voraussichtlich rund 15 Monate geschlossen, wie die Yorck-Kinos mitteilten. Unter anderem stehe eine technische Sanierung an. Mit einem Jubiläumsprogramm, das unter anderem eine von Knut Elstermann moderierte Jubiläumsfeier an diesem Freitag (10.12.) mit Kulturstaatsministerin Claudia Roth und einen Tag der offenen Tür umfasst, soll der runde Jahrestag des Kinos gefeiert werden.

Auf dem Programm der Jubiläumsreihe stehen am 19.11. Klassiker wie „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, „Die Legende von Paul und Paula“, „Spur der Steine“ und „Solo Sunny“. Im Dezember folgen jüngere Klassiker wie „Wir können auch anders“ (3.12.), „Bunea Vista Social Club“ (10.12.), „Halbe Treppe“ (17.12.), „Goodbye Lenin“ (26.12.)