Ausstellung: Von Tieren und von Menschen
Aber auf welche Art und Weise tun es die beiden Feinde? Björn Krauses großformatiges Aquarell verrät es: Der Hase beißt dem Fuchs abends einfach in dessen Hinterteil! Bisweilen mit ironischem Augenzwinkern beobachtet der Illustrator und Grafiker die Fauna. Da tummeln sich Rehe, Wildschweine und Fische. Anansi, der afrikanische Gott des Schabernacks in Gestalt einer mannsgroßen Spinne, versucht, sich in einen Bus zu zwängen. Und das in Lateinamerika bekannte Fabelwesen Chupacabra, ein zähnefletschender Kojote, krallt sich — gleich einem Vampir — eine Ziege, um ihr Blut auszusaugen.
Es bereitet Vergnügen, in Krauses animalisches Panoptikum einzutauchen. Seine Aquarelle sind derzeit in der Kunstgalerie Altes Rathaus in Fürstenwalde zu sehen — in Gesellschaft mit Plastiken von Julia Kausch. Im Zentrum des Schaffens beider Künstler steht das Leben. Sie nähert sich mit ihren Figuren aus Gips oder Bronze der sinnenden menschlichen Gestalt, während er das Tier in den Mittelpunkt rückt – Tiere mit oft menschlichen Wesenszügen, bisweilen fantastisch, jedoch anatomisch korrekt. Unter dem Titel „mehren und schwinden“ feiern die Künstler beide Schönheit des Lebens, legen aber auch den Daumen auf eine klaffende Wunde: die Diskrepanz zwischen ungebremstem Bevölkerungswachstum und Artensterben.
Künstlerkollegen aus Rostock
Nicht nur in ihren künstlerischen Intentionen finden sich Gemeinsamkeiten. Sowohl der 1987 in Frankfurt (Oder) geborene Björn Krause als auch die 1985 in Grevesmühlen geborene Julia Kausch haben an der Technischen Kunstschule (jetzt Designakademie) in Rostock bei Thomas Jastram studiert – sie Bildhauerei, er Illustration und Grafik. Beide unterrichten an Kunstschulen, und beide haben ihr Atelier im „Warnow Valley“, einem direkt am Rostocker Warnowufer gelegenen Kultur– und Kreativquartier.
Wie der Franzose Jean–Baptiste Oudry (1686—1755) und der 1960 geborene US–Maler Walton Ford bestellt der im Schlaubetal aufgewachsene Björn Krause hauptsächlich das Feld der Tiermalerei. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist der Stier – stehend, schreitend, sich dehnend, mal bedrohlich wirkend, mal friedlich, aber stets wachsam. Für den Grafiker ist der Stier eine Metapher der Stärke, des Mutes, aber auch des ewigen Kampfes gegen den Menschen, der sich skrupellos die Natur zum Untertanen macht.
Zwischen dem Gewusel der Tierwelt bilden Julia Kauschs figürliche Plastiken kleine Pole des Innehaltens. Ihre naturgetreuen, nach Modellen gearbeiteten und an die griechisch–römische Klassik angelehnten Porträtköpfe und -Statuetten strahlen Ruhe aus. Sie fordern Zeit ein, um die individuellen Gesichtszüge näher betrachten zu können. Fast schmerzhaft wirkt die leicht abstrahierte Figur „Wachstum“: Eine stehende Frau drückt ihren Kopf im 90–Grad–Winkel auf ihre rechte Schulter, als ob die Decke über ihr immer heftiger auf sie herunterdrückt — und ihr im nächsten Moment keine Luft mehr zum Atmen bleibt. Ein lange nachhallendes Werk.
bis 21.2., Di–So 13—16 Uhr, Kunstgalerie Altes Rathaus, Am Markt 1, Fürstenwalde, Tel. 03361 710188

