„Banksy – A Vandal Turned Idol“: Ausstellung über Street-Art-Künstler in Berlin eröffnet

Blick in die Ausstellung „Banksy – A Vandal Turned Idol“, die am 1. Dezember 2023 im Kleisteck in Berlin eröffnet.
Fabian Sommer/dpaDie Zeiten, in denen Graffiti als purer Vandalismus abgestempelt wurde, sind vorbei. Street Art ist längst zu einem ernstzunehmenden Zweig zeitgenössischer Kunst avanciert. Zu verdanken ist dies auch einem Enigma: Banksy. Auf Auktionen erzielen die Werke des Briten, dessen wahre Identität seit Jahrzehnten im Verborgenen liegt, regelmäßig zweistellige Millionenbeträge. Unvergessen sein „Girl with Balloon“, das sich im Moment der Versteigerung selbst schredderte.
Dass Banksy nun die nächste Entwicklungsstufe enorm populärer Kunstidole nehmen könnte, nämlich die popkulturelle Kommerzialisierung, ist derzeit in Berlin zu beobachten. Dort, genauer im Kleisteck in Kreuzberg, eröffnet am 1. Dezember 2023 die Ausstellung „Banksy – A Vandal Turned Idol“.
Erstmals ist die Ausstellung in Deutschland zu sehen
Die Kollektion war bereits in zahlreichen Metropolen weltweit zu Gast. Über drei Millionen Besucherinnen und Besucher soll sie angelockt haben. Nun ist sie erstmals in Deutschland ausgestellt. Ein Jahr Vorbereitung und vier Wochen Aufbau waren laut Veranstalter Burghard Zahlmann nötig, um die Deutschland-Premiere auf die Beine zu stellen. Herausgekommen ist eine multimediale Werkschau, die sich weniger an Kunstkenner, sondern die breite Masse richtet.

Eine Person läuft durch die Ausstellungsräume von „Banksy – A Vandal Turned Idol“ in Berlin.
Fabian Sommer/dpaDas niedrigschwellige Konzept soll Besucherinnen und Besucher an das Kunstphänomen Banksy heranführen. Dennoch habe man einen musealen Anspruch, wie Alexander Nachkebia vom Kreativteam hinter der Ausstellung bei einer Vorabbesichtigung betont. So umfasst die Schau auch 18 Originalwerke und 43 Originalprints aus privaten Sammlerbeständen – allesamt waren sie in Deutschland bislang noch nicht zu sehen.
Banksys Kunst als Kapitalismus- und Konsumkritik
In großen Teilen erinnert auch der Aufbau der weitläufigen Ausstellung an klassische Museen. Das Werk des aus Bristol stammenden Straßenkünstlers wird etwa thematisch erschlossen. Abschnitte wie „Konsum“, „Krieg“ oder „Überwachung“ betonen vor allem die politische, kapitalismus- und konsumkritische Natur von Banksys Kunst. Aber auch inhaltliche Annäherungen gliedern die Schau. Wiederkehrende Motive wie die berühmten „Ratten“ sind mit eigenen Abschnitten und zahlreichen Prints gewürdigt.
Auch an einer Einordnung Banksys in den größeren kunsthistorischen Kontext versucht man sich in Berlin. Gegenüberstellungen sollen die Einflüsse und Vorbilder des Straßenkünstlers sowie die Übernahme bestimmter Kunsttechniken verdeutlichen. Unübersehbar ist dies beim Print „Kate Moss“, der zur Seite von Andy Warhols Siebdruck-Reihe „Marilyn Diptych“ hängt, und fast identisch ist mit den berühmten bunten Interpretationen eines Fotos von Marylin Monroe.
Van Gogh, Monet, Klimt und nun Banksy – Kunst als Spektakel
Die Ausstellung in Berlin will „unterhaltend und Erlebnis sein“, so Veranstalter Zahlmann. Um diesen Anspruch einzulösen, setzt man neben diversen Spielereien, wie den „Arbeitsplatz“ Banksys voller Schablonen, Spraydosen und Farbeimern, auch auf audiovisuelle Inhalte. Wer den Audioguide nutzt, wird etwa vom Radiomoderator Big Moe von Kiss FM durch die Ausstellung geführt. Per Virtual Reality-Brille kann zudem ein Spaziergang durch die Straßen Londons gemacht werden, vorbei an Häusern mit einigen der bekanntesten Graffitis von Banksy. Auch zahlreiche Foto-Möglichkeiten flankieren die Ausstellung – für Social Media-affine Besucherinnen und Besucher direkt mit passendem Hashtag versehen.

„Banksy – A Vandal Turned Idol“ zeigt den britischen Künstler auch als Konsumkritiker.
Fabian Sommer/dpaEine derartige Inszenierung bekannter Künstlerinnen und Künstler ist nicht neu. Vor allem die breitenwirksamsten Namen wie Klimt, Monet, Van Gogh wurden zuletzt in Form technischer Spektakel inszeniert. Ihre Gemälde werden dabei als „Experiences“, also Erlebnisse, aufbereitet, gerne in immersiven Animationen. Diesem oft kritisierten Trend, im Zuge dessen ein Werk auf eine Weise präsentiert wird, die von der Künstlerin oder dem Künstler vielleicht nie angedacht war, folgt auch „Banksy – A Vandal Turned Idol“. Nicht umsonst kommt die Ausstellung nicht ohne den Hinweis aus, dass sie „unautorisiert“ ist.
Eine Ausstellung nicht frei von Ironien
Im Fall eines derart politischen Künstlers wie Banksy ist ein solches Unterfangen nicht frei von Ironie. Anders lässt es sich kaum beschreiben, wenn sich nur wenige Meter von konsumkritischen Kunstwerken ein Shop befindet, in dem es eben jene Kunstwerke auf Sweatshirts und T-Shirts abgedruckt zu kaufen gibt. Zumal den Eingang auch noch der Satz „Exit Through the Gift Shop“ und damit der Titel einer von Banksy gedrehten Dokumentation ziert, der eben jene Kommerzialisierung von Kunst aufgreift.
Am Ende dürfte für viele dennoch ein großer Erkenntnisgewinn stehen. Ob nun wegen oder trotz seiner Spielereien, „Banksy – A Vandal Turned Idol“ präsentiert den Unbekannten hinter den Graffitis als vielfältig kreativen Künstler und Aktivisten. Kurzum: als den zurecht bekanntesten Vertreter von Street Art. Ein Status, der eben seinen Preis hat.
Banksy – A Vandal Turned Idol
Die Ausstellung im Kleisteck (Martin-Luther-Str. 1A, 10777 Berlin) läuft vom 1. Dezember 2023 bis 29. Februar 2024. Öffnungszeiten: Mo-Do/So: 11 bis 19 Uhr, Fr-Sa/Feiertag: 11 bis 20 Uhr. Sonderöffnungszeiten: ganztags geöffnet am 26. Dezember 2023, bis 15 Uhr geöffnet am 31. Dezember 2023 und ab 14 Uhr geöffnet am 1. Januar 2024. Geschlossen am 24. und 25. Dezember 2023.
Eintrittspreise belaufen sich auf 20 Euro (Mo-Fr) bzw. 22 Euro (Sa, So, Feiertage) für Erwachsene / 16 Euro (Mo-Fr) bzw. 18 Euro (Sa, So, Feiertage) für Studierende und Ermäßigte / 12 Euro (Mo-Fr) bzw. 14 Euro (Sa, So, Feiertage) für Kinder (7 bis einschließlich 15 Jahre). Tickets sind hier erhältlich.


