Während sich aber Fontanes Geburtshaus in Neuruppin in privater Hand befindet, ist das Fontane-Haus in Schiffmühle ein Museum, das erst im vergangenen Jahr mit einer neu konzipierten, äußerst ansprechenden Dauerausstellung wiedereröffnet wurde. Und trotzdem sind die Pforten jetzt geschlossen. Zum Ärger vieler Ausflügler – und der Betreiber.

Ein Konflikt mit der Stadt Bad Freienwalde

Ursache ist weder Corona noch ein Betriebsschaden. Sondern ein Konflikt um den Betreibervertrag, den die Stadtverwaltung nicht unterschreiben wolle. Was auch immer im Einzelnen zwischen den Verhandlungspartnern vorgefallen ist: Die Schließung ist ein kulturpolitischer Skandal. Und kein Ruhmesblatt für die Kurstadt Bad Freienwalde, zu der Schiffmühle gehört.
Denn das kleine Fachwerkhaus gilt als eines der wenigen authentischen Orte des Schriftstellers Theodor Fontanes (1819–1898), dessen 200. Geburtstag erst im letzten Jahr – nicht nur in Brandenburg – groß gefeiert wurde. Hier lebte und starb Fontanes Vater, Louis Henri Fontane (1796–1867). Fontanes Eltern hatten sich 1847 getrennt. Während Mutter Emilie mit Tochter Elise 1854 nach Neuruppin ins Predigerwitwenhaus zog, erwarb Vater Louis ein Jahr später in Schiffmühle ein Haus mit Garten. 1856 ist ein erster Besuch von Sohn Theodor überliefert: "Zu Papa nach Freienwalde. Sehr herzlicher Empfang", notierte er im Tagebuch. Und ergänzt: "Runde 12 Stunden geplaudert."
Jahrzehnte später setzte Fontane Schiffmühle in seinem autobiografischen Buch "Meine Kinderjahre" ein literarisches Denkmal. Dokumentiert sind nicht nur das Alltagsleben des Vaters, sondern auch die Ausstattung des Hauses. Die Erstausgabe des 1894 erschienenen Buches gehört zu den Exponaten der neuen Ausstellung.
Die Schließung des Fontane-Hauses ist auch ein finanzpolitischer Skandal. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 90 000 Euro aus kommunalen Mitteln der Stadt Bad Freienwalde sowie aus Fördertöpfen von "Kulturland Brandenburg" in die nachhaltige Sanierung von Haus und Garten investiert.
Am 17. Mai 2019 wurde das Haus mit viel Prominenz feierlich wiedereröffnet. 4500 Besucher kamen bis Oktober 2019 in das idyllisch an der gemütlich dahin fließenden Alten Oder gelegene Haus. Davon können andere regionale Kultureinrichtungen nur träumen.
Das Fontane-Haus ist mitnichten "nur" ein Museum. Es ist ein Ausflugsvergnügen für die ganze Familie. Das moderne Ausstellungskonzept bietet jedem etwas. In der "Fontane-Stube" wird das Vater-Sohn-Verhältnis thematisiert. Und in der "Schiffmühle-Stube" können sich die Besucher über die Insel Neuenhagen, die Ortsteile Schiffmühle, Neutornow und Gabow sowie die Funktionsweise von Schiffmühlen informieren. Im Außenbereich des Hauses befinden sich ein Bauerngarten, ein Pavillon, ein Aussichtspunkt "mit Fontane-Blick" sowie ein Kleintier-Gehege.
Soll das alles umsonst gestaltet und finanziert worden sein? Es sei "ein Skandal", schrieb Theodor Fontane an seine Frau Emilie 1857 aus London, "dass man sich um den alten Herrn [in Schiffmühle] nicht mehr bekümmert." Kümmert euch! Und macht das Fontane-Haus wieder auf.
Die Autoren: Gabriele Radecke ist Literaturwissenschaftlerin und Autorin zahlreicher Fontane-Bücher. Sie war für das Fontane-Jubiläum Sprecherin des wissenschaftlichen Beirats. Robert Rauh ist Lehrer und Seminarleiter sowie Autor einiger Fontane-Bücher.

Streit um das Fontane-Haus


Das Fontane-Haus in Schiffmühle wurde bislang von der Stadt Bad Freienwalde betrieben. 2019 wurde es mit Unterstützung von Kulturland Brandenburg mit einer neuen Ausstellng versehen. Nun soll die Tourismus GmbH das Haus übernehmen. Doch um den Betreibervertrag gibt es Streit. Mehr dazu unter moz.de red