Das mehrteilige Projekt sei in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt des Kreises Oder-Spree entstanden, erzählt Regisseur Hans-Joachim Frank. Geplant  ist kein einzelnes, großes Stück, eher eine Art Feldforschung über drei Jahre, die in verschiedenen künstlerischen Formen erlebbar werden soll. Zuvor hatte das Theater das Riesenprojekt "Die Heiden von Kummerow"  inszeniert.
Ihn interessiere die vielschichtige Geschichte der Grenze, die ihm immer noch unaufgearbeitet scheine, so Frank. Etliche Gespräche mit Bewohnern der Orte gab es schon, "ich habe das Gefühl, es gibt ein Bedürfnis zu reden", sagt er, "fast ein Warten darauf, dass mal jemand fragt." Einiges sei festgehalten, aber was etwa in Ziltendorf zwischen Januar 1945 und der Kapitulation wirklich passiert sei, das sei in der Ortschronik nicht verzeichnet. Ihm schweben Lesungen "im kleinen Kreis" vor, um anschließend ins Gespräch zu kommen.
Grundlage für Teil eins von "theater 89 geht LOS" ist das Buch "Aurith–Urad: Zwei Dörfer an der Oder" von Tina Veihelmann (2009) mit Porträts von Bewohnern der beiden Orte. Texte daraus sollen im Studio aufgenommen und "als Lebenszeichen" per Lautsprecher zweisprachig über die Oder gespielt werden. Dazu sprechen Zeitzeugen live, etwa eine ehemalige Bürgermeisterin, zwei Pfarrer oder Mitstreiter der "Kajüte"; auch der Chor Adoramus und eine Band sind im Boot. Geplant ist ein zehnstündiges Event (10. Oktober) in Ratzdorf am Oder­ufer. Bunt, aber auch nachdenklich schwebt Frank der Gesamteindruck vor. Vorab gibt es am 11.9. schon eine Lesung in Ziltendorf. Fix ist auch ein Abend am 27.12. auf Burg Beeskow. Fortgesetzt wird das Ganze im Frühjahr und Herbst 2021.
Emotional deutlich anders gefärbt ist Teil zwei des Oder-Projektes – die Inszenierung des Romans "Der Kahn der fröhlichen Leute". Die wird unter freiem Himmel auf einem Boot auf der Oder gespielt, als lebendiges Spektakel mit Schauspielern, Musikern und Artisten. Der Bestseller aus dem Jahr 1933 von Jochen Klepper handelt von der kleinen Wilhelmine, die – nach dem Tod der Eltern – mit dem geerbten Oderkahn in See sticht und eine schillernde Mannschaft anheuert.
"Ein tolles Buch", schwärmt Hans-Joachim Frank, "anrührend, komisch und gar nicht pathetisch." Die Premiere ist für 2022 geplant, dann will das theater 89 mit dem Stück auf Tour gehen.
Infos/Karten: www.theater89.de