Wann unbeschwertes Reisen wieder möglich sein wird, bleibt ungewiss. Das Abtauchen in die literarische Weite kann ein lohnender Trost sein, der sich auch weitergeben lässt.
Die besten Bücher 2020 aus Sicht der MOZ-Redaktion teilen wir mit Ihnen im Literaturadventskalender. Hintergründig, heiter oder fesselnd: Hinter jedem Türchen verbirgt sich eine Lektüre-Empfehlung – für Sie oder zum Verschenken.

Bonus: Katja Brandis – Woodwalkers & Friends – Katzige Gefährten

Katziges Abenteuer für die Jugend: Woodwalkers & Friends – Katzige Gefährten von Katja Brandis
Katziges Abenteuer für die Jugend: Woodwalkers & Friends – Katzige Gefährten von Katja Brandis
© Foto: Arena
Nussig und katzig – ja, so kann man die Abenteuer beschreiben, die die „Woodwalkers“ erleben. Carag, Tikaani, Holly und deren Freunde sind Gestaltwandler. Die Teenager können sich nämlich verwandeln: Carag wird zum Puma, Tikaani zur Wölfin und Holly zum Eichhörnchen. Sie besuchen sogar eine extra Highschool. „Woodwalkers“ ist eine Jugendromanreihe. Die ersten sechs Bände sind zwischen 2016 und 2019 erschienen und gelangten in die Spiegel-Bestsellerliste. Nun kam mit „Woodwalkers & Friends – katzige Gefährten“ eine ersehnte Zugabe. Und da überschlagen sich die Ereignisse: Carag erhält einen Hilferuf seiner Pumafamile, ein feindliches Wolfsrudel taucht auf und Tikaanis Geburtstagsfeier ist mehr als unsicher. Die Reihe macht süchtig und eignet sich super zum Vorlesen. Wer es meerig mag, kann zu den „Seawalkers“ greifen. (Janet Neiser)
Katja Brandis: „Woodwalkers & Friends – Katzige Gefährten“, Arena, 186 Seiten, 10 Euro

Türchen 24: Hartmut Sommerschuh – Aquarell im Regen

Gilbert Waligora und seine Kinder: Buchcover "Aquarell im Regen" von Hartmut Sommerschuh
Gilbert Waligora und seine Kinder: Buchcover „Aquarell im Regen“ von Hartmut Sommerschuh
© Foto: Bäßler-Verlag
Kann man eine Wolke im Entstehen malen? Ist es Kunst, einen Baum zu pflanzen? Welche Farben hat ein trüber Wintertag? Für Gilbert Waligora gibt es darauf nur eine Antwort: Probiere es aus und fühle es. Fünf Jahrzehnte lang hat der Berliner Maler und Kunsterzieher Kindern das Sehen gelehrt und ihrer Phantasie mit Pinsel und Tusche Flügel verliehen. Ohne pädagogische Konzepte und ohne moralische Vorschriften, nur durch eigenes Erleben und Erfahren.
Seine Kinder- und Jugend-Gruppen, waren nicht nur Kunstzirkel, sondern auch Umweltgruppen, die sich vor allem in Brandenburg, im heutigen Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, auf Entdeckungsreisen begaben, um Landschaften zu erkunden, Naturprozesse zu erforschen, Umweltschutz zu praktizieren und das alles zu malen. Über seine Arbeit, über seine Kinder und vor allem über deren außergewöhnliche Aquarelle und Grafiken hat der Umweltjournalist und Autor Hartmut Sommerschuh ein Buch geschrieben und mit einer Fülle an Bildern, Fotografien und Erinnerungen seiner Schützlinge und Wegbegleiter angereichert.
Entstanden ist ein bezauberndes, reich illustriertes Lesebuch zum Immerwiederdarinblättern, nicht nur für Kunst- und Naturliebhaber. Es ist zugleich auch ein Zeugnis der Zeitgeschichte von Kunst, Bildung, Umweltbewegung und Staatspolitik in der DDR und der Wendezeit. Es macht Lust, auch und gerade in der heutigen digitalen Welt, mit Kindern die kleinen Wunder der Natur mit allen Sinnen zu entdecken. (Daniela Windolff)
Hartmut Sommerschuh: „Aquarell im Regen“, Bäßler-Verlag Berlin, 184 Seiten, 19.90 Euro

Türchen 23: Fang Fang – Wuhan Diary

Leben in einer abgeriegelten Stadt: Buchcover "Wuhan Diary" von Fang Fang
Leben in einer abgeriegelten Stadt: Buchcover „Wuhan Diary“ von Fang Fang
© Foto: Hoffmann und Campe
Wie hart ist es, 76 Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten zu sein? In „Wuhan Diary“ – entstanden aus ihrem Online-Tagebuch – beschreibt die Chinesin Fang Fang die Zeit, als das Leben in der Neun-Millionen-Metropole nach dem Ausbruch des Coronavirus stillstand: das Einerlei der Tage in der Wohnung, das Abgewiesenwerden kranker Menschen in den Krankenhäusern, alleingelassene Kinder und immer wieder den Kampf der Ärzte. Der Leser erlebt die Solidarität beim organisierten Besorgen von Lebensmitteln, das Mitgefühl angesichts der Toten. Immer wieder fordert Fang Fang pathetisch, Parteifunktionäre für ihr Verschweigen und Nichtagieren zur Verantwortung zu ziehen. Nur peripher schildert sie die Not der zigtausenden Wanderarbeiter, die Wuhan weder betreten noch verlassen durften. Zweifel einiger Blog-Leser an ihren Eintragungen versteht sie nicht. (Kerstin Bechly)
Fang Fang: „Wuhan Diary“, aus dem Chinesischen von Michael Kahn-Ackermann, Hoffmann und Campe, 352 Seiten, 25 Euro

Türchen 22: Ludwig Sternaux – Potsdam. Ein Buch der Erinnerung

Wehmütiger Blick aufs alte Potsdam: Buchcover "Potsdam. Ein Buch der Erinnerung" von Ludwig Sternaux
Wehmütiger Blick aufs alte Potsdam: Buchcover „Potsdam. Ein Buch der Erinnerung“ von Ludwig Sternaux
© Foto: Die Mark Brandenburg. Verlag für Regional- und Zeitgeschichte
Der Kaiser ist gestürzt, die schneidigen Leutnants sind verschwunden, in vielen Schlössern herrscht Stille. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg streift der Berliner Journalist, Autor und Dramaturg Ludwig Sternaux (1885–1939) durch die frühere Residenzstadt Potsdam. Er spaziert durch das leere Neue Palais, muss in der „Rumpelkammer“ Schloss Glienicke den Hut aufbehalten, weil die Decke morsch ist, und wird Augenzeuge, wie das Inventar des Stadtschlosses entrümpelt wird. „Götterdämmerung, wenn auch im Kleinen“, schreibt Sternaux in seinem 1924 publizierten und nun wieder aufgelegten Band „Potsdam. Ein Buch der Erinnerung“. Ohne zu glorifizieren, aber mit reichlich Wehmut blickt er in seinen prosaischen Essays, die in ihrer historischen Detailfreude an seinen Lehrmeister Theodor Fontane erinnern, auf die einst glanzvolle Ära der Hohenzollern zurück. (Camillo Kupke)
Ludwig Sternaux: „Potsdam. Ein Buch der Erinnerung“, Die Mark Brandenburg, 244 Seiten, 18 Euro

Türchen 21: Marc-Uwe Kling – Qualityland 2.0

Ferngesteuert in die Zukunft: "Qualityland 2.0" von Marc-Uwe Kling
Ferngesteuert in die Zukunft: „Qualityland 2.0“ von Marc-Uwe Kling
© Foto: Audible/Ullstein Buchverlage
Der dritte Weltkrieg bricht aus und kein Mensch weiß, warum. Denn längst agieren Maschinen in der Welt so autonom, dass Menschen ihre Entscheidungen nicht mehr nachvollziehen können. Dabei wirken die Roboter im zweiten Teil von Marc-Uwe Klings dystopischem Roman „Qualityland“ gar nicht so unmenschlich. Peter Arbeitsloser hat sich einen Namen als Maschinentherapeut von Kampf-, Kuschel- oder Staubsaugrobotern gemacht, die unter ihrer Bestimmung oder unter Beziehungsproblemen leiden, während die hedonistische Mehrheit der Menschen, einschließlich Medien und Politik, danach strebt, ein möglichst hohes Level entsprechend ihres Verdienstes für den Kapitalismus zu erlangen.  Nur Peters Freundin Kiki Unbekannt ist einer ganz anderen, gefährlichen Mission auf der Spur. Eine Lektüre zum lachen, weinen und nachdenken. (Louisa Theresa Braun)
Marc-Uwe Kling: „Qualityland 2.0: Kikis Geheimnis“, Ullstein, 432 Seiten, 19 Euro

Türchen 20: Regine Glaß und Sascha Bachmann – weg

Zwischen Fern- und Heimweh: Buchcover "weg" von Regine Glaß und Sascha Bachmann
Zwischen Fern- und Heimweh: Buchcover „weg“ von Regine Glaß und Sascha Bachmann
© Foto: Regine Glaß und Sascha Bachmann
Nur weit weg, das wünschen sich viele in diesem Jahr, in dem das fast unmöglich schien. Sich auf den Weg machen, raus aus den eigenen vier Wänden, die nie zuvor so genau inspiziert werden konnten. Unterwegs sein, voller Sehnsucht auf das, was die nächste Station bringen mag. Journalistin Regine Glaß und Fotograf Sascha Bachmann holen mit dem Bildband  „weg“ aber nicht nur die ab, die Fernweh haben, sondern auch alle, die sich jeden Tag auf den Weg machen, irgendwohin pendeln. Die schlafende, lesende, wartende, gehetzte, aufs Handy starrende, einsame Menschen täglich beobachten und selbst dazugehören. Die mit Anzeigetafeln liebäugeln, aber doch nur die drei Stationen zur Arbeit fahren. Ihre Gedichte und seine Schwarz-Weiß-Fotos fangen Momente zwischen Fern- und Heimweh ein, die meditative Stille zwischen Abfahrt und Ankunft. (Lisa Mahlke)
Regine Glaß und Sascha Bachmann: „weg“, Books on Demand, 64 Seiten, 35 Euro

Türchen 19: Amity Gaige – Unter uns das Meer

Aus der Vorstadt aufs offene Meer: Buchcover "Unter uns das Meer" von Amity Gaige
Aus der Vorstadt aufs offene Meer: Buchcover „Unter uns das Meer“ von Amity Gaige
© Foto: Eichborn
Ungewöhnlich ist dieser packende Roman der US-Amerikanerin Amity Gaige in mehrfacher Hinsicht: Da ist zum einen die Geschichte, die auf einer Segeljacht in der Karibik spielt. Zum anderen sind es die wechselnden Erzähler, die uns von der Auszeit einer in einer Vorstadt lebenden vierköpfigen Familie berichten. Von der Schönheit der Natur, aber auch vom Ausgeliefertsein auf dem offenen Meer, von Begegnungen mit Einheimischen, aber auch mit sich selbst. Die kriselnde Ehe von Juliet und Michael gerät ebenso ins Wanken wie das Schiff, auf dem sie sich mit ihren beiden Kindern befinden. Auf dem offenen Meer sind sie einander und den Gewalten ausgeliefert. „Beginnt mein Fehler beim Boot? Oder schon bei meiner Ehe?“, fragt die sich nach der Katastrophe, die auf die schicksalshafte Reise folgte, im Schrank versteckende Erzählerin. (Nadja Voigt)
Amity Gaige: „Unter uns das Meer“, aus dem amerikanischen Englisch von André Mumot, Eichborn, 384 Seiten, 22 Euro

Türchen 18: Iris Wolff – Die Unschärfe der Welt

Am Ende der Welt, mittendrin: Buchcover "Die Unschärfe der Welt" von Iris Wolff
Am Ende der Welt, mittendrin: Buchcover „Die Unschärfe der Welt“ von Iris Wolff
© Foto: Klett-Cotta
Die Erinnerung sei „ein Raum mit wandernden Türen“, heißt es einmal. Die sich oft nach Belieben öffnen und schließen, ohne unser Zutun. In diesem Roman öffnet jedes Kapitel so eine neue Welt – los geht‘s mit Florentine, die in den 70er-Jahren in einem Dorf im Banat ein Kind zur Welt bringt: Samuel. Dem begegnen wir wieder als jungem Mann in Westdeutschland; später seiner Tochter. Zu entschlüsseln, wo und bei wem man dieses Mal gelandet ist, kann dauern … Inneres Zentrum bleibt das Banat, eine ethnisch gemischte Region in Südosteuropa. Die junge Autorin ist dort aufgewachsen und erzählt – leise, eigenwillig und poetisch – eine bewegte Familiengeschichte über Generationen. Ihr Roman strömt dahin wie ein breiter Fluss, und bemüht sich nicht, es dem Leser leicht zu machen; wer sich darauf einlässt, wird aber in eine geheimnisvolle Welt gezogen. (Antje Scherer)
Iris Wolff: „Die Unschärfe der Welt“, Klett-Cotta, 216 Seiten, 20 Euro

Türchen 17: Sibylle Berg – Nerds retten die Welt

Die Welt retten mit Frau Berg: Buchcover "Nerds retten die Welt" von Sibylle Berg
Die Welt retten mit Frau Berg: Buchcover „Nerds retten die Welt“ von Sibylle Berg
© Foto: KiWi
Was hilft gegen das Abdriften von Jugendlichen in Extremismus und Gewalt? Anerkennung, sagt der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer. Anerkennung in der Schule, in der Familie. „Wir haben in dieser Konkurrenzgesellschaft keine Kultur der Anerkennung.“ Der Konflikt- und Gewaltforscher ist einer unter 16 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die die Autorin Sybille Berg befragt hat zum Zustand dieser Welt - und wie er sich mit Wissen verändern ließe. Berg bringt ihre Sicht in diese Gespräche ein: zugespitzt, pointiert, witzig. Es geht um Faschismus, Terror gegen Frauen, Künstliche Intelligenz, Krebsforschung... Berg bringt Komplexes auf den Punkt, macht es verständlich. Was der Leser mitnimmt: Erkenntnisgewinn, Denkansätze, Ermutigung. Wenn es keine Lösungen gibt, lohnt es, Wege zu suchen und – wehrhaft zu sein. (Ina Matthes)
Sibylle Berg: „Nerds retten die Welt“, Kiepenheuer & Witsch, 329 Seiten, 22 Euro

Türchen 16: Santiago Amigorena – Kein Ort ist fern genug

Polnische Emigranten in Buenos Aires: Buchcover "Kein Ort ist fern genug" von Santiago Amigorena
Polnische Emigranten in Buenos Aires: Buchcover "Kein Ort ist fern genug" von Santiago Amigorena
© Foto: Aufbau Verlag
Es ist eine Liebesgeschichte,  die der in Paris lebende Autor Santiago Amigorena da aus der argentinischen Hauptstadt erzählt. Eine, der der Satz vorangestellt ist: „Nein, angemessen auf das Maßlose zu reagieren war unmöglich.“ Es ist die Geschichte seines Großvaters, der in den 1920er-Jahren von Warschau nach Buenos Aires auswandert, um den engen Regeln seiner jüdischen Familie folgen zu müssen. Er gründet ein Möbelgeschäft, verliebt sich in die zarte Rosita, tanzt. Ein Dandy. Dann erhält er eines Tages einen Brief von seiner Mutter  – aus dem Warschauer Ghetto. Vicente wird von Schuldgefühlen gequält. Er glaubt, seine Familie im Stich und seine Herkunft verraten zu haben – und verstummt. 17 Jahre später wird der Autor geboren, der das Schweigen in der Familie so beredt schildert, dass man nicht aufhören kann zu lesen. (Merle Hilbk)
Santiago Amigorena: „Kein Ort ist fern genug“, Aufbau Verlag, 184 Seiten, 20 Euro

Türchen 15: Sebastian Klussmann: „Besserwissen mit dem Besserwisser“

Buchtipp zum Advent Besserwissen mit dem Besserwisser
Buchtipp zum Advent Besserwissen mit dem Besserwisser
© Foto: ldt
Wissen Sie, wie die deutsche Bildungsministerin heißt? Anja Karliczek (CDU). Falls Sie das nicht auf Anhieb gewusst haben sollten – Sie sind nicht alleine! Wie wir unsere Allgemeinbildung stetig verbessern können, erfahren wir von Sebastian Klussmann, bekannt aus der ARD-Quizshow „Gefragt – Gejagt“. In seinem Buch gibt er Tipps,  wie wir dazulernen und dabei unser Gedächtnis trainieren können.  Das Gute: Es ist gar nicht so viel Aufwand und geht quasi nebenbei. Klussmann empfiehlt unter anderem die Lektüre von  Sachbüchern, die Fernsehsendung Terra X, aber  auch Computerspiele oder gar das Lesen der Apotheken Umschau. Brauchen kann das (fast) jeder. Denn egal, ob Job, Eignungstest, Vorstellungsgespräch oder Unterhaltung auf einer Party – mit einer guten Allgemeinbildung kann man überall punkten. (Reinhard Düsterhöft)
Sebastian Klussmann: „Besserwissen mit dem Besserwisser“, Ullstein-Verlag, 270 Seiten, 10 Euro

Türchen 14: Carla Maria Heinze: „Potsdamer Abgründe“

Freimaurer, der alte Fritz und der Tod: Buchcover "Potsdamer Abgründe Reihe" von Carla Maria Heinze
Freimaurer, der alte Fritz und der Tod: Buchcover „Potsdamer Abgründe Reihe“ von Carla Maria Heinze
© Foto: Emons
In gewohnter Manier ermitteln in Carla Maria Heinzes „Potsdamer Abgründe“ Maik von Lilienthal als Leiter der Mordkommission Potsdam und sein Team in einem besonders grauseligen Fall. Und auch in gewohnter Manier ist von Lilienthals Mutter, Enne, ehemalige und pensionierte Fallanalytikerin, wieder dabei, ihm mit ihren privaten Ermittlungen dazwischen zu funken, als ein Zufallsfund im Geheimen Preußischen Staatsarchiv historische Abgründe öffnet. In diesem Kriminalroman kommen alle auf ihre Kosten: Fans des Dunklen, Geschichtsverliebte und selbsternannte Detektive. Denn neben dem Polizeialltag, tauchen die Leserinnen und Leser in die Geschichte der Freimaurer in England und Deutschland ab und lernen noch das ein oder andere über den Alten Fritz, Kulturschätze während der Nazi-Zeit und die Treuhand. (Jaqueline Westermann)
Carla Maria Heinze: „Potsdamer Abgründe“, Emons Verlag, 288 Seiten, 13 Euro

Türchen 13: Johann Hinrich Claussen – Die seltsamsten Orte der Religionen

Weltreise der anderen Art: Buchcover "Die seltsamsten Orte der Religionen
Von versteckten Kirchen, magischen Bäumen und verbotenen Schreinen" von 
Johann Hinrich Claussen
Weltreise der anderen Art: Buchcover „Die seltsamsten Orte der Religionen Von versteckten Kirchen, magischen Bäumen und verbotenen Schreinen“ von Johann Hinrich Claussen
© Foto: C. H. Beck
Kirchen, Moscheen und Synagogen – das sind gemeinhin die Orte, die wir mit Religionen verbinden. Doch Glaube und Spiritualität manifestiert sich eben nicht nur in solchen Bauten. Überall auf der Erde gibt es Abweichungen von der Norm. Der evangelische Theologe Johann Heinrich Claussen stellt in seinem kurzweiligen Buch 39 dieser seltsamen Orte vor. In Spanien begegnet er einem Mönch, der seit fast 60 Jahren eine riesige Do-it-yourself-Kathedrale errichtet, in Argentinien einem Heiligtum aus Müll für Lastwagenfahrer, in Belgien einem Druiden-Baum, in Frankreich dem Mausoleum eines Postboten, in Indien einem Tempel für Ratten. Auch in der Bundesrepublik wurde Claussen fündig, etwa in München, Meißen, Hamburg und Bamberg. Und schließlich erklärt er seinen Lesern, warum der Evangelische Kirchentag eine deutsche Seltsamkeit ist. (Camillo Kupke)
(Johann Hinrich Claussen: „Die seltsamsten Orte der Religionen“, C. H. Beck, 240 Seiten, 20 Euro)

Türchen 12: Ezra Klein – Der Tiefe Graben. Die Geschichte der gespaltenen Staaten von Amerika

Eine Nation, zwei Lager: Buchcover "Der Tiefe Graben. Die Geschichte der gespaltenen Staaten von Amerika" von Ezra Klein
Eine Nation, zwei Lager: Buchcover „Der Tiefe Graben. Die Geschichte der gespaltenen Staaten von Amerika“ von Ezra Klein
© Foto: Hoffmann und Campe
Die Vereinigten Staaten sind politisch gespalten. Egal ob Religion, Wohnort oder bevorzugter Fernsehsender – die Trennlinie zwischen „konservativ“ und „liberal“, zwischen dem Bekenntnis zu „Republikanern“ und „Demokraten“ tangiert mittlerweile nahezu alle Lebensbereiche der amerikanischen Gesellschaft. Wie es soweit kommen konnte, darüber gibt der Politikjournalist Ezra Klein in „Der tiefe Graben“ Aufschluss. Neben der historischen Dimension geht es ihm dabei vor allem um die radikalisierende Wechselwirkung einer in sogenannte „Mega-Identitäten“ zerfallenen Öffentlichkeit und ihrer Institutionen. Um die Frage nach dem Warum für dieses lauter werdende „Wir gegen die“ zu beantworten, stützt sich Klein auf zahlreiche sozialpsychologische Studien. Der unaufgeregten Anschaulichkeit seines Schreibens tut dies jedoch keinen Abbruch. (Michael Heider)
Ezra Klein: „Der Tiefe Graben. Die Geschichte der gespaltenen Staaten von Amerika“, Hoffmann und Campe, 384 Seiten, 25 Euro

Türchen 11: Håkan Nesser – Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

Die toten Kinder: Buchcover "Barbarotti und der schwermütige Busfahrer" Håkan Nesser
Die toten Kinder: Buchcover "Barbarotti und der schwermütige Busfahrer" Håkan Nesser
© Foto: btb
Ein schwerer Verkehrsunfall wird zum Wendepunkt im Leben von Albin Runge. Der Busfahrer kommt im Frühjahr 2007 von der Straße ab und stößt mit einem Laster zusammen. 17 Kinder und eine Mutter sterben. Fünf Jahre später erhält Runge Drohbriefe ins Haus. Er geht zur Polizei und eine merkwürdige Geschichte mit vielen Raffinessen und Zeitsprüngen nimmt ihren Lauf. Krimiautor Håkan Nesser schickt in seinem neuen Buch „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ seinen erfahrensten Inspektor ins Rennen. Es vergehen wiederum viele Jahre bis der Fall Runge erneut auf den Tisch der Ermittler landet. Gunnar Barbarotti will Albin Runge auf einer einsamen Insel gesehen haben. Aber war er es wirklich? Barbarotti und Kollegin Eva Backman haben viele Zweifel. Schließlich wurde Runge vor Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff getötet und ins Meer geworfen? (Beate Bias)
Håkan Nesser: „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“, aus dem Schwedischen von Paul Berf, btb, 416 Seiten, 22 Euro

Türchen 10: Stefanie Sargnagel – Dicht

Aus den Spelunken Wiens: Buchcover "Dicht" von Stefanie Sargnagel
Aus den Spelunken Wiens: Buchcover "Dicht" von Stefanie Sargnagel
© Foto: Rowohlt
Wien wird geliebt als behäbige Metropole mit Häuserfassaden, an denen noch der Chic der Kaiserzeit haftet. Zwischen dem Prunk eines Schloss Schönbrunn und gehobener Kaffeehaus-Kultur hat die urbane Schönheit fernab des Bürgertums auch ihre schmuddeligen Ecken und Randfiguren. Über die Welt Wiener Außenseiter – Kneipenphilosophen und intellektuelle Junkies – erzählt Stefanie Sargnagel  in „Dicht. Aufzeichnungen einer Tagediebin“. In der Kulisse ihrer Jugenderinnerung flaniert sie mit ihrer Freundin durch die überraschend vielen Spelunken Wiens, auch Beisl und Hittn genannt. Dabei hebt sie das Besondere an diesen Menschen hervor, ohne sie zu idealisieren. Mit ihren autobiographischen Notizen fräst die Schriftstellerin ein kleines Fenster durch die Glasdecke hinab in eine Welt, für die Bürgerkinder zu gut behütet waren. (Katharina Schmidt)
Stefanie Sargnagel: „Dicht“, Rowohlt, 256 Seiten, 20 Euro

Türchen 9: A. Litvina Aleksandra/ u.a. – Transsib. Poezd otpravljaetsja!

Ein Sibieren-Fernweh-Buch: "Transsib" von A. Litvina Aleksandra
Ein Sibieren-Fernweh-Buch: "Transsib" von A. Litvina Aleksandra
© Foto: Samoskat
Für alle, die ihr Russisch und ihr Wissen über Russland auffrischen wollen,  sei dieses Buch empfohlen – übersetzt lautet der Titel „Transsib – Der Zug fährt ab.“ Das kommt daher wie ein Bilderbuch für Kinder, ist aber tatsächlich ein Sachbuch für die ganze Familie, das geografische, geschichtliche und politische Landeskunde auf spielerische Weise vermittelt: Mit Hilfe von Zeichnungen und kleinen Graphic Novels. Es geht um eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok. Jugendliche entlang der Strecke erzählen von ihrem Leben, es gibt Geschichten über die Haltepunkte, vor allem aber wunderschöne, doppelseitige Naturbilder, bei denen einen das Fernweh packt. Mit dem Vorgängerband, „In einem alten Haus in Moskau“, das 2018 auf Deutsch erschien, gewannen die Autorinnen  den Deutschen Jugendbuchpreis. (Merle Hilbk)
A. Litvina Aleksandra/ u.a.: „Transsib. Poezd otpravljaetsja!“, Verlag Samoskat, 76 Seiten, , 26 Euro (Versand: www.umniza.de)

Türchen 8: Candice Carty-Williams – Queenie

Die neue Bridget Jones: Buchcover "Queenie" von Candice Carty-Williams
Die neue Bridget Jones: Buchcover „Queenie“ von Candice Carty-Williams
© Foto: Aufbau Verlag
Queenie Jenkins bekommt ihr Leben nicht in den Griff. Sie ist eine junge, schwarze Journalistin die eigentlich über Black Lives Matter und Feminismus schreiben möchte – aber sich nicht traut, das Wort zu ergreifen. Ihr Freund verteidigt sie nicht vor den rassistischen Äußerungen seiner Familie, immer wieder muss sie hören, dass sie es „doch nicht so gemeint“ hätten. Als sie sich trennen wandert Queenie von einer schrecklichen Männer-Erfahrung in die Nächste. Queenie befindet sich in einer Krise, aus der sie alleine nicht herausfindet.
Das Buch von Carty-Williams ist vielleicht nicht perfekt, aber es verpackt die Probleme einer modernen, jungen schwarzen Frau in London mit Humor und Emotionalität. Der Lesende wird durch alle schlechten Entscheidungen mitgerissen – und hofft, dass Queenie sich am Ende noch findet und lernt, was sie eigentlich wert ist. (Amy Walker)
Candice Carty-Williams: „Queenie“, Aufbau Verlag, 544 Seiten, 22 Euro.

Türchen 7: Beatrix Kramlovsky – Fanny oder Das weiße Land

Eine Flucht auf Raten: Buchcover "Fanny oder das weiße Land" von Beatrix Kramlovsky
Eine Flucht auf Raten: Buchcover „Fanny oder das weiße Land“ von Beatrix Kramlovsky
© Foto: Hanser Verlag
Gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges ist Karl in Gefangenschaft geraten. Nun sitzt er seit Jahren in Chabarowsk in Sibirien und sehnt sich nach Wien, nach seiner Partnerin Fanny. Schließlich fasst eine Gruppe von k.-u.-k.-Soldaten um Karl, den Plan zur Flucht. Auf dem langen Weg gen Westen fordert der beginnende Bürgerkrieg immer wieder Zwangspausen und die sechs Männer sind länger unterwegs, als sie es sich je zu träumen wagten. Karls künstlerisches Talent hilft ihnen mehr als einmal. Er selbst klammert sich im Fluchtalltag an die Briefe seiner Geliebten, die ihn jahrelang durch glückliche Umstände im Lager erreichten. Beatrix Kramlovsky schildert die erdrückende und gleichzeitig gewaltige Landschaft Sibiriens in „Fanny oder Das weiße Land“ und zeigt die Figuren mit Charakter-Einblick. Ein fesselnder Roman, den man in einem Rutsch lesen kann. (Jaqueline Westermann)
Beatrix Kramlovsky: „Fanny oder Das weiße Land“, Hanserblau, 304 Seiten, 23 Euro

Türchen 6: Ferdinand von Schirach – Gott

Freier Mensch oder Wille Gottes: Buchcover des Theaterstücks "Gott" von Ferdinand von Schirach
Freier Mensch oder Wille Gottes: Buchcover des Theaterstücks "Gott" von Ferdinand von Schirach
© Foto: Luchterhand Literaturverlag
Selbstbestimmt Leben – das ist ein erstrebenswertes Gut des Menschen. Aber wie sieht es mit der Selbstbestimmung im Tod aus? Richard Gärtner, 78 Jahre alt und ein körperlich wie geistig gesunder Mann, will seit dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben. Soll ihm dieser Wunsch gewährt werden? Wem gehört eigentlich unser Leben? Und wer entscheidet über unseren Tod? Diese Fragen werden im neuen Theaterstück „Gott“ vom Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach in einer fiktiven Zusammenkunft der Ethikkommission aufgegriffen. Feinfühlig und mitreißend stellt sich der Autor dem lange in Deutschland brodelnden Diskurs um die Sterbehilfe und wiegt respektvoll Für- und Gegenargumente gegeneinander auf. Am Ende ist aber nicht die Ethikkommission, die ein abschließendes Urteil fällt, sondern der Leser selbst. (Christina Sleziona)
Ferdinand von Schirach: „Gott“, Luchterhand Literaturverlag, 160 Seiten, 18 Euro

Türchen 5: Jürgen Neffe – Das Ding

Auf einen Plausch im Trump Tower: Buchcover "Das Ding" von Jürgen Neffe
Auf einen Plausch im Trump Tower: Buchcover "Das Ding" von Jürgen Neffe
© Foto: Europa Verlag
Kommt dieser Weihnachtstipp zu spät? Ach was: Jürgen Neffes Versuch, mit „Das Ding“ ein Psychogramm des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump in Romanform zu skizzieren, erzeugt noch einmal wohlige Gruselschauer und bedient einen gewissen Voyeurismus. Neffe (64), der einst als „Spiegel“-Korrespondent in New York tätig war und das Hauptstadtbüro des Nachrichtenmagazins leitete, schildert hier seine (Interview-)Begegnungen mit dem Immobilienmogul. Es ist auch nach den vier Jahren Präsidentschaft noch frappierend, zu verfolgen, wie bereitwillig Trump Dinge preisgibt, die anderen die Schamesröte ins Gesicht treiben würden.  Der erfahrene Biograph (Einstein, Darwin, Marx) Neffe betreibt kein bloßes Bashing, sondern bemüht sich um Empathie. Die Handlung samt Konflikt mit US-Geheimdiensten ist haarsträubend – ein schräger Politkrimi! (Boris Kruse)
Jürgen Neffe: „Das Ding. Der Tag an dem ich Donald Trump bestahl.“, 214 Seiten, 20 Euro

Türchen 4: Maja Lunde – „Als die Welt stehen blieb“

Norwegischer Pandemie-Alltag: Buchcover "Als die Welt stehen blieb" von Maja Lunde.
Norwegischer Pandemie-Alltag: Buchcover „Als die Welt stehen blieb“ von Maja Lunde.
© Foto: Randomhouse
Eigentlich wollte die norwegische Autorin Maja Lunde, bekannt geworden mit „Die Geschichte der Bienen“, ihr Klima-Quartett mit einem Pandemie-Roman abschließen. Doch im März holt sie die Realität ein. Statt weiter ihren Roman zu verfolgen, verfolgt sie obsessiv Nachrichten. Sie macht sich Gedanken und Sorgen, blickt nach Italien und nach Innen, entdeckt einen Knoten in der Brust, versucht sich in Gartenarbeit und Homeschooling. Es ist, als stecke sie selbst in einem ihrer dystopischen Romane fest. Maja Lunde schreibt Tagebuch. In kurzen, in einfacher Sprache verfassten Kapiteln skizziert sie in „Als die Welt stehen blieb“ drei Lockdown-Wochen in der Familie. Es ist ein kurzweiliger Blick in ein anderes Leben geworden. Die pointierten Beobachtungen sind vertraut, weil das Erlebte inzwischen zu einer kollektiven Erfahrung geworden ist. (Marco Winkler)
Maja Lunde: „Als die Welt stehen blieb“, Randomhouse, 224 Seiten, 16 Euro

Türchen 3: Olaf Schubert – „Wie Dirk B. lernte, den Kapitalismus zu lieben“

Lebenstipps für den Kapitalismus: Buchcover "Wie Dirk B. lernte, den Kapitalismus zu lieben."
Lebenstipps für den Kapitalismus: Buchcover „Wie Dirk B. lernte, den Kapitalismus zu lieben.“
© Foto: S. Fischer Verlag
Olaf Schubert ist kein westlicher „Comedian“, bei dessen Witzen man sich auf die Schenkel klopft. Er ist ein Kabarettist der guten alten – hintergründigen – Art. Alle, die ihn mögen, wissen genau, dass er eben nicht der trottelige Typ ist, als den er sich ausgibt, sondern einer, der schon so manchen Schicksalsschlag eingesteckt, aber sich dennoch behauptet hat. 
Und so ist auch sein Buch: Vordergründig ulkig, aber eigentlich geht es um die ernste Frage, wie man angesichts der ganzen Verlockungen und Abgründe, die der Kapitalismus bietet, ein anständiger Mensch bleiben kann. Neben den aberwitzigen Abenteuern des Dirk B. findet man auf den 240 Seiten auch Lebensregeln wie diese: Schwimme niemals mit dem Strom! Schwimme nicht im Gegenstrom! Schwimme NEBEN dem Fluss!
Denn dort kannst du laufen. (Dietrich Schröder)
Olaf Schubert: „Wie Dirk B. lernte, den Kapitalismus zu lieben“, S. Fischer, 240 Seiten, 14,99 Euro

Türchen 2: Michael Christie – „Das Flüstern der Bäume“

Kampf ums Überleben: Buchcover des Zukunftsthrillers "Das Flüstern der Bäume" von Michael Christie
Kampf ums Überleben: Buchcover des Zukunftsthrillers „Das Flüstern der Bäume“ von Michael Christie
© Foto: Penguin
Mit einem Blick in eine graue Zukunft fängt dieser Roman an. Auf der Erde gibt es keine Bäume mehr. Die kläglichen, wenn auch prächtigen Reste, werden in geschützten Wäldern gehalten, für die man Eintritt zahlen muss. Das ist meist nur für Reiche erschwinglich. Wer in „Das Flüstern der Bäume“ über die ersten Kapitel voller Schachtelsätze hinaus liest, wird mit einer wundervollen Geschichte über Kanada belohnt. Sie führt in dichte Wälder, in denen Einsiedler Ahornsaft zapfen. Die Reise geht nach Saskatchewan in die staubtrockene Prärie, wo eine starke Frau ums Überleben auf ihrer Farm kämpft. Und man landet in der Opiumhöhle, wo Lebensträume platzen. Es sind diese Alltagsgeschichten über Menschen am Rande der Existenz, die das Buch lesenswert machen. Und schließlich sind die Erzählstränge über Familienbande verwoben.  (Eva-Martina Weyer)
Michael Christie: „Das Flüstern der Bäume“, Penguin, 560 Seiten, 22 Euro

Türchen 1: Jonathan Coe – „Middle England“

Einblicke ins Brexit-Land: Buchcover "Middle England" von Jonathan Coe.
Einblicke ins Brexit-Land: Buchcover „Middle England“ von Jonathan Coe.
© Foto: Folio-Verlag
Die Schönheit des ländlichen England: eine Wassermühle am Fluss, Mondschein über dem stillen Wasser, Pasta und ein gut gekühlter Weißwein im Kreise der Freunde, und aus der Musikanlage erklingt der Folksong „Adieu to old England“. Dieses alte England geht verloren, und wie toxisch die Nostalgie sein kann, die es hervorruft, schildert der britische Autor Jonathan Coe so satirisch wie hellsichtig und humorvoll anhand einer Runde alter Schulfreunde. Der erfolglose Autor, der Verleger von Heimatromanen, der linksliberale Star-Kolumnist, sie alle sind getrieben von Beziehungsproblemen, Existenzzweifeln und dem unguten Gefühl, dass die Welt um sie herum sich stärker ändert als sie wünschen. Wer verstehen will, wie ganz normale Menschen zu Brexiteers werden, und was das mit unser aller Sehnsuchtsland macht, sollte „Middle England“ lesen. (Christina Tilmann)
Jonathan Coe: „Middle England“, Folio, 480 Seiten, 25 Euro