AC/DC in Dresden: Wie war das Konzert in der „Rinne“?

Im Rahmen der «Power up Tour 2024» spielt die legendäre australische Hard-Rock-Band AC/DC auch zweimal in Dresden. Begonnen hat die Europatournee in Sevilla.
Francisco J. Olmo/EUROPA PRESS/dpaEigentlich hatte es niemand befürchtet, trotzdem war die Gewissheit beruhigend: Das letzte, bereits vor drei Jahren erschienene AC/DC-Album „Power Up“ klingt wie alle vorherigen. Auf der Platte zeigten zeigen sich die Rock-Veteranen wieder von ihrer bekanntermaßen unkomplizierten Seite.
Wenn Sänger Brian Johnson seine Rock’n’roll-gegerbte Stimme auf die Hau-drauf-Gitarrenakkorde von Angus Young packt, ist Kopfnicken angesagt. Jedenfalls bei allen Freunden des ungestümen Hardrocktums. Und von denen gibt es immer noch reichlich.
Als AC/DC ihre diesjährige Tournee durch Deutschland mit sieben Konzertstationen ankündigten, waren die Tickets, trotz Preisen ab 140 Euro, auch in Dresden, wo nach dem Konzert am Sonntag noch ein Zusatzgig am Mittwoch anberaumt wurden (Restkarten vorhanden). Soll den Dreschflegeln an der Gitarre ruhig einer vorhalten, sie seien ziemlich in die Jahre gekommen: die Fantreue zu den Australiern ist fast konkurrenzlos. Vergleichbar vielleicht nur mit den Rolling Stones.
Noch mehr als die ist die Band der größte Fels in der Brandung gegen alle neuen Trends, die durch die Musikwelt schwappen. Wo genau der Grund liegt, warum bei AC/DC gelobt wird, was bei anderen Veteranen-Rockcombos nur als peinlich empfunden wird, ist nicht ganz klar auszumachen. Auf jeden Fall funktioniert ihr Keine-Experimente-Konzept.
77.000 Besucher in der „Rinne“
Das gilt auch und erst recht live in concert. Natürlich auch in Dresden, dem einzigen Konzertort in Ostdeutschland, wo die Openair-Bühne am Sonntagabend in einer Flutrinne der Elbe aufgebaut war. 77.000 Besucher sind aus der nahen und weiteren Umgebung gekommen, um sich die viele Jahre abstinente Band anzuschauen.
Sie erleben – nach einem ziemlich guten Support von der US-Band The Pretty Reckless - einen explosivem Einstieg aus Bildern und Gitarrenkrach, mit dem die Rock’n’Roll-Party beginnt. Im Laufe der nächsten zwei Stunden gibt es keine Ruhepause. Keine Balladen, kein Akustik-Set – bei AC/DC gibt’s so was nicht im Programm.
Nach dem Opener „If You Want Blood (You’ve Got It)” kommt gleich „Back in Black“ vom gleichnamigen und erfolgreichsten Album der Bandgeschichte. Es gehört zur Essenz des AC/DC-Gesamtwerks, das an diesem Abend zur Vorführung kommt.
Es geht nicht um Innovatives oder um verfremdete Versionen von allseits bekannten AC/DC-Songs, es geht um die unverfälschte Darbietung der jahrzehntealten Hardrockhits, die Millionen von inzwischen arg gealterten Fans geprägt haben. Seit Ende der 70er scheint sich irgendwie nichts geändert zu haben.
Die Aussage der Band lautet: It’s only Rock’n’Roll, and we make it. Dazu reichen im Prinzip wenige prägnante Gitarrenriffs, speziell von Angus Young, der eigentlich der letzte Ur-Bandmusiker ist und zusammen mit Sänger Brian Johnson den Kern der legendären Besetzung bildet. Der Mann mit der Schiebermütze singt mit gequetschter Stimme die AC/DC-Litanei: Lasst uns Rocken und Spaß dabei haben.
Diesen Auftrag nehmen die Musiker ernst, nur sich selbst nicht. Wenn der immer noch Schulinformierte Angus Young nach einem Striptease als spindeldürres Männlein mit langen grauen Haaren über die Bühne hüpft, ist das kein Bild eines sexy Rockgottes - und trotzdem nicht peinlich.
AC/DC befeuern Sehnsucht der Fans
Dass er und seine Mannen von AC/DC auch nicht jünger werden, hat man sowieso schon gewusst. Dass sie es nicht spüren lassen, davon konnten sie die Zuschauer gut überzeugen. Zwei Stunden lang befeuern sie die Sehnsucht vieler Fans, in eine Zeit einzutauchen, in der sie noch jung und ungestüm und rock’n’rollig waren.
Es ist eine Mix aus ewiger Rockliebe und nostalgischer Lebensrückschau, die den von viel Alkohol beförderten Feierrausch treibt. Die Setlist für den Soundtrack dazu ist nahezu endlos: „T.N.T.“ bis „Highway To Hell“ und „Hells Bells“, das ebenso besonders bejubelt wird wie „Whole Lotta Rosie“ und das von einem epischen Gitarrensolo Angus Youngs veredelte „Let There Be Rock“.
Überhaupt muss man sagen, dass Angus Young irgendwie fantastisch zeigt, wie das ominöse „Altern in Würde“ für einen Rock’n‘Roller geht: Einfach sich um nichts scheren und spielen, spielen, spielen. Er ist das in gewisser Hinsicht das quirlige Maskottchen des Slogans „Rock’n’Roll can never die“. Der Rock’n’Roll mag nicht sterben, aber nach „For Those About to Rock (We Salute You)“ war dann doch Schluss und die Zehntausenden zogen von dannen, hinein in die barocke Altstadt.

