Ausstellung
: Packhaus in Frankfurt zeigt historische und zeitgenössische Grafiken

Eine Ausstellung im Frankfurter Museum stellt historische und zeitgenössische Fotografien und Grafik gegenüber.
Von
Antje Scherer
Frankfurt (Oder)
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  • Werner Hofmann (1969-1991) ist einer der Künstler, dessen Werke zur Zeit im Frankfurter Packhof zu sehen sind.

    Werner Hofmann (1969-1991) ist einer der Künstler, dessen Werke zur Zeit im Frankfurter Packhof zu sehen sind.

    Maurizio Gambarini/dpa
  • Knallbunt: Christoph Feists Frau auf karierter Bank ("ohne Titel", 2003)

    Knallbunt: Christoph Feists Frau auf karierter Bank ("ohne Titel", 2003)

    Über Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst
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Ein Hingucker ist bereits der riesige Trommler im Treppenhaus, ein  schwarz–weißer Linoldruck von Christoph Rückhäberle (2007), ähnlich formal reduziert wie der Holzschnitt „Begegnung“ von Werner Hofmann (1931) ein Stockwerk höher.

Die Schau, Untertitel: „Der Blick der Moderne in grafischen und fotografischen Werken aus der Sammlung des BLMK“, ist zeitgleich mit einer Ausstellung in der Frankfurter Rathaushalle zu sehen ("Der sachliche Blick in der DDR"). Beide stehen außerdem im Zusammenhang mit dem fünfteiligen Projekt „Unbekannte Moderne“ des Museums an allen drei Standorten. Im Packhof soll nun „dem Einfluss moderner Bildvorstellungen“ nachgespürt werden, "die in der Kunst der 20er/30er–Jahre entstanden sind und bis in zeitgenössische Konzepte hineinwirken“, wie es im Beiblatt heißt. Im Fokus sind Vertreter des sachlichen Blicks.

Vor Ort geht es recht vergnügt zu: In einem Raum klappt Gerd Arntz (1900—1988) eine Hauswand beiseite, zeigt uns oben ein Baby auf dem Küchenfußboden und im Stockwerk darunter eine nackte Frau unter der Dusche, wie in einem dieser Wimmelbilderbücher für Kinder. Gleich in zwölf Häuser dürfen wir in seiner Holzschnittserie (1927) linsen, auch ein Bordell ist dabei.

Viele Werke, sowohl von „gestern“ als auch von „heute“, drehen sich um städtischen Alltag — Bauhäusler Hajo Rose fotografiert eine Kommilitonin beim Nähen (1931); Fritz Eschen einen Lampenputzer (1932); die zeitgenössische Kollegin Franziska Neubert hat ein Parkhaus verewigt, auch eine Tankstelle und die Einkaufstüte mit Discounter–Logo tauchen auf.

Nicht nur thematisch gibt es Parallelen, auch in der formalen Reduktion beziehen sich die zeitgenössischen Künstler, oft aus dem Umfeld der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, erkennbar auf die Avantgarde der Zwischenkriegszeit. Die Lust am Experiment, am Spiel war damals, so der Eindruck, allerdings ein bisschen ausgeprägter.

Die kleine Schau bietet unterschiedliche Möglichkeiten, Verbindungslinien zu entdecken: Das Motiv der Tänzerin etwa taucht mal als Foto (Xanti Schawinsky, 1929) auf, mal als Linoldruck (Christoph Rückhäberle, 2015). Übrigens: Wer anhand des schier unverständlichen Erklärtextes am Startpunkt der Ausstellung am liebsten umdrehen würde — die Werke selbst machen wirklich Spaß.

„Gestern, heute, übermorgen“, bis 12.4., Di–So 11—17 Uhr, Packhof, C.-Ph.-E.-Bach–Str. 11, Frankfurt (Oder); 8.3., 15 Uhr, Familiennachmittag