Angelica Domröse ist tot: Sie wird für immer Paula bleiben, Schauspielerin gestorben
Liebling der Nation: Angelica Domröse (1941 - 2026). Nun ist die Schauspielerin im Alter von 85 Jahren gestorben.
Hendrik Schmidt/dpa- Angelica Domröse ist im Alter von 85 Jahren gestorben, bestätigte die Defa-Stiftung dem rbb.
- Berühmt wurde sie 1973 als Paula in „Die Legende von Paul und Paula“ an der Seite von Winfried Glatzeder.
- Sie spielte über 50 Filmrollen bis 1980 und war dreimal DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres.
- 1976 unterschrieb sie die Biermann-Petition – 1980 reiste sie mit Hilmar Thate in den Westen aus.
- Später wirkte sie am Schillertheater, im „Polizeiruf 110“ und zuletzt 2012 im Kino.
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Dunkle Locken, Blumenkranz, Rüschenbluse, kurzer Rock – so hat sie Millionen von Filmzuschauern bezaubert. Als alleinerziehende Mutter Paula, die an die Liebe und das Leben glaubt und daran, dass man jedes Risiko eingehen müsse, wenn es nur eine kleine, klitzekleine Hoffnung gilt. Sie stand auf der Theaterbühne, war „Polizeiruf“-Kommissarin und inszenierte selbst – aber Angelica Domröse wird für immer Paula sein. Im DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ spielte sie 1973 an der Seite von Winfried Glatzeder (80) die Rolle ihres Lebens.
Nun ist Angelica Domröse im Alter von 85 Jahren gestorben, wenige Wochen nach ihrem 85. Geburtstag. Das hat die DEFA-Stiftung dem rbb am Freitag bestätigt. Zuerst hatte die „Super Illu“ berichtet. 2016 war ihr zweiter Ehemann Hilmar Thate gestorben, mit dem sie vierzig Jahre lang verheiratet gewesen war. Seitdem war es ruhig geworden um die Schauspielerin. Und doch werden bei der Nachricht ihres Todes wahrscheinlich die meisten sofort ein Bild vor Augen haben.
Als Angelica Domröse 1973 als Paula auf der Leinwand erschien, in Heiner Carows DEFA-Film „Die Legende von Paul und Paula“, nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf, war das eine Sensation. Eine zierliche kleine Person, die aller Spießigkeit und Ordnungsliebe der DDR den Kampf ansagt. Auch Winfried Glatzeder, der an ihrer Seite den Paul spielt, der so systemkonform lebt und doch von seiner Liebe nicht lassen kann, wird bis heute immer wieder auf die Rolle und auf seine damalige Filmpartnerin angesprochen. Und die Musik der Puhdys, mit Songs wie „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“, tat ihr Übriges, um den Film auch nach der Wiedervereinigung zu einem Ost- und Westdeutschland verbindenden Dauerbrenner zu machen.
Die Schauspielerei war ihr Traum, doch nach der Schule arbeitete die in Berlin aufgewachsene Domröse zunächst als Stenotypistin. Eine erste Aufnahmeprüfung an der Filmhochschule scheiterte. Nach ihrer ersten Filmrolle in „Verwirrung der Liebe“ (1959) gelang ihr dann aber doch noch der Sprung an die Babelsberger Filmhochschule.
Mehr als 50 Filme bis zu ihrer Ausreise in den Westen
Es folgten Theaterengagements am Berliner Ensemble – Helene Weigel höchstselbst schickte ihr ein Telegramm mit der Aufforderung vorzusprechen – und an der Berliner Volksbühne. Populär wurde Domröse aber vor allem durch ihre Film- und Fernseharbeit. Allein dreimal wurde sie in den 1970er-Jahren als DDR-Fernsehkünstlerin des Jahres ausgezeichnet. Bis zu ihrer Ausreise in den Westen 1980 spielte sie in mehr als 50 Filmen mit.
Die „Legende von Paul und Paula“ des Regisseurs Heiner Carow wurde zum Klassiker. Der Film erzählt von einer alleinstehenden jungen Mutter von zwei Kindern, die mit ihrer Liebe zu einem verheirateten Staatsdiener gegen gesellschaftliche Normen und Anpassungsideologien aufbegehrt. Kritiker lobten an dem Film, dass in ihm die realistische Schilderung des DDR-Alltags mit seinen Problemen um eine poetische Dimension erweitert wird.
„Die hatten alle einen Knacks weg – das zu zeigen in der DDR, war mutig“, sagte Domröse dazu 2012 in einem Interview. Die DDR habe immer von einer neuen Gesellschaft, neuen Menschen gesprochen. „Da kann ich nur sagen: Prost Mahlzeit. Alleine die Kohlen in den Keller oder vier Stockwerke hoch zu schleppen, damit fängt es doch schon an. Und dieses Graue. Bloß nicht zu viel lachen. Mit zwei Kindern von zwei Männern allein. Nein, der Film kam schon zur richtigen Zeit.“
Angela Merkels Lieblingsfilm mit der Musik der Puhdys
Noch heute verbinden Millionen Menschen Domröse mit Paula. Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekannte vor einigen Jahren, dass dies ihr Lieblingsfilm sei, zu dem die Puhdys mit Liedern wie „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“ den einprägsamen Soundtrack lieferten.
Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) erinnert sich: „Das erste Mal, als ich ,Paul und Paula' gesehen habe, war ich eigentlich noch zu jung dafür. Und trotzdem habe ich sofort verstanden, warum dieser Film für so viele Menschen im Osten mehr war als Kino. Er war Gefühl, Aufbruch, Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben. Und mitten darin: Angelica Domröse.
Vielleicht berührt mich ihr Tod deshalb so sehr, weil ich viele dieser Geschichten aus meiner eigenen Familie kenne: starke Frauen, die getragen haben, was andere oft nicht einmal gesehen haben – und die trotzdem nie aufgehört haben, Würde auszustrahlen. Angelica Domröse hat genau diesen Frauen ein Gesicht gegeben.
Für viele Ostdeutsche war sie weit mehr als eine Schauspielerin. Sie war Identifikationsfigur, Stolz, eine Künstlerin mit Haltung und mit einer ungeheuren Wahrhaftigkeit. Sie spielte nie glatt oder gefällig – sondern lebendig, verletzlich, kraftvoll. Gerade deshalb bleiben ihre Rollen bis heute so nah. Mit ihrem Tod verliert die deutsche Kultur eine außergewöhnliche Schauspielerin. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie, ihren Freunden und allen, die um sie trauern!“
Eine Zäsur in Angelica Domröses Leben war das Jahr 1976, als sie die Petition gegen die Ausbürgerung des DDR-Liedermachers Wolf Biermann unterschrieb. Die DDR-Obrigkeit legte der Schauspielerin fortan Steine in den Weg. 1980 reisten sie und ihr zweiter Mann, der Schauspieler Hilmar Thate (1931–2016), schließlich aus. Sie spielte erfolgreich am West-Berliner Schillertheater und später auch an anderen Bühnen.
Domröse übernahm wieder Fernsehrollen und verkörperte dreimal die Kommissarin Vera Bilewski im „Polizeiruf 110“. In den 1990er-Jahren entdeckte sie auch die Regie für sich und inszenierte Theaterstücke. 2008 kam sogar das einstige DEFA-Traumpaar Domröse und Glatzeder in einem Stück am Potsdamer Hans-Otto-Theater noch einmal zusammen.
2012 spielte sie noch einmal in „Bis zum Horizont, dann links!“
Es war allerdings nicht immer Glanz in ihrem Leben. In ihren 2003 veröffentlichten Erinnerungen „Ich fang mich selbst ein“ spricht Domröse offen über ihre jahrelange Alkoholsucht, die sie schließlich überwinden konnte. Zuletzt war sie 2012 in der Seniorenkomödie „Bis zum Horizont, dann links!“ auf der Kinoleinwand zu sehen, seitdem wurde es still um die kinderlose, zurückgezogen in Berlin-Charlottenburg lebende Schauspielerin.
2023 gab sie dem „SZ Magazin“ eines ihrer seltenen Interviews, gemeinsam mit Glatzeder. Nach Tipps für das Altern gefragt, antwortete Domröse: „Humor behalten. Und wenn er runterfällt, der Humor, dann aufheben und sagen: Bleib’ bei mir!“



